Danke für die Tipps Niko, die Frage, die ich mir nun stelle ist: ist all das auch anzuwenden auf eine Tunika? Ich bin mir nicht sicher wie du auf “Kittel” kommst, (ich gehe mal davon aus, dass es nicht einfach eine abwertenden Bezeichung sein soll), allerdings wollt ich eine Tunika genäht haben ob mir das nun gelungen ist, steht auf einem anderen Blatt) wieso ich mich auf eiine Seite für Wikingerkleidung informiere liegt daran, dass ich einen Wikinger bzw. Wikingernachfahren darstellen möchte, um 1100(→+/-10bis15 Jahre), der Teppich von Bayeux, an dem ich und die Seite sich orientieren, stammen laut Wikipedia aus der 2. Hälfte des 11. Jh., ergo ~1050-1099, auf dem Teppich sind viele Tuniken dargestellt, ich sehe also kein Problem darin, mich dort zu informieren.
Wobei ich gern die Kittel↔Tunikafrage aufwerfen möchte, wo genau liegt der Unterschied, in wiefern ändern sich deine Tipps, wenn wir von einer Tunika ausgehen?
ich versuchs der Reihe nach und mit dem klaren Hinweis daß ich kein Experte für diese Zeitstelllung bin !
“nachdem ich mich informiert habe” .. warum informierst du dich für einen Kittel Anfang 12.Jhdt. auf einer Seite für Wikingergewandschnitte ?
Kritik:
Idee:
Versuch deine Informationen aus verschiedenen Quellen der gewünschten Epoche zusammenzutragen und bastle am Ehesten den representativen Durchschnitt deiner Funde
“ein Schneider im MA hätte diese Tunika vermutlich deutlich besser hinbekommen” .. ein einfacher Mann hatte einen Kittel von seiner Frau, Mutter oder Schwester genäht bekommen..
Kritik:
Schneider sind was für spätere Zeiten.
Aber du hast recht, eine das Handwerk gewohnte Dame dieser Zeit hätte es deutlich besser hinbekommen.
Idee:
Versuch die Nähte einfach noch zu überarbeiten .. kürzere, engere Stiche vor allem
“die Tunika ist etwas kürzer als häufig dargestellt”
Kritik:
Nein, dieser Kittel ist zu kurz, viel zu kurz.
Damit bedeckst du nicht einmal die Bruche vollständig, von den Beinlingen ganz zu schweigen
Idee:
Wenn du noch was von dem Leinen hast, verlänger das Stück einfach, und vergiß dann nicht seitlich Geren hineinzunähen, sonst kannst du nicht mehr gehen.
“, wenn ich recht informiert bin, ist das bei ”Arbeitstuniken“ allerdings durchaus vertretbar (stimmt das so?)”
Kritik:
Einfache Kittel waren kürzer als die bodenlangen Kittel der Oberschicht, ja .. aber dieser Kittel ist zu kurz, viel, viel zu kurz.
“Der ”Halsdurchlass“ ist vermutlich etwas zu groß wird aber noch mit einer kleinen Fibel geschlossen werden.”
Kritik:
Der Halsauschnitt kann schon so passen, allerdings ist die Art wie du ihn versäubert hast auf dem Bild nicht zu erkennen
Idee:
Detailbild und Beschreibung der Methode, dann gibts sicher jemanden der was dazu sagen wird.
Kritik:
Generell ist ungefärbtes Leinen wirklich problematisch in der Oberbekleidung
Idee:
Arbeite das Hemd auf ein Unterhemd um (vor allem die Länge !) und mach dir einen Überkittel aus Wollstoff.
Kritik:
Die kurzen Seitenschlitze am unteren Saum kenn ich von keinem Original, daß auch nur in der Nähe deiner Zeitstellung liegt.
Idee:
Näh sie zu ! Was du ohnehin machen musst wenn du den Kittel verlängerst und Geren einnähst .. der Kittel ist nämlich zu kur ..
Kritik:
Welche Nahtformen du für die Nähte verwendet hast, kann ich anhand des Bildes nicht beurteilen. Die Schulternaht ist dir tatsächlich verrutscht. Generell hätt ich Vorder und Rückenteil überhaupt aus einer Stoffbahn gemacht. Da dus aber jetzt schon so hast ..
Idee:
Detailbild und Beschreibung der Methode, dann gibts sicher jemanden der was dazu sagen wird.
Über die Schulternaht keinen Kopf machen, da gibt es Originale die auch gepfuscht sind.
Wie authentisch schetzt ihr diese Tunika ein? macht man sich lächerlich, wenn man sie unter dem Motto “Mittelalter” trägt,
Kritik:
Es gibt sicher Veranstaltungen wo du von der mschinenähenden Pannesamt-Lurexbortenraktion für ein handgenähtes Hemd als “Auth ..Authenti .. Authentizitistiger” beschimpft wirst.
