Deine Illustrationen gefallen mir sehr gut. Man kann die Kleidungsstücke und Gegenstände sehr gut nachvollziehen ( ganz im Gegensatz zu antiken “Vorlagen”, wie Vasenmalereien, Wandteppichen etc.).
Zum Thema Osprey-Illustrationen fällt mir immer wieder auf, daß sich viele Gruppen, deren Thema sich von besser bekannten Inhalten (z.B. Römer) abhebt, und die beispielsweise Griechen und Thraker darstellen, sehr stark an diesem Material orientieren.
Obwohl die Illustrationen handwerklich von bester Qualität sind, besteht natürlich die Gefahr, daß ein Rekonstruktionsfehler des Künstlers mangels besseren Wissens stoisch kopiert wird und sich irgendwann als authentisch etabliert.
Wie gesagt, ich tue mich mit der Interpretation sehr schwer. Wenn Du in meinem Anhang das Foto zum Thema Typ 2/Hjortspring betrachtest, dann muß ich ehrlich zugeben, daß ich angesichts des Zersetzungsgrades rein gar nichts damit anfangen kann. Oft brechen ja Metallschichten auf, verschieben sich und lagern sich dann wieder “falsch” auf der Klinge ab, sodaß die eigentliche Silhoutte komplett aufgebrochen und verändert wird. In diesem Fall traue ich einem Schmied tatsächlich mehr zu als mir selbst.
das Thema ist schon recht spezifisch, da es erstmal nicht so viele Germanendarsteller dieser Zeit gibt und von denen auch nicht so viele mit so einer Waffe rumlaufen - von dem Verhältnis bei den Ablagen im Moor habe ich ein Schwert auf 10 Speere im Kopf. Weiterhin ist TV über alles eher mittelalter-orientiert. Insofern würde ich mal in dem einen oder anderen Römer-/Germanenforum nachhorchen.
Ich bin selbst Gelegenheits-Illustrator und befasse mich auch ein wenig mit historischer Rekonstruktion (siehe www.grafips.de/?page_id=18 ) und nach meiner Erfahrung kommst Du um eine Beschäftigung mit den Funden etc. nicht rum, wenn Du eine überzeugende Illu abliefern willst. Selbst bei professionellen Illustratoren der Osprey-Serien merkt man recht schnell, welcher Zeichner in der Materie steckt und wer nicht. Und dazu gehört halt auch, die Funde selber interpretieren zu können und nicht auf (manchmal recht zweifelhafte) Interpretationen von Händlern und Darstellern zu verlassen. Sonst kommt man ziemlich schnell dazu Szenefehler zu wiederholen ..
Wahrscheinlich wird mir nichts anderes übrig bleiben, das Thema ist einfach zu spezifisch. Die nächste Germanengruppe hat auch nicht geantwortet. Ich muß allerdings vermeiden, daß Hersteller/Schmiede den Eindruck erhalten, ich wollte ihre Arbeiten kopieren und womöglich noch eigene Waffen verkaufen.
Schreib einfach die Schmiede und Händler an, ohne wertende Begriffe wie Pack o.ä.
So, wie Du´s uns erklärt hast. Die Händler verraten Dir die Adresse des Schmieds und der wird Dir Fotos schicken und sagen, wie er zu seiner Rekonstruktion gekommen ist. Manchmal hilft auch ein Anruf und dann ein Besuch.
Die haben schließlich ihr Hobby zum Beruf gemacht.
In einem ganz anderen Fall habe ich mal im Museum angerufen und Bilder erhalten, die noch nicht veröffentlicht waren.
Vielen Dank für die rege Teilnahme an meiner Frage. Einige Hinweise waren bislang sehr hilfreich.
Etwas zu meiner Person:
Ich bin Zeichner und beschäftige mich im Moment mit Ausrüstung und Kleidung antiker Völker zur römischen Kaiserzeit ( von mir aus auch spätere Republik/ frühere Kaiserzeit ). Dabei interessieren mich nicht nur das “Römergesocks” und das “Germanengelumpe”, ich schrecke auch nicht vor “Galliergerümpel” und “Dakerpack” zurück, um nur ein paar wenige der verschiedenen Kulturen zu nennen. Dazu habe ich eine eigene Datenbank angelegt, in der Gegenstände, Völker und Zeitangaben genau katalogisiert sind. Es versteht sich von selbst, daß man für eine präzise Zeichnung die Konstruktion eines entsprechenden Objekts in und auswendig kennen und begreifen muß. Was römische Waffen im allgemeinen, aber zum Beispiel auch germanische Speere angeht, hat man keine Probleme, weil es eine Unzahl verschiedenster und gut lesbarer Funde und Rekonstruktionen gibt. Anders bei germanischen Hiebschwertern. Gerade Abbildungen von zerfallenen Moorfunden sind am allerschlechtesten geeignet, es sei denn, man wäre ein Schmied und wüßte, wie man die Lücken im Material sinnvoll und logisch ergänzen muß ! Ich bin kein Schmied. Fundkataloge reichen bei weitem nicht aus, im Gegenteil, sie sind - gerade bei Objekten, die aus vielen Kleinteilen bestehen - eher verwirrend als erleuchtend. Wilfried hat zu Recht gesagt, daß eine Rekonstruktion immer nur ein Versuch sein kann, aber ich vertraue darauf, daß ein moderner Schmied die Absichten eines “antiken Kollegen” besser nachvollziehen kann als mancher Theoretiker.
Thorsten erwähnte die Rekonstruktion eines Vimosefundes, die ich auch kenne, wie man auf meiner angehängten Bildersammlung sehen kann. Im Gegensatz zu den Originalteilen des Funds, geht eine solche Rekonstruktion in die Richtung dessen, was ich als Referenzmaterial suche. In diesem Fall gibt es leider nur eine Seitenansicht der fertigen Waffe, was für meine Zwecke zu wenig ist, da mir eine Rundumansicht fehlt. Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee wäre den Schmied zu bitten, sein Produkt mal aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln für mich zu fotografieren, unter der Vorraussetzung, es garantiert nicht zu kaufen.
Die Bilder des von Martin verlinkten Cheruskerschwerts bieten zum Beispiel genau das, was ich für diese spezielle Hiebschwert-Variante brauche. Was hier noch offenbleibt, sind genauere Informationen zum Originalfund, sowie Scheide bzw. “Befestigung am Mann”.
Kurz zur Terminologie:
Ich weiß durchaus Dolche, Schwerter, Messer und Säbel voneinander abzugrenzen. Richtig : Das “germanische Hiebschwert” ist ein Messer, genauer gesagt ein Haumesser. Ein Krieger konnte damit sowohl schneiden als auch zustechen, aber darüber hinaus konnte es dazu eingesetzt werden, gegnerische Helme mit einem vertikalen Schlag zu spalten, was durch Form, Größe und Gewicht ermöglicht wurde. Man sieht sehr deutlich die Verwandschaft zu ähnlichen, schon viel besser erforschten Waffen, wie Falcata ( Kopis, Machaira ), die von Keltiberern bzw. Griechen benutzt wurden. Dabei ist es unklar und für meine spezifische Aufgabe völlig unwichtig, ob diese “Verwandschaft” parallel bzw. unbewußt zustande kam, oder ob eines dem anderen als Vorlage diente. Was allgemein feststeht, ist die Tatsache, daß diese Waffen einen “verstärkten Rücken” hatten, weil sich das damals scheinbar recht weiche Material beim Aufprall verbogen hätte. Ob man diesen verstärkten Rücken schon durch einen dreieckigen Klingenquerschnitt erreicht hat, oder ob man nachträglich noch Material hinzugefügt hat weiß ich leider nicht, da ich mich mit dem Schmieden nicht auskenne, und keinen Kontakt zur Quelle dieser These herstellen konnte.
Nun: Obwohl es sich um ein Messer handelt, scheinen sich Menschen, die sich mit dieser Materie schon länger beschäftigen als ich, aus irgendwelchen Gründen auf die Bezeichnung “Hiebschwert”, “einschneidiges Kurzschwert” (aber auch “single edged short sword”) geeinigt zu haben, zumindest im Bezug auf Germanen. Wenn man also anfängt, dieses Gebiet zu erforschen, kommt man dem Ziel schneller näher, wenn man nach Hiebschwertern sucht, anstatt nach Messern. Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, doch ich glaube, daß die angehängten Fotos durchaus gezeigt haben, um was es mir geht. Der Ausdruck “Sax” wurde bislang nur von oben erwähnten Händlern verwendet, und hat mich, wie beschrieben, nicht unerheblich verwirrt.
Spatha:
Ich suche nicht nach einer Spatha. Dabei handelt es sich um ein zweischneidiges Langschwert, das bei Kelten, Germanen und Römern gleichermaßen auftauchte, wobei in diesem Falle eines die anderen beinflußt/inspiriert hat ( von den Kelten zu den Germanen und Römern ). Römer haben dieses Schwert zunächst als Reiterwaffe benutzt, später aber auch Fußsoldaten damit ausgerüstet. Es handelt sich immer um ein zweischneidiges Langschwert, allerdings tauchen hier Variationen bei den Griffen auf; so haben römische Exemplare z.B. meisten einen Gladius-ähnlichen Griff. Eine Ausnahme wäre die sogenannte “Semispatha”, die sich durch ihre kürzere Länge von den anderen unterscheidet. Zu diesem Thema gibt es mehr als ausreichende Informationen, und meine “persönliche Datensammlung” quillt schon über mit authentischem und verifiziertem Spatha-Material.
Zum Thema Recherche/ Glaubwürdigkeit von Quellen:
Die Idee, in einer Bibliothek zu suchen, halte ich für sehr schwierig. Wie gesagt, ich suche nicht nach Fotos oder Zeichnungen von halb zerstörten Klingen, sondern nach Rekonstruktionen und Rundumansichten sowie Details ( Erl, Nieten, Griff etc.). Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, wie ich die Suche überhaupt beginnen sollte. Für Tips, die mir die Anfänge meiner Recherche erleichtern könnten, wäre ich sehr dankbar. Die Buchvorschläge von Thomas Klee sind auf jeden Fall ein konkreter Hinweis, der einem Anfänger den Einstieg erleichtert.
Wenn, wie für meine Zwecke, ganz offensichtlich Originalfunde (bedingt durch den Grad der Zerstörung) nicht ausreichen, fängt man natürlich an zu überlegen, ob man sich nicht auf den ein oder anderen Rekonstrukteur verlassen kann. Einzelpersonen, Darstellergruppen oder auch Manufakturen, die Rekonstruktionsversuche belegbarer Funde nach bestem Wissen und Gewissen durchführen und dokumentieren, sind zunächst einmal für mich von größtem Interesse. Ob ich letztendlich glaube, was ich sehe, sei dahingestellt. Ich kannte Herrn Johnsson nicht, sein Fachwissen wird aber groß und deutlich auf der Seite hervorgehoben. Herrn Theodor Mommsen kenne ich zufällig, Herrn Karlheinz Öfterdick und Herrn Alfred E. Neumann kenne ich wiederum nicht, obwohl ich deren Fachliteratur über germanische Hiebschwerter ja villeicht demnächst in der Stadtbibliothek finde. Beates Warnung, kritisch zu sein ist sehr verständlich und angebracht, aber ich kann das Hiebschwert nicht neu erfinden, noch kann ich es anhand von Fundkatalogen rekonstