Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Fehlt noch was?(Adel, zivil, 13.jhd)

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Eintrag #1 vom 21. Jul. 2012 13:50 Uhr Christopher (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Christopher eine Nachricht zu schreiben.

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OK, ich riskiers mal und zeig her was ich seit April genäht habe. Im Einzelnen Bruche, Leibhemd, Bundhaube, Cotte, Surcot, Beinlinge mit Fuß, Halbkreismantel mit Futter, Almosenbeutel und ein Hut, auch wenn der gefilzt ist und nicht genäht. Alle Borten selbst gewoben, sämtliche Nähte per Hand genäht. Und wenn nicht bald nach bisher 3 Monaten Verzögerung ein Paket von CP vor der Tür steht, näh ich mir auch noch Schuhe.
Schnitte sind ausgesucht nach der Grabplatte von Otto von Botenlauben, die wurde noch zu seinen Lebzeiten angefertigt, also vor 1244. Macht Sinn, wenn das für die Botenlauben Festspiele ist. Der hohe Hut mit den Federn ist für die dargestellte Person charakteristisch, die Kleider sind für die Wirkung in Wappenfarben gehalten auch wenn adelige natürlich privat getragen haben was sie wollten.
Fast alles Leinen, Wolle gibts an den Borten und Kordeln, am Mantel und am Hut, der Beutel und das Mantelfutter sind Seide. Ich verzichte bewusst auf viel Wolle, nicht wegen der Wärme, ich vertrag die einfach nicht. Im Laufe der Zeit möchte ich nach und nach auf Seide umsteigen, aber für eine komplette Gewandung am Stück darfs auch erstmal Leinen sein, ist im Sommer auch angenehm.
Externer Link
So, im Prinzip interessieren mich hier jetzt Meinungen dazu, vor allem aber ob ich noch irgendwas wichtiges vergessen habe, für mich sieht die Gewandung vollständig aus wenn ich sie mir so ansehe. Die Darstellung beschränkt sich dieses Jahr vermutlich auf die Betreuung eines Standes und den Festumzug, trotzdem stelle ich mir natürlich soweit es die Mittel hergeben einen gewissen Anspruch. Sofern die Verlinkung funktioniert bin ich also gespannt auf Meinungen und Anregungen
Vielen Dank

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Eintrag #2 vom 22. Jul. 2012 15:03 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Gibt da verschiedene Kritikpunkte.

www.rhoenbilder.de/data/media/25/frauenroth-015.jpg
www.rhoenbilder.de/data/media/25/frauenroth-011.jpg
Das ist die Grabplatte, auf die du dich beziehst. Vergleiche einfach mal selbst. Laut Angaben im www ist sie datiert auf 1270/1280.
Der Hut ist darauf nicht zu sehen, die Form ist (mir) in der Form für’s 13. Jhdt nicht geläufig, aus welchem Material sind die Federn?
Die Verwendung von Borten (ausser als Gürtel und Mantelbänder) lässt sich im 13. Jhdt nicht nachweisen. Alle erhaltenen Textilien weisen keine Borten auf.
Wie kommst du darauf, die Ärmel für deine Surcotte kurz zu machen? Der Saum sieht seltsam aus. Der Halbkreismantel ist zu kurz (zu klein?), seine Befestigung seltsam. Die Gürteltasche bedarf auch eines Nachweises, genau wie insgesamt die Schnitte (und die Nahttechniken?, der Ring), denn die optische Nähe zur Grabplatte ist, um es mal so auszudrücken, schwierig.
Der V-Ausschnitt lässt sich eher für ein Unterhemd als für Oberbekleidung nachweisen, die Kragenform des Unterhemdes hingegen findet man generell eher bei der Oberbekleidung. Ebenso dient die Fibel dem Verschluss der Oberbekleidung, so wie sie am Unterhemd angebracht ist, dient sie lediglich der Verzierung.
Tja, keine Wolle weil zu warm ist kein Argument. Es gibt so dünne Wollstoffe bei einschlägigen Händlern, die den Unterschied zum Leinen verschwindend gering machen. Repräsentative Kleidung ist, wie der Name sagt, repräsentativ: Man präsentiert seinen gesellschaftlichen Status und schwitzt. Das Leben ist hart.
Ein paar generelle Hinweise: Bezeichnend für Adelige wie Otto von Botenlauben (Graf von Henneberg) wäre überlange Kleidung und verschwenderische Stofffülle…in kontrastierenden (Natur)Farben, und zwar den teuren…
MfG
Nicole

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Eintrag #3 vom 22. Jul. 2012 15:36 Uhr Maria Zielke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Maria Zielke eine Nachricht zu schreiben.

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….kann es sein, daß du den verkehrtherum aufgesetzt hast? Eine Trageweise wie auf dem Foto (mit dem langen Teil im Nacken) ist mir bisher nur von neuzeitlichen Feuerwehrhelmen bekannt.

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Eintrag #4 vom 22. Jul. 2012 17:39 Uhr Christopher (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Christopher eine Nachricht zu schreiben.

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Der Hut ist vom Muster her ein gewöhnlicher Jagdhut, der allerdings tatsächlich verkehrt herum. Das ist so, weil zur tatsächlich dargestellten Person(nicht Otto von Botenlauben, darf ich zur Zeit aber nix zu sagen) ein hoher Hut gehört, das können je nach Bildquelle Zaubererhüte sein, oder eben verkehrt aufgesetzte Jagdhüte. Scheint wichtig zu sein, daher übernommen, ist offensichtlich eine Art Kronenersatz. Federn bestehen üblicherweise aus Federn.
Leinen als Bekleidungsstoff wurde NICHT wegen der Wärme gewählt, sondern wegen der Verträglichkeit. Ich möchte behaupten dass niemand, egal wann er gelebt hat, sich in etwas eingewickelt hätte, von dem er am ganzen Körper einen schmerzenden, teils eiternden Ausschlag und um Extremfall noch Atemnot bekommt. Und ich wünsche jedem der das dann noch kritisiert allergische Reaktionen an den Hals. Oder besser gesagt den ganzen Körper. Danach kann man nochmal drüber reden. (Umstieg von Leinen auf Seide kommt, aber abhängig von den Einnahmen erst im Laufe der nächsten Jahre)
Wieso kurze Ärmel? Man siehe sich die Grabplatte mal an. Ein Arm ist nämlich noch vollständig da. Das kann verschiedene Sachen darstellen, zum Beispiel einen Einteiler mit Halbarm und eine Armbanduhr. Oder einen komischen Puffärmel mit engem Armabschluss. Oder einen weiten Ärmel der vornen geschürt wird. Oder ein enges Langarmteil unter einem weiten Kurzarmteil.
Das Unterhemd ist ein Oberhemd. Folglich ist die Fibel richtig platziert. Darüber ist in blau ein drittes Hemd. V Ausschnitte an Surcots gibts Bilder von, nicht nur aus der Manesse und weils meiner Meinung nach deutlich hübscher ist, wurde es übernommen. Zugegeben, der Herr Henneberg auf der Platte hat das nicht, aber den gibt es ja schon dargestellt. Und der Saum am Surcot ist eine Webkante, kein Saum. Liest man ständig dass man um Gottes Willen die Webkante ausnutzen soll. Und dann macht mans mal und dann ist offensichtlich auch nicht recht.
Über Halbkreismäntel kann man auch oft genug lesen dass man die kürzer machen kann wenn die keinerlei wärmende Funktion haben sollen. Die Befestigung sind zwei zusätzlich angepinnte Fibeln, auf der Grabplatte kann man deutlich sehen dass der Mantel mit einer gigantischen Fibel am oberen Hemd befestigt ist, also ist es gebräuchlich genug sowas festzupinnen.
Die Gürteltasche ist eine Instrumententasche, für sowas gibts keine Fundstücke, sieht aber zumindest Gürteltaschen aus zeitgenössischen Abbildungen nicht unähnlich. Die ist allerdings hauptsächlich auf besonderen Wunsch des Veranstalters mit dabei, nicht weil die besonders “A” wäre.
Nähtechnik gibts hier nur eine, den Rückstich. Kein Diskussionsbedarf. Bei den Schnitten scheint es bei denen die man im Internet bekommen kann nur exakt einen Unterschied zu geben, nämlich wie die Ärmel angebracht sind. Da habe ich die Variante mit Keil unterm Arm gewählt, finde ich bequemer, weil mehr Bewegungsfreiheit. Borten. Gut, eventuell nicht nachweisbar. Da habe ich mich dann ehrlich gesagt doch am Codex Manesse bedient, nämlich beim Hardegger. Die Ähnlichkeit war sowieso schon erschreckend. Und bei dem Überfluss an Borten den man heutzutage gezeigt bekommt war eine historische Borte wieder ein besonderer Wunsch des Veranstalters, den man auch durchaus nachvollziehen kann.
Und dass die Grabplatte vor Ottos Tod angefertigt wurde geht soweit ich weiß aus Urkunden hervor in denen er sich insgesamt um sein Grab gekümmert hat. Jedenfalls ist das Ding hier äußerst bekannt, ist ja eigentlich die einzige wichtige Persönlichkeit des Mittelalters die wir hier haben.
Was mir noch auffällt: Offensichtlich scheint nichts zu fehlen. Durchaus eine positive Antwort, auch wenn sie nicht geschrieben wurde.

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Eintrag #5 vom 22. Jul. 2012 18:41 Uhr Stefan Hoffmann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Stefan Hoffmann eine Nachricht zu schreiben.

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Ich finde ja den Chrome-Buckler lustig ;)
Rein interessehalber: Ist das ein Gag oder gibts da tatsächlich Belege für?

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Eintrag #6 vom 22. Jul. 2012 21:13 Uhr Christopher (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Christopher eine Nachricht zu schreiben.

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Nun, es gibt bemalte Buckler. Tententiell einfache geometrische Formen. Das wars dann aber schon.
Ursprünglich habe ich dann mal geschaut ob Norton Shield ein spezielles Emblem hat, aber leider nichts wiedererkennbares. Und da mir der Feuerfuchs zu kompliziert war dafür dass die Farbe sowieso schnell abplatzt, warum dann nicht Google Chrome?
Also definitiv nur ein Gag, aber auf gleicher Ebene wie das “Blöder-Hut-Credo” aus dem LARP Bereich. Denn hey, auf meinem Schild ist das Google Chrome Logo, meinst du wirklich dass ich mich zu ernst nehme? Meiner Meinung nach eine wundervolle Sache um das ganze etwas aufzulockern.

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Eintrag #7 vom 22. Jul. 2012 21:31 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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möchtest du konstruktive Kritik?
Die Manesse entstand, wenn dieses Thema auch nicht einer gewissen Redundanz entbehrt, im 14. Jhdt, daher kannst du damit nicht auf das 13. Jhdt rückschliessen bzw daher sind Rückschlüsse auf das 13. Jhdt schlichtweg falsch, da gerade um den Anfang des 14. Jhdts herum ein eklatanter Umschwung in der Mode entstand. Nach einer älteren Definition fand Anfang des 14. Jhdts der Umschwung vom Hoch- zum Spätmittelalter statt, und in der Manesse sind es nicht unbedingt Borten, sondern können auch durchaus Stickereien mit Goldlahn sein. Es gibt im 13. keine inflationäre Verwendung von Borten mehr. Jeder, der dir eine Borte verkauft, muss dir sagen können, aus welchem Jahrhundert sie sein soll. Bevor du sagst, welches Jahrhundert du suchst.
Deine Theorie zur Tragweise des Hutes ist nicht haltbar.
Die Federn sehen nach Plastikfedern aus. Es gibt einen berühmt berüchtigen Pfauenfederhut, allerdings in der Manesse.
Ich selbst habe ein Wollproblem. Nicht mit der Leinenunterbekleidung. Allergien sind jedoch ein schwieriges Thema, insofern…
“Oder einen komischen Puffärmel mit engem Armabschluss.” Jepp, die Interpretationsweise ist richtig. Das war im 13. Jhdt hochmodern, wie diverse andere Plastiken bestätigen. Ging so weit, dass das Unterhemd von heilig Ludwig (mit V-Ausschnitt) am Arm einen Umfang von 18 cm hatte und nur bis zur Hälfte des Unterarms ging. Das funktionierte nur, wenn er sich morgens in sein Unterhemd einnähen liess, und ja, die am Hemdchen gefundenen Nähte geben diese Interpretation her. Das Ganze, damit die Surcotte grosse Puffärmel und superenge Unterärmel haben konnte. Wie auch beim Dom von Amiens. Sorry, mein Dartstellungsschwerrpunkt ist Fronkreisch. Woher stammt die Weisheit (Zitat eines meiner ehemaligen Lehrer) mit der Dreischichtung (die sich bei gerafften Röcken im Foto links dem Auge des gewogenen Betrachters nicht erschliesst)?