Und es gibt sicher Veranstaltungen da kommst du mit dem Hemd nicht mal in die Nähe. Die Wahl der Veranstaltung liegt aber natürlich bei dir.
Idee:
Frag dich einfach mal auf was für VAs du willst, dann geh in Zivil zu denen, schau dir alles an und frag die Leute dort um Hilfe ?
Zuletzt:
“was sagt ihr als deutlich Erfahrenere zu dieser Tunika?”
Ziemlich viel wie man sieht, und es gäbe noch mehr …
also mit “mehr Spass habe ich an Märkten und möchte dort in das Gefühl des MA kommen” und “Nachfahre Wikinger/Söldner um 1100” hast Du doch dann doch eh’ kein Problem mit “A”. Zieh Dein Hemd an und habe ordentlich Spaß auf dem Markt und das “Gefühl”. Die Frage “Wie A ist das Hemd?” ist dann freilich völlig überflüssig ;-)
Und falls Du dabei Lust bekommen solltest, mehr zu Wissen und Deine Ausstattung verteidigen (im positiven Sinn) zu können, also einem Fachkundigen standhalten zu können, tja, dann musst Du eben dann mehr tun und lesen. Whatever. Dann hat man eben im Nachhinein vieleicht Geld in den Sand gesetzt. Oder auch nicht? Denn es hat doch Spaß gemacht. Dann wärest Du freilich auch an dem Punkt der treffenden Formulierung “glaubhafte Interpretation dieser und jener Hinweise”, die Deiner unglücklichen Annahme, es gäbe “100% A” m.E. ganz grundlegend widerspricht ;-)
Also mach dir mal keinen Kopp, geh’ auf dem Mittelaltermarkt, habe Spaß und schau mal, wie es weitergeht :-)
In dem Moment wo du “kommt drauf an” geschrieben hast, wurde ich stark an mein Studium errinnert…
In meinem Studium kann man die Antwort aber auch immer präzisieren, darum präzisier ich nun die Informationen und hoffe eine befriedigende Antwort zu bekommen:
In allererster Linie geht es mir um den Spass, der Spass am Handwerk und am “Erschaffen”.
Zweitens bemühe ich mich Dinge herzustellen, wie sie in der angegeben Zeit möglich (wenn auch nicht zu 100% belegt) waren.
Dies versuche mit den äußerst bescheidenen Mitteln eines Studenten, der sein Geld auch für andere Dinge ausgibt.
Tragen will ich das Ding nicht in Museen oder Reenactmentveranstaltungen, wo es darauf ankommt zu 100% A und belegbar zu sein, mehr Spass habe ich an Märkten und möchte dort in das Gefühl des MA kommen, wofür, für mich zumindest, es nicht nötig ist 100% belegbar zu sein. Es soll passen und nach Möglichkeit auch dem einen oder anderen kritischen oder fachkundigerem Betrachter zumindest vor dem angegeben Hintergrund ein wenig standhalten.
edit:
An alle “Helfer”,
danke bis hierhin schonmal für die Tipps, ich werde sie bei hoffentlich folgenden Arbeiten versuchen sie zu berücksichtigen und bin für weitere Tipps dankbar
Wie Du sicher siehst, hat Deine Tunika relativ wenig vom Schnitt her mit den zeittypischen Sachen zu tun.
Aber: Wenn Du schon so weit bist, dass Du eine Tunika so wie Deine hinbekommst, dann dürfte die Anfertigung einer zeittypischen Oberbekleidung absolut in Deiner Reichweite sein.
Also als Rat: Zieh Deine Tunika als Untergewand an, schließe den Halsauschnitt nicht mit einer Fibel, sondern mit Bändchen und arbeite Dir eine Oberbekleidung nach dem Einsteigerzettel.
Du schreibst: “Wie authentisch schetzt ihr diese Tunika ein?”
Höchstens 12,5 % A, Marc. Leider habe ich die genau Formel nicht mehr.
Klar, das ist jetzt auch ein wenig fröhlich ironisch, aber Deine Frage evoziert in mir die Erwartung einer Antwort wie “OK” “passabel” “geht so” “lass mal sein”.
Eine solche Antwort kann aber nicht gegeben werden, denn, wie meine Vorredner schon sagten: “Kommt drauf an” (z.B. was Du damit machen willst und wo Du damit hin willst).
“Kommt drauf an” ist keine schöne Anwort. Ist unbefriedigend für den Frager. Mag ich selber *gar* nicht, wenn mir so geantwortet wird. Meine Freundin ist übrigens Juristin, und die antworten sehr oft so (allerdings aus anderen Gründen). Kann sogar weh tun. Aber oft dann doch “leider” die Richtige: Lesart irgendwo zwischen “Musst Du für die selbst und allein entscheiden.” und “Frage nicht sinnvoll”.
Viel Spaß im Hobby und sei bitte ned bös’
Rad i
P.S.: Hat jemand für 1100 noch einen Literaturtip für Marc?
Also zunächst einmal drängt sich mit der Hinweis auf, das ein vorrauseilende Widerrufsformulierung wie “errinnere allerdings daran, dass der Ton die Musik macht, denn ich habe 2 Tage lang daran gearbeitet.” nicht nötig ist, zumal, bei allem Respekt für dein Erstlingswerk, auf das du stolz sein magst, nicht elendig viel Zeit bei Texilrekonstruktionen ist.
Dann gibtst Du insofern schon die Antwort, als dass Du die Unterschiede zu dem nennst, was Du als Vorlage genommen hast. Alldieweil ich hoffe, das Du etwas hochauflösendere Bilder, als die verlinkte, benutzt hast.
Desweiteren an dieser Stelle die Empfehlung, diese Stickerei nicht als Vorlage, zumindestens nicht ohne Vergleich, zu benutzen, da sie sehr stilisiert. Und ausserdem regional ist, will heissen: das dort abgebildete passt für nordfranzösisch/englische Personen des Zeitrahmens, aber nicht unbedingt für hiesige.
Ganz konkret an der Sache denke ich, dass zuallererst ungefärbtes Leinen wenn dann eher der Leibwäsche zuzurechnen ist, also Unterkleidung, sie ganz generell tatsächlich eher kurz ist, und die Schulternaht nach vorne verschoben ist, was ich bei den Originalen nicht kenne.
Wodurch mein Fazit ist: Deine Umsetzung ist keine Rekonstruktion einer mir bekannten Abbildung oder eines Fundes, und in Konstruktion, Details wie Naht und Länge für alle mir bekannten(!) Zeitrahmen nicht “richtig”.
Alles andere wie “mache ich mich damit lächerlich” etc. hängt wohl von den Veranstaltungen ab, die du damit besuchst.
Als weitergehende Empfehlung: benutze die Suche hier, für den von dir angestrebten Zeitrahmen gibt es bereits viel Material, inklusive “Kitguides”, die für den Einsteiger sehr viel Material bereithalten.
Im Prinzip kann man/frau tragen was auch immer gewünscht wird.
Es kommt darauf an wo Du mit der Kleidung hin möchtest. Vermutlich kommst Du mit einer konkreten Anfrage zu einer Veranstaltung bei der Du Dich als Teilnehmer anmelden möchtet weiter.
Wie nah Deine Tunika an den erhalten Originalen und in den Details an den erhaltenen Fragmenten ist, kann nur ein Blick in die speziellen Publikationen zeigen.
Ich würde vorschlagen den Begriff “authentisch” gegen “glaubhafte Interpretation dieser und jener Hinweise” zu ersetzen.
daran gemacht eine Tunika zu nähen, diese soll von einem späten Nachfahren der Wikinger und heutigem (etwa 1100 n.C.) Söldner getragen werden.
Die Tunika besteht aus reinem Leinen, genäht wurde sie mit der Hand und mit Leinengarn, sowohl Garn als auch Stoff sind industriell hergestellt.
Da ich schon lange in diesem Forum einfach nur Leser bin, habe ich mitbekommen, wie Neuankömmlinge unter dem Deckmantel des “wir sind doch nur ehrlich” abgewatscht werden.
Ich präsentiere diese Tunika um Kritik und Ideen zu bekommen, errinnere allerdings daran, dass der Ton die Musik macht, denn ich habe 2 Tage lang daran gearbeitet.
Folgende Dinge sind zweifelsfrei unauthentisch:
-der Stoff und Garn ist industriell hergestellt
-ein Schneider im MA hätte diese Tunika vermutlich deutlich besser hinbekommen
-die Tunika ist etwas kürzer als häufig dargestellt, wenn ich recht informiert bin, ist das bei “Arbeitstuniken” allerdings durchaus vertretbar (stimmt das so?)
-Der “Halsdurchlass” ist vermutlich etwas zu groß wird aber noch mit einer kleinen Fibel geschlossen werden.
Die Frage nun ist:
Wie authentisch schetzt ihr diese Tunika ein? macht man sich lächerlich, wenn man sie unter dem Motto “Mittelalter” trägt, was sagt ihr als deutlich Erfahrenere zu dieser Tunika?
So hier nun meine Tunika, wie gesagt, kein Meisterstück: