Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) fahrendes Volk und andere Außenseiter

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Eintrag #1 vom 10. Apr. 2001 11:36 Uhr Anette Hampel   Nachricht

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hallo, bei all den Gruppen und Berufsständen die zum fahrenden Volk gezählt wurden und werden (Gaukler, Bettler, Zigeuner, Troßfrauen und Huren, umherziehende Fechter und Schaukämpfer, Landsknechte, Räuber usw.) würde mich einmal interressieren was Ihr so darüber wißt und vor allem in welchem Verhältnis diese Gruppen zueinander standen. Als Zeitraum wäre für mich vor allem das ausgehende Mittelalter und die frühe Neuzeit interessant.
Grüße, Anette

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Eintrag #2 vom 10. Apr. 2001 14:07 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, hier mal etwas zu den Räubern: R. rekrutierten sich in erster Linie aus der nicht sesshaften Bevölkerung. Die zunehmende Pauperisierung breiter Bevölkerungsschichten seit dem 15. Jh., die Abschliessung der Territorien und Gem. und die im Zuge der Reform des Armenwesens vollzogene Trennung zwischen anerkannten eigenen und ausgegrenzten fremden Armen ab dem ausgehenden 16. Jh. marginalisierten die Angehörigen der besitzlosen Unterschichten . Als Hauptursache für die Aufnahme einer Lebensweise, bei der Diebstahl und Raub die wichtigsten Erwerbsquellen darstellen, erscheint die Kombination von existentieller Bedrohung und dauerhafter Randständigkeit. Eine besondere Gruppe unter den R.n bildeten die vorübergehend dienstlosen Reisläufer . Nach dt. Quellen machten sie in der frühen Neuzeit bis zu 40% der R. aus und waren wesentl. für den gewalttätigen Charakter frühneuzeitl. Kriminalität verantwortlich. Bereits in der frühen Neuzeit traf die Verfolgung nicht nur den engen Kreis der R., sondern richtete sich gegen die gesamte fahrende Bevölkerung. Die steigende Zahl der gegen diese gerichteten Mandate, insbes. in der 2. Hälfte des 17. Jh., deutet darauf hin, dass die fahrende Bevölkerung wuchs und sich damit die Rekrutierungsbasis für die R. verbreiterte. Sie zeugt aber auch von einem erhöhten obrigkeitl. Kontrollanspruch. Literatur - K.S. Bader, «Kriminelles Vagantentum im Bodenseegebiet um 1800», in Schweiz. Zs. für Strafrecht 78, 1962, 299-333 -A.-M. Dubler, Armen- und Bettlerwesen in der Gemeinen Herrschaft “Freie ßmter” 16.-18. Jh., 1970 -P. Hugger, Sozialrebellen und Rechtsbrecher in der Schweiz, 1976 -P. Witschi, «Die Innerschweiz als Lebensraum für Aussenseiter», in JHGL 5, 1987, 20-28 -K. Lange, Gesellschaft und Kriminalität, 1994 -Schurke oder Held?, hg. von H. Siebenmorgen, 1995 Gruß Wolf
Gott zum Gruß und allzeit sichere Wege, Arfast Harksen

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Eintrag #3 vom 10. Apr. 2001 14:15 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, Und nun zum Bettelwesen Das B. war bis Ende des 19. Jh. ein gesellschaftsprägendes Phänomen, das im Lauf der Jahrhunderte verschiedenartig bekämpft wurde. Im MA erfüllte es innerhalb der Barmherzigkeitslehre (Caritas) noch eine positive Funktion: Durch das Spenden von Almosen erhoffte sich der vermögende Christ, das ewige Seelenheil erkaufen zu können. Mit den Pestzügen und ihren sozioökonom. Folgen im 14. und 15. Jh. ( Krise des Spätmittelalters ) wurde die unterschiedslose Nächstenliebe von einer Differenzierung zwischen ehrl., fleissigen, kranken oder invaliden und somit würdigen Armen sowie betrüger., gesunden, arbeitsscheuen und deshalb unwürdigen Bettlern/innen abgelöst. Etwa im Briefwechsel zwischen städt. Obrigkeiten (z.B. Basel an Bern 1410) tritt dieser Gegensatz auf; das B. rückte damit in die Nähe der Kriminalität . Zu dieser vereinfachenden Wahrnehmung beigetragen hat auch die neue Wertung der Arbeit in der theol. Diskussion des 13.-15. Jh. über das Armutsideal ( Armut ) und das B. der Bettelorden und von Beginen und Begarden (z.B. durch Johannes Mulberg in Basel und Felix Hemmerli in Zürich). Die durch die wirtschaftl. Not mobil gewordenen Armen lösten in der sesshaften Bevölkerung allg. Angst und Ablehnung aus. In den eidg. Orten kam es bereits im 14. Jh. und vermehrt im 15. Jh. zu ersten gesetzl. Regelungen gegen Bettler/innen. Sie sind im Rahmen eines langfristigen Prozesses der Sozialdisziplinierung zu sehen und richteten sich vorerst v.a. gegen gesunde und arbeitsfähige Müssiggänger sowie gegen Fremde (z.B. Zürich 1343, Bern 1408, Basel 1429). 1474 erging der erste Beschluss der eidg. Tagsatzung zur Ausweisung fremder Bettler/innen aus eidg. Territorien; ihm folgte innert kurzer Zeit eine grosse Zahl weiterer Tagsatzungsbeschlüsse zum B. Erst in der Reformationszeit wurden mit der Kommunalisierung und Bürokratisierung der Armenfürsorge ( Fürsorge ) die ersten allg. Bettelverbote erlassen. Mit der sozialen Diskriminierung ging häufig eine räuml. einher. Bekannt sind die Zürcher Vorstadt Kratz oder der Basler Kohlenberg als Bettlerquartiere. Letzterer übte auf Bettler/innen aus der Eidgenossenschaft und benachbarten Ländern eine grosse Anziehungskraft aus und verfügte mit dem sog. Bettlergericht gar über eine eigene Gerichtsbarkeit. Dessen Verbot durch die Basler Stadtbehörden 1527 steht im Kontext einer allg. rigideren Behandlung des B.s, die anfangs des 16. Jh. in der Eidgenossenschaft einsetzte. Eine Fülle von Bettelordnungen der eidg. Orte, welche Reformen im Fürsorgewesen und die Rückschaffung fremder Bettler/innen anstrebten, war die Folge: Der Tagsatzungsbeschluss von 1551 legte das Heimatprinzip in der Armenfürsorge fest. Nach seiner Bekräftigung 1571 übernahmen die einzelnen Orte das Heimatprinzip in ihre gesetzl. Grundlagen (z.B. Bern 1571, Solothurn 1573, Zürich 1579). Der Vollzug sollte durch neu geschaffene Polizeiorgane und interkant. koordinierte Massnahmen gesichert werden: In den Städten überwachten sog. Bettelvögte die Einhaltung der Bettelverbote. Auf dem Land sollten Betteljagden das B. bekämpfen. Die gefangenen Bettler/innen wurden mit Bettelfuhren in ihre Herkunftsgem. oder in zentrale Zwangsarbeitsanstalten ( Schellenwerk ) geschafft, fremde Bettler/innen gebrandmarkt und des Landes verwiesen. Ihnen drohten bei erneuter Aufgreifung harte Körperstrafen oder die Verbannung auf span. oder franz. Galeeren. Die Bekämpfung des B.s mithilfe des Heimatprinzips scheiterte an der grossen Zahl heimatloser Bettler/innen ( Heimatlose ) und an der Finanzschwäche vieler Gem. Literatur -A.-M. Dubler, Armen- und Bettlerwesen in der Gemeinen Herrschaft “Freie ßmter” (16.-18. Jh.), 1970 -F. Sassnick, Armenpolitik zwischen Helfen und Strafen, 1989 -Armut in der Schweiz (17.-20. Jh.), hg. von A.-L. Head, B. Schnegg, 1989 -V. Schmid, “… von allem entblösst”, 1993 -H.-J. Gilomen, «Eine neue Wahrnehmung arbeitsloser Armut in der spätma. Eidgenossenschaft», in Traverse 2, 1996, 117-128 Gruß Wolf
Gott zum Gruß und allzeit sichere Wege, Arfast Harksen

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Eintrag #4 vom 10. Apr. 2001 17:47 Uhr Patrick Seehaber  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Patrick Seehaber eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Leute. Folgendes Buch gibt einen guten ßberblick, ist günstig und ganz gut lesbar: “Bettler und Gauler, Dirnen und Henker. Aussenseiter in einer mittelalterlichen Stadt” Franz Irsigler, Arnold Lassotta, Köln 1996 (7. Auflage) / Taschenbuch - 320 Seiten DTV, Mchn.; ISBN: 3423300752 Behandelt werden Randgruppen im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit im kölner Raum. Grüße, Patrick.
www.hippodromus.de / www.mittelalterschuhe.de

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Eintrag #5 vom 10. Apr. 2001 18:23 Uhr Martin Uhlig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Uhlig eine Nachricht zu schreiben.

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Ich habe auch noch einen: Ernst Schubert, “Fahrendes Volk im Mittelalter.” Leider vergriffen, aber vielleicht hilft die Bibliothek. Ziemlich viel Augenmerk auf “Spielleute”, aber auch Fechter, etc. Nicht so sehr auf Räuber oder Bettler bezogen. Es geht in diesem Buch mehr um die Leute, die in irgendeiner weise “guot umb êre” geben … Grüße,
Konrad, Spielmann vom hohen Hause

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Eintrag #6 vom 10. Apr. 2001 21:40 Uhr Anette Hampel   Nachricht

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hallo In Bezug auf meine Frage würde ich auch gerne noch mehr über Klopf- und Lukasfechter wissen. Weiß jemand vielleicht auch dazu was oder hat Literaturtipps?
Grüße, Anette

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Eintrag #7 vom 10. Apr. 2001 23:27 Uhr Holger Herzog  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Holger Herzog eine Nachricht zu schreiben.

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Hi alle zusammen In “Lichtenauser Kunst des Langen Schwertes” von Hans-Peter-Hils sind einige Erklärungen zu Lohnkämpfern und Schwertspielern enthalten. Leider habe ich zur Zeit meins Verborgt. In den Uni-Bilos ist das Buch aber in der Fernausleihe zu bekommen. Mal so aus dem Hut: Die Schwertspieler galten als nicht besser wie alle anderen Spielleute, ihr Erwerb das vorführen des Fechtens als Jahrmarksbelustigung brachte eine nicht feste Lebensweise mit sich und das ist der entscheidende Punkt, kein Fester Wohnsitz - keine Bürgen - keine Rechte. Bei den Lohnkämpfern ist die Sache schon komplizierter, die Stadt Mailland hatte z.B. festangestellte Schwertkämpfer die in Zivilsachen für die Bürger eingetreten sind, diese Gruppe kann nicht zum ehrlosen Volk gerechnet werden. Anderer wiederum zogen durchs Land und Boten ihre Dienste an, dass ist wieder fahrendes Volk. Wenn auch der Film der 1. Ritter echt übel ist, so ist die Szene am Anfang die Lanzelot in einem Dorf für Geld kämpfend zeigt recht gut dargestellt. So kann man sich ein Teil des Erwerbs der Schwert- und Lohnkämpfer vorstellen. Was dann folgt “oh Gott”. Wenn die meisten heutigen Ritter (Fußgänger) ihren Rittertitel an den Nagelhängen würden und ein wenig auf Blech verzichten würden wären ein großer Teil der Markvorführungen echt “A”. ßbrigen auch A ist es, dass es schon früher gute und schlechte Vorführungen gab.
Cu Holger

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Eintrag #8 vom 11. Apr. 2001 11:41 Uhr Martin Uhlig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Uhlig eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Holger, Schubert erklärt die Fechter ganz gut. Es scheint nicht, als ob man die Vorfühtfechter (ehrlos) von den Zweikampf-Fechtern (nicht ehrlos) trennen sollte. Die berufsmäßigen Kämpfer wurden erst dann zu Vorführenden, als kein Bedarf mehr nach Stellvertreter-Kämpfern herrschte (Gottesurteil). Selbst der vertretende Kämpfer agierte am Rande der Gesellschaft, war doch als Fahrender mit unsteter Lebensweise stigmatisiert. Fest angestellte Lohnkämpfer sind bei Schubert nicht erwähnt, er scheint mir in dieser Frage sehr kompetent zu sein. Grüße, Martin
Konrad, Spielmann vom hohen Hause

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Eintrag #9 vom 11. Apr. 2001 14:43 Uhr Holger Herzog  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Holger Herzog eine Nachricht zu schreiben.

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Moin, da haben wir´s mal wieder. Hils widerspricht genau dieser starren Ausfassung und es ist auch überzeugend erklärt. Der Kampf mit der Bitte um göttlichen Beistand in Verbindung mit fahrenden Volk gibt einen Widerspruch. Das Vorführen von fechten als Markbelustigung hat mit dem verschwinden der Nachfrage nach Lohnkämpfer sicher keinen wesentlichen Zusammenhang. Das letzte der Talhoffer Fechtbücher ist mit dem Jahr 1467 datiert (inhaltlicher Nachweis zum Gerichtlichen Zweikampf) Schwerspieler tauchen aber wesentlich eher auf (leider hab ich dazu keine Quelle). Den Unterhaltungswert einer guten Fechtvorführung wird man sehr schnell erkannt haben und wenn wir heute eine gute Vorführung sehen, können wir das auch nachvollziehen. Allgemein zum fahrenden Volk, sie waren nicht vollkommen rechtlos, man konnte ihnen nicht das leben nähmen weil man gerade Lust hat einen um die Ecke zu bringen, auch ihr Eigentum konnte man nicht einfach wegnähmen. Sie hatten aber kein Recht auf den Schutz der Stadt, also mußten sie nicht eingelassen werden und konnten auch jederzeit vertrieben werden. Sie konnten zwar Klagen aber wenn die Tat nicht eindeutig war es also um unklare Tatbestände ging hatten sie schlechte Karten. Zu den erwähnten Huren, für diese Berufsgruppen muß man immer Ort und Zeit betrachten um die Stellung in der Gesellschaft zu beurteilen. Im Mittelalter waren die Mädchen vom Gewerbe manchmal bessergestellt als in unserer Zeit. Erst mit der Syphilis, Pest und Reformation entstand unser heutiges Moralbild von diesen Frauen. Henker waren kein fahrendes Volk, das Amt war sogar erblich und wurde auch verkauft! Henker mußten eine strenge Lehre durchmachen. Nichts ist schlimmer als das der Kopf noch ein Stück dran bleibt. Zigeuner besser Roma oder Sinti waren der mittelalterlichen Welt sehr fremd erst im späten Mittelalter tauchen sie in Deutschland auf: ….1348 n. Chr. sind Roma und Sinti in Makedonien und Serbien bezeugt, 1361 in Dubrovnik, 1378 in Zagreb usw. Von 1417 an sind wir in der Lage, genügend Belege für den Zug bestimmter Gruppen durch Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien zu sammeln. Zunächst wurden sie als Pilger akzeptiert und toleriert. Doch mit Beginn des 16. Jahrhunderts setzte die staatliche Gesetzgebung sie in verschiedenen Ländern der härtesten Verfolgung aus. In Rumänien waren sie von 1400 bis 1891 Sklaven. Seit dem Jahre 1499 waren Roma auch in Spanien in Ungnade gefallen, man hatte ihnen sogar die Zungen abgeschnitten, die Augen ausgestochen und die Bewohner zur Jagd auf die Roma aufgehetzt. Dies kündigte man durch das Läuten der Kirchturmglocken an. In Deutschland wurden in der Periode von 1500 bis 1800 148 Edikte gegen die Roma erlassen. In vielen dieser Edikte wurden sie für “vogelfrei” erklärt und somit Raub und Totschlag ausgesetzt…. (www.kath-zigeunerseelsorge.de/Lexikon.htm)
cu holger

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Eintrag #10 vom 11. Apr. 2001 15:29 Uhr Anette Hampel   Nachricht

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In einer starren, an Standes- und Ortszugehörigkeit orientierten Rechtsordnung sind die Heimat- und Besitzlosen vogelfrei. Gaukler, die außerhalb ihrer Heimatpfarre umherziehen, stellen die Landfriedenserlässe des 13. Jahrhunderts ausdrücklich extra pacem. Nach den Rechtsaufzeichnungen des Mittelalters kann man sie ungestraft beleidigen, verletzen und berauben. “Wenn jemand einen leichten Mann, etwa einen Bettler oder einen bösen Spielmann schlägt, so soll er dem Richter nichts dafür zu geben schuldig sein, und auch dem Geschlagenen nichts, außer drei Schläge, die mag er ihm noch fröhlich dazu geben. ” (Haimburger Stadtrecht) Es ist erlaubt, einen Klopffechter “um Geld zu erschlagen wie einen herrenlosen Hund, ohne Buße” (Hampe). Vergewaltigung fahrender Frauen wird in verschiedenen Rechtsbüchern für straflos erklärt. “Spilleut und gaugkler sind nicht leut wie andere Menschen, denn sie nur ein Schein der menschheit haben, und fast den Todten zu vergleichen sind.” (Sächsisches Weichbildrecht) (aus Klaus Trappman, vom Preis der Freiheit)
Grüße, Anette

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Eintrag #11 vom 12. Apr. 2001 12:23 Uhr Detlef Mochmann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Detlef Mochmann eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, gab es auch schon so etwas wie Hausierer, die mit kleinem Warenangebot von Markt zu Markt zogen? Hat jemand dazu Literatur oder Internetadressen In Berlin gibt es den Fund von Schnallen und Knöpfen so eines Händlers, aber Abbildungen vom Händler selbst habe ich noch keine gesehen. Bitte informiert mich doch per Mail, da ich selten in die Taverne kommen kann. viele Grüße Detlef

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Eintrag #12 vom 17. Apr. 2001 08:01 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Dich, Detlef, fürchte, Deine Frage ist hier nicht ganz richtig am Platz, da der “Hausierer” bzw. fahrende Händler einer anderen Schicht als der von Anette anversierten Zielgruppe der “Randexistenzen” angehörte. Joachim

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Eintrag #13 vom 17. Apr. 2001 17:32 Uhr Martin Uhlig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Uhlig eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Joachim, hier wage ich zu widersprechen. Zumindest der von mir erwähnte Schubert belegt, daß “Hausierer” ebenso scheel angesehen wurden, wie anderes fahrendes Volk. Ausserdem bewegten sie sich so am Rande der Armut, daß sie auf Betrügerein, Diebstahl und andere Vergehen scheinbar nicht verzichten konnten. Aber auch andere “Rand-Existenzen” (Scholaren, Landsknechte, Spielleute) griffen als “Zweitverdienst” auf die Tätigkeit des hausierens, des Krämerhandels mit Kleinwaren zurück. Natürlich waren sie, wis so viele andere Existenzen (Spielleute, Gaukler etc.) für das funktionieren der ma Gesellschaft unabdingbar, aber nicht desto weniger verachtet. Grüße, Martin
Konrad, Spielmann vom hohen Hause

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Eintrag #14 vom 17. Apr. 2001 18:13 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Detlef, der im Berliner Kunstgewerbemuseum ausgestellte sogenannte Pritzwalker Schatzfund repräsentiert sicherlich nicht das Warenangebot eines Hausierers oder kleinen fahrenden Händlers, da es sich durchweg um aufwendig gearbeitete silberne Knöpfe, Spangen, Schmuckteile etc. handelt. Im Berlin-Brandenburger Raum herrschte aber schon zur slawischen Besiedlungszeit ein reger Nah- und Fernhandel, der auch im Hoch- und Spätmmittelalter üppig florierte, wie die diesbezüglichen breiten Fundspektren aus dem Früh-, Hoch- und Spätmittelalter belegen. Nähere Infos dazu findet man in den diversen Schriften und Ausstellungskatalogen der Berliner und Potsdamer Museen. Ruth

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Eintrag #15 vom 18. Apr. 2001 07:57 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

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Gut, Martin. Dann muß aber um so mehr zwischen Hausierern, deren Existenz im MA mir tatsächlich neu ist, und den von Ruth beschriebenen, durchaus angesehenen Händlern unterschieden werden. Grüße Joachim

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Eintrag #16 vom 18. Apr. 2001 10:18 Uhr Detlef Mochmann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Detlef Mochmann eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Ruth, sicher nicht eines Hausierers, sicher aber eines fahrenden Händlers, da in der Beschreibung die Vermutung geäußert wird, daß der Schatzfund eine Art Zwischenlager darstellte. Es muß sich also um jemanden gehandelt haben, der nur mit kleinem Gepäck unterwegs war und nicht mehr wiedergekommen ist, um diese Sachen abzuholen. Dieser war sicher auch auf den Märkten oder direkt zu den Adelssitzen unterwegs. Wo grenzen wir denn dann Hausierer von ehrbaren Händlern ab? Ich bin im übrigen der Meinung wie Martin, daß die kleinen Händler mit “Bauchladen” für das MA eine wichtige Rolle spielten. Genau wie zu viele Ritter auf den heutigen Märkten zugegen sind, sind eigentlich auch zu viele reiche spezialisierte Händler vor Ort. Der Markt von früher wird eher so ausgesehen haben, wie ein Wochenmarkt heute. Vor allem mit Erzeugnissen aus der näheren Umgebung, sowohl Handwerk als auch Früchte und Gemüse, dazu einiges Warenangebot von Waren des täglichen Bedarfs, eben von den fahrenden Händlern und natürlich die Garküchen/Futterkisten. Vielleicht kann jemand der in Nordafrika schon mal auf einem Wochenmarkt war, und zwar nicht nur in dem Touri Bereich, das auch ganz gut nachvollziehen. Zu den überregionalen Messen sind dann sicher auch noch viele Fernhändler dazugekommen, aber die regionale Verteilung der Waren über das Jahr hinweg war meiner Meinung nach den Hausierern vorbehalten, die sich dann zur Messe eingedeckt hatten und dann von Ort zu Ort zogen. Wenn es gegenteilige Quellen gibt berichtigt mich bitte. In jedem Fall wäre ich für weitere Info und Bildquellen per Mail sehr dankbar. mfG Detlef

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Eintrag #17 vom 18. Apr. 2001 13:07 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Detlef, die Logik, wonach es sich dann zwingend um jemanden, der mit kleinem Gepäck reist, handeln soll, entzieht sich mir ein wenig, aber das ist vielleicht auch nicht so wichtig…. (auch ein “großer” Händler/Kaufmann kann unterwegs in Bedrängnis und damit in die Notlage geraten, seine kostbarsten Waren schnell durch Vergraben vor Fremdzugriff zu bewahren - und die Art der Waren in diesem Fund läßt doch eher auf einen reichen, etablierten Kaufmann schließen). Eine Abgrenzung zwischen den verschiedenen Typen von Händlern mag hinsichtlich des Ausmaßes ihrer diesbezüglichen Tätigkeiten schwierig sein, aber ich denke, man sollte schon zwischen “hauptberuflichen” Nah- und Fernhandelskaufleuten und lokalen Handwerkern und Bauern, die ihre Prokukte nur lokal in einem kleinen Umkreis anbieten (die von Dir erwähnten Wochenmärkte) - beides “Typen” von Händlern, die fest in der bestehenden dörflichen/städtischen Sozialordnung verankert sind - und dann den sogenannten “Hausierern” unterscheiden, die anscheinend als fahrendes Volk außerhalb des festen sozialen Gefüges standen. Einen Händler, der sich auf Messen bevorratet und dann von Ort zu Ort zieht, um seine Waren zu verkaufen, würde ich nicht automoatisch als fahrendes Volk außerhalb der sozialen Ordnung einstufen,aber vielleicht ist das nur eine mangelnde Begriffsdefinition? Und ich wüßte gerne, auf welchem Markt Du hier in der Umgebung schon einmal auch nur EINEN überzeugend dargestellten reichen, spezialisierten Kaufmann/Händler gesehen hast… Ruth

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Eintrag #21 vom 26. Mrz. 2004 08:00 Uhr Sabine Rudischhauser  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sabine Rudischhauser eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo ihr, ich bin neu hier. Bin Mitglied einer Gaukler-Gruppe und wir suchen dringend Info`s über Gaukler. Wann und Wie sie gelebt haben. Was sie alles gemacht haben. Ob sie auch verkauft haben usw. Könnt ihr mir da vielleicht weiterhelfen?
Gruß Sabine

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Eintrag #22 vom 26. Mrz. 2004 08:13 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Sabine,
schau doch einfach mal weiter unten im Text nach, z.B. Eintrag 4, da finden sich gute Literaturangaben.
Gruß
Ameli

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Eintrag #23 vom 31. Mrz. 2004 16:23 Uhr Sabine Rudischhauser  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sabine Rudischhauser eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo ihr!
Habe mir das Buch : Bettler, Gaukler…
gekauft aber leider steht da auch nicht viel über Gaukler drin. Ich weiß immer noch ab wann es Gaukler gab und woher sie kamen und was genau sie machten. Vielleicht weiß jemand ja ein anderes Buch oder kann mir so antworten. Ich mache übrigens bei einer Gaukler Gruppe mit: www.gaukler-bc.de
Gruß Sabine

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Eintrag #24 vom 05. Mai. 2004 06:59 Uhr Richard Hauer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Richard Hauer eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
bin gerade dabei ein soziologie referat zum thema:“ fahrendes volk ”zu schreiben.wie ich den beiträgen hier entnehmen konnte ist das wohl ein weites feld…
vielleicht hat jemand bibliographie vorschläge?
gruß
sevenheart

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Eintrag #25 vom 06. Apr. 2006 21:51 Uhr Daniel Schulz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Daniel Schulz eine Nachricht zu schreiben.

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Gibts da irgenwelche zeitgenössischen Belgege zu? Wennich anZigenuer denke, dann hab ich diese typische “Esmeralda” vor augen :) Aber ich denke mal dass dieses Bild viel zu modern ist.
Gibt es da überhaupt was zu Zigenuern im Spätmittelalter/Renaissance/Neuzeit bezüglich Kleidung?
gruß: der Daniel

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Eintrag #26 vom 07. Apr. 2006 10:04 Uhr Wolfgang Ritter  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolfgang Ritter eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
ich kann mich an eine Darstellung einer Zigeunerfrau in einer Schweizer Bilderchronik erinnern, meines Wissens Diebold Schilling, Luzerner Chronik, 1513; darin wird vom Auftauchen der Zigeuner in den späteren Kantonen zu Beginn des 15. Jhdts. gesprochen, etwa um die gleiche Zeit (ßbergang 14./15. Jhdt.) auch in den übrigen Reichsgebieten.
Weiterhin existierte ein Schutzbrief durch Kaiser Sigismund von 1423, allerdings wurden auf den Reichstagen von Lindau und Freiburg zwischen 1496 und 1498 die Schutzbriefe aufgehoben, was dann eine sich immer steigernde Verfolgung und Repression über die Jahrhunderte nach sich zog.
Achso: ich möchte niemandem zu nahe treten, aber wenn ich mir die durchaus auch von Angehörigen dieser Ethnie verfassten Homepages so ansehe, scheint durchaus eine gewisse Unstimmigkeit hinsichtlich der Namen zu bestehen, denn wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es neben Roma und Sinti wohl noch mehrere andere Stämme. Ich bin daher einfach unsicher, ob Sinti und Roma jetzt die richtige (Selbst-)Bezeichnung dieses Volkes ist.
Grüße,
Wolfgang Ritter

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Eintrag #27 vom 04. Mai. 2007 08:45 Uhr Tina Kajander  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Tina Kajander eine Nachricht zu schreiben.

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Seyd Gegrüßt Freunde des Mittelalters!
Ich hätte da mal die ein oder andere Frage ^^. Bin selbst schon länger auf Märkten unterwegs hatte aber bislang nur eine “Standart Darstellung” inne. Nun möchte ich das ändern und eine Individuellere Darstellungf nach meinen Wünschen gestalten!
Meine Darstellung soll, wie der Titel schon sagt, etwas mit dem fahrenden Volk zutun haben. Mein Kumpane (mit dem ich gemeinsam Darstelle) ist ein armenischer Händler… das ganze ist im Frühmittelalter angesiedelt. Daher liegt die frage nahe was man sich da miteinander kombinieren lässt.
Kurzum ich bin eine Frau, möchte eine Tänzerin bzw. Gauklerin darstellen, das ganze soll im Frühmittelalter angesiedelt sein und das Volk muss zum Armenier passen ; D.
Fraglich dann auch was die dann wohl getragen haben und welche Farben für einen fahrenden Gaukler möglich wären.
Ich hoffe ihr seid nur halb so Planlos wie ich und könnt mir irgendwie helfen..
Vielen Dank fürs Zuhören
Euer zu kleiner Schelm

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