Ja, die Webkante nutzen, damit kann man den Saum einfach umschlagen und hat dann nicht die handelsübliche Wulst. Oder das Nähen einfacher ist. In dem Stand für eine Prunkklamotte einen ungesäumten Saum lassen geht gar nicht. Nicht bei Wolle/Leinen.
Es gibt diverse unterschiedliche Nahttypen. Mehrere an einem Kleidungsstück.
“Über Halbkreismäntel kann man auch oft genug lesen dass man die kürzer machen kann wenn die keinerlei wärmende Funktion haben sollen.” Wo liest man das? In einem Buch? Auf der Webseite von Reenactors?
Wer was sagt hat nichts damit zu tun was wie war. Nicht für eine repräsentative Klamotte. Bei Grafs und Co wirst du keinen kurzen Halbkreismantel finden. Von Relevanz sind Primärquellen. Abbildungen, Funde. Keine Retrospektiven, weder des 14. noch des 19. Jahrhunderts. Zeitgenössische Beschreibungen.
Die Halbkreismäntel sind (wegen des Mantelbandes) unpraktisch, für arbeitende Bevölkerung sind da Rechteckmäntel oder die Cucullen (Einzahl Cuculla) üblicher.
“Die Befestigung sind zwei zusätzlich angepinnte Fibeln, auf der Grabplatte kann man deutlich sehen dass der Mantel mit einer gigantischen Fibel am oberen Hemd befestigt ist, also ist es gebräuchlich genug sowas festzupinnen.”
Die angepinnten Fibeln sind im Normalfall Tasselscheiben. Aber nicht auf deiner Grabplatte. Mit einer massiven Prunkfibel, anzunehmen ein teures Metall und Wappen, auf der Mitte des Brustkorbs. Naumburger Stifterfiguren, die Damen des Strassburger Doms etc haben den Halbkreismantel alle NICHT irgendwie komisch befestigt. Sie tragen Mäntel, keine Mäntelchen. Betrachte mal die Faltung des Mantels von Herrn von Botenlauben.
Ich find’s seltsam, dass ich auf die Schnelle nur die Datierung auf 1270/1280 und keine anderslautende gefunden habe, kann ich aber nix zu sagen, sollten die Leute vor Ort wissen, wenn die Kleidung auch relativ ungewohnt für 1240 aussieht.
Offen gestanden, von den Anmerkungen zu Dingen abgesehen, die nicht in dein Jahrhundert passen, ist deine Darstellung nicht die eines Hochadeligen. Blau ist die Farbe und insbesondere die, die du trägst und die in die Richtung “Waid” geht ist die, die den Bauern als Sonntagstracht zugestanden wurde. Die gute Nachricht: Gefilzte Hüte gab es durchaus.
Es gibt keine Gürteltasche wie die deine.
Es gibt ein Accessoire, das dir fehlt: Ein Diener, der dein Geraffel trägt. Bzw, im Grunde genommen entspricht deine derzeitige Ausstattung der des Dieners…
Was man deinem Beitrag anmerkt, du bist interessiert, motiviert, suchst nach Quellen. Manchmal interpretierst du zu weit und manchmal fehlt dir die Wichtung der Quellen und einfach ein bißchen Erfahrung im Umgang damit. Nimm bitte die Kritik nicht persönlich oder übel, schau einfach, was du draus machen kannst.
Schönen Abend
Nicole

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Eintrag #8 vom 22. Jul. 2012 21:40 Uhr Daniela (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Daniela eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Es fehlt so einiges ...

vorallem an Basis-Wissen ;o)
Und gleich bekomm ich richtig Haue, denn es gibt eigentlich keine Wollallergie. Entweder bist Du gegen Wollfett/Lanolin allergisch, oder gegen die Rauheit des Materials.
Gegen erstes Problem hilft waschen mit normalem Wachmittel (kein Wollwaschmittel, es könnte Lanolin enthalten!). Man sollte vor dem Nähen die Stoffe sowieso wegen der “Einlauferei” waschen, von Lanolin mal abgesehen, können da auch “echte” Schadstoffe enthalten sein.
Wenn die Hautreizung nur vom rauen Material kommen sollte (glaub ich bei Dir aber nicht, da ja auch Atemnot auftritt), dann kann ich nur zu hochwertigem Wollstoff raten, da dieser auch nicht kratzt.
Glaub mir, ich will Dir nichts. Aber ich hab mich für meine “Wollallergie” vom Dermatologen auslachen lassen müssen. >< Kläre Deine Allergie aber auf jedenfall selbst noch einmal mit einem Facharzt ab!!!
Mit dem “Hut” steh ich echt auf dem Schlauch, da ich Dir überhaupt nicht folgen kann. Es gab “Jagdhüte” und auch “hohe Hüte”. Mit einem “Zauberer Hut”, oder “Jagdhut falschrum” kann ich nichts anfangen. Und wieso verträgst Du da die Wolle? ;o)
Auch ist mir nicht klar nach welcher Vorlage Du jetzt gearbeitet hast? Der Otto soll´s ja nicht wirklich sein und der Hardegger aus dem Codex Manesse ist zu spät, da 14. Jhd..
Auch ich hab ein Problem mit Deinem Umhang, genauer mit dem Verschluss. Hast Du da Knöpfe angenäht? Ich würd Dir da zu Tasselscheiben raten, hat der Otto auch ;o)
Und hast Du da auch Vogelfibeln drauf?(Sorry ich seh´s nicht besser) …..
….. Zu Deinem neuem Eintrag während ich hier tippe ….
Irgendwie komm ich mir hier grad schwer verar… vor. Sorry da mag ich mir dann auch nicht mehr den Kopf zerbrechen. Für die Festspiele wird es wohl reichen.
www.minnesangundschwerterklang.de
P.S.: Außerdem hat Nicole es schon auf den Punkt gebracht!

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Eintrag #9 vom 23. Jul. 2012 00:38 Uhr Christopher (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Christopher eine Nachricht zu schreiben.

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Ganz genau, konstruktive Kritik. Und “Gabs nicht, gabs nicht, Quelle?, Was ist das überhaupt?” ist bestenfalls destruktiv.
Inzwischen fühle ich mich deutlich ernster genommen, wunderbar.
Wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit geh ich einfach mal quer drüber.
Borten und Codex Manesse
Der Veranstalter hat sich Borten gewünscht, Borten gibts im 12. haufenweise, die Goldstreifen im Codex Manesse könnte man als Borten deuten, dass es sie dazwischen dann gar nicht gegeben haben soll ist möglich, ich fand da jetzt nichts schlimmes dran welche zu verwenden. Wegen der großen Ähnlichkeit des Kleidungsschnitts zu der Abbildung “Der Hardegger” habe ich hier nur die Platzierung der Borten übernommen. Nicht die Schnitte. Mir ist bewusst dass der Codex Manesse im besten Fall 70 Jahre zu spät ist.
“Ja, die Webkante nutzen, damit kann man den Saum einfach umschlagen und hat dann nicht die handelsübliche Wulst. Oder das Nähen einfacher ist. In dem Stand für eine Prunkklamotte einen ungesäumten Saum lassen geht gar nicht. Nicht bei Wolle/Leinen.”
DAS ist doch definitiv konstruktiv. sind exakt 120cm Naht, zwei Schichten, dauert keine Stunde. Fein.
“Es gibt diverse unterschiedliche Nahttypen. Mehrere an einem Kleidungsstück.”
Bei meinem Ergebnis hier gibt es den Rückstich. Mehr nicht. Darum gehts.
“Ich find’s seltsam, dass ich auf die Schnelle nur die Datierung auf 1270/1280 und keine anderslautende gefunden habe, kann ich aber nix zu sagen, sollten die Leute vor Ort wissen, wenn die Kleidung auch relativ ungewohnt für 1240 aussieht.”
Ich bin aus Bad Kissingen, das lernt man hier schon im Heimat- und Sachkundeunterricht, idealerweise sieht man das Ding im Laufe der Schullaufbahn auch mal in real. Meist auch schon in der Grundschule, in einer Tour mit Schloss Aschach um den Tag zu füllen.
“Die Federn sehen nach Plastikfedern aus.”
Ich wäre sehr enttäuscht von einem Fachhändler für Straußeneinzelteile Imitate zu bekommen. Und Straußenfedern sollte es hierzulande gegeben haben, als Schmuck dürften die -200 erstmals aufgekommen sein -wenn auch nicht gleich hier- und waren meines Wissens nach eine recht beliebte Handelsware im Mittelalter, obwohl die erst im 18. Jahrhundert im großen Stil produziert wurden.
Blau
Indigo ist ein Farbstoff der von der Indigopflanze und vom einheimischen Färberwaid produziert wird. An diesem Punkt bin ich also etwas überrascht, allerdings bin ich kein Botaniker. Könnte man bei Gelegenheit bestimmt auch nochmal überfärben. Aber blau bleibt es, wie gesagt, ich benutze absichtlich Wappenfarben, auch wenn das unüblich gewesen sein dürfte und auch wenn ich das Geld für 3 Meter Seidenstoff zusammen habe werde ich einen Blauton wählen.
“Es gibt keine Gürteltasche wie die deine.”
Stimmt. Da ist sogar ein Musikinstrument drin das Mitte des 19. Jahrhunderts in Italien erfunden wurde. Die Tasche sieht dem Ding hier links nicht unähnlich, das wars dann auch.
Externer Link
Hut
In der Seitenansicht ist der vornen hochgekrempelt und läuft nach hinten dreieckig in eine Spitze aus. Der Obere Teil ist hoch und Spitz. Und da drauf sind drei Federn. Ein umgedrehter Jagdhut. Würde ich zumindest behaupten. Diese Tragweise ist mir allerdings auch nur von exakt dieser Person bekannt, wenn es auch wenige Abbildungen gibt, aber auf allen ist eben ein spitzer Hut mit Federn drauf. Aus diesem Verhältnis(X/X) schließe ich also, dass das äußerst wichtig ist.
Diener
Wenn ich mir keinen leisten kann, bekomme ich einen gestellt. Wie bei Anwälten. Nennt sich dann allerdings Helfer.
Allergie
Zugegeben, übertriebene Ausführung. Soll anschaulich auf ein Problem hindeuten. In meinem Fall geht es allerdings um sämtliche Tierhaare, Gänsefedern, Birkenpollen und Staub. Wenn ich meinen Hund fertig gebürstet habe ist mein Arm mindestens eine Stunde rot gepunktet, die Augen rot angelaufen und es brennt beim Atmen. Ähnlich mit Pullovern mit Wollanteil. Um Wolle mache ich also folglich eher einen großen Bogen. Der Hut ist da eine interessante Sache. Ich könnte ihn mir nicht auf den Arm legen, aber am Kopf, genauer oberhalb der Nase, scheint mich meine fettige Haut zu schützen. Dafür krieg ich da die Pickel wenn ich zu sauber bin.
Vorlage Otto, dargestellte Person nicht Otto. Ganz einfach. Wobei ich mich allerdings um die Neubesetzung beworben hatte.
Und was hat hier eigentlich immer jeder gegen historische Festveranstaltungen? Am Ende geht ihr doch trotzdem hin. Und habt Spaß. Ich persönlich bin um jede Darstellergruppe froh die sich versucht von Leonardo Carbone zu distanzieren.

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Eintrag #10 vom 23. Jul. 2012 09:33 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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:-)

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Eintrag #11 vom 23. Jul. 2012 09:33 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Moin Christoph,

Wenn du dich an der Vorlage von Otto orientieren willst, schaue ich mir die Vorlage an, auch wenn du nicht Otto bist.
Ist jetzt nicht bös gemeint, aber seh dich mal mittels der Suchfunktion hier in den verschiedenen, sich wiederholenden Threads um. Es gibt wahrscheinlich fast hundert Themen, die wie das deine beginnen. Du hast verschiedentlich Hinweise bekommen, über die du dich grosszügig hinwegsetzt. Das lässt bei mir persönlich im Hinterkopf immer die Titelmelodie von Pippi Langstrumpf (…ich mach mir die Welt…) erklingen, aber nun gut, das ist wohl ein persönliches Problem.
Die bessere Option wäre halt, den gegebenen Hinweisen nachzugehen und sie zu berücksichtigen, nicht, sie abzuschmettern. Das wäre in dem Fall eine konstruktive Herangehensweise.
Und einer ganzen Reihe Leute hier (zumindest derer, die ich kenne, da das nun mal der Anspruch dieses Forums ist,) ist eine möglichst genaue Herangehensweise wichtig. Diese Leute gehen selten bis nicht auf irgendwelche historische Festveranstaltungen aus dem einfachen Grund, dass sie nicht historisch sind, sondern nur so tun als ob. Und es macht keine Spass zu hören und sehen, was den Besuchern als mittelalterlich verkauft wird. Ist wie Pizza mit Analogkäse. Gibt’s, muss man aber nicht essen.
Im Übrigen wird auf der Seite der Klosterkirche selbst die Grabplatte auf 1270/1280 datiert. www.burkardroth.de/[…]/35.Klosterkirche_Frauenroth[…]
MfG
Nicole
P.S. Um es festzuhalten, mit Reenactors meine ich nicht den entsprechenden Mittelalterversandhandel, sondern es ist gemeint als “bei anderen Reenactorengruppen”.

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Eintrag #12 vom 25. Jul. 2012 11:25 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Christoph,
Willkommen hier. Ich komme nicht umhin, mich etwas über dein Vorgehen zu wundern, die Kritik der Vorposter war meines Erachtens extrem “konstruktiv”, “destruktiv” kann Kritik meines Erachtens nicht sein, das wäre dann schlicht “Beschimpfung”- die sehe ich hier aber nicht.
Teile deiner Ausrüstung haben Potential, und es ist immerhin ein Anfang jenseits Leonardo Carbone, das ist richtig. Ich persönlich kann zu deinem diesbezüglichen Satz allerdings nur sagen, dass ich mich über jeden freue, der wirklich sorgfältig arbeitet. Die Grenze “nicht Leonardo Carbone” ist mir da zu tief angesetzt, da gibt es noch viel zu viel Mist darüber. Schlichter Maßstab ist, ob es den Vorlagen entspricht, Fehler mit einberechnet. Erkennt man die nicht, dann bringt es auch net viel, dass es kein Piratenhemd ist.
Das ist bei dir zwar nicht der Fall, man sieht schon, dass du dich damit befasst hast, aber da fehlt, so leid es mir tut, noch viel, um auf deine Eingangsfrage einzugehen: nicht nur die Ausrüstung entsprechend der von dir genannten Grabplatte, sondern schlicht das richtige Vorgehen: wenn du dir etwas zur Vorlage nimmst, sollte es auch so aussehen. Tut es aber leider nicht. Kein Ding, gerade am Anfang, aber merken sollte man es schon, gerade wenn man drauf gestossen wird. Es würde freilich auch nichts helfen, sich nur mit einer Grabplatte zu befassen- Funde, Handschriften, Texte, das alles sollte ja einfliessen.
Mein erster Rat wäre demnach, nochmal etwas zur Basis zurückzugehen, und mich intensiv mit der Kleidung im 13ten an sich zu befassen- da gibt es hier im Forum reichlich Anregungen. Dann aber auch mit der Sozilogie, im gewissen Maße: aus sowas wäre dann ersichtlich, dass eine Leinenkleidung ohne Versäuberung für einen Adeligen, jetzt mal von der konkreten Vorlage abgesehen, untauglich war/wäre/ist.
Als zweites steht freilich sowas wie “Wünsche des Veranstalters”- naja, wenn du dich nach denen richtest, ist alle weitere Hilfe für die Katz. Wenn der Veranstalter rosa Kätzchen haben will, und du dir welche auf den Kittel bügelst, was soll man da sagen?
Und als drittes möchte ich mal konkret auf deine Kleidung eingehen. Ein sehr schönes Beispiel einer Umsetzung adeliger repräsentativer Kleidung im 13ten - was man so auf ner Grabplatte darstellte, trägt Michael Perschau: www.apud-angeron.de
Da ist Seide das absolut mindeste (und eigentlich heute nicht so arg teuer), Gold-und Silberbeschläge auf gewebten (da hast du deine Borten) Gürteln, Bestickungen, Applikationen, Perlen, Edelsteine, Pelz gehören da aber im Weiteren dazu.
Abschließend noch ein paar Dinge:
- das “blöder Hut Credo” mag es inzwischem im Larp geben, kommt aber aus dem Living History. Und im Kern geht es weniger um einen “blöden” hut, denn um überhaupt einen, da die Kopfbedeckung viel von der Optik der Kleidung ausmacht. Allerdings nur in Zeiten, in denen das passt(e). Im 13ten war die Hotmode noch recht spartanisch. Straußenfedern sind mir da sehr neu.
- Buckler Bemalung: das lockert es nicht auf, das wirklich unseriös bis lächerlich, sorry. Man kann schon über die Konstruktion von Bucklern sehr viel diskutieren, da gibts net so viel erhaltenes, da muss man nicht noch was völlig modernes draufpinseln.
- Wolle auf der Haut: du trägst es doch garnicht auf der Haut? Hast doch Leinen drunter?
- Jagdhut verkehrt herum: willst du Geschichte darstellen oder Berliner Getto in den 80gern?
Alles in Allem: ich freue mich, wie gesagt, über jeden, der sorgfältig arbeitet. Und Respekt vor dem hat, was er darstellt. Das waren echte Menschen, die uns heute eben fremd sind. Da muss man echt nicht was modernes transportieren. Finde ich unwürdig.

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Eintrag #13 vom 02. Aug. 2012 11:56 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

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Zu den Webkanten:
Es kommt sehr drauf an, was man für Webkanten hat. Wenn man das Glück hat, einen alten Stoff zu finden, an dem der Schußfaden einfach umkehrt, kann man sie so verwenden, wie es auch im MA gemacht wurde: Die teile so zuschneiden, daß die Webkanten am Rand liegen und dann zwei Teile nur 5mm überlappend übereinanderlegen und dann überwendlich über die Webkanten nähen. Oder ggf. die Kante auch als Saum nutzen.
Wenn man aber, wie in Deinem Fall, einen modernen Stoff hat, sieht die Webkante ganz anders aus als im MA. Heutzutage wird nicht mehr mit einem kontinuierlichen Schußfaden gearbeitet, sondern es werden Einzelfäden verwendet für jeden Schuß. Dabei geht dann kein Schiffchen mehr hin und her in einem Webstuhl, sondern die Einzelfäden werden mit Druckluft durchs Fach geblasen. Dabei schaut an beiden Seiten dieser Einzelfaden ein wenig über die Kante hinaus. So eine Webkante kann man für historische Kleidung nicht offen verwenden, sondern muß sie umklappen oder sogar (wenn die Festigkeit stark anders ist als der Hauptstoff) abschneiden. Da muß man dann halt mit Kappnähten arbeiten. Oder je nach Vorbild noch andere Nähte, je nachdem.
Also nicht einfach nach Schema F arbeiten “es wird doch immer gesagt, daß man mit den Webkanten arbeiten soll”, sondern sich mal wirklich informieren, wie die Stoffe aussahen, was sie für Webkanten hatten und was dabei so für Nahttechniken verwendet wurden. Es gibt ja nun durchaus einige Funde, an denen man sich informieren kann.
Leider werden Deine kurzen Ärmel durchs Umklappen der fusseligen Webkanten nicht viel besser. Die Ärmel solltest Du unbedingt durch lange ersetzen.

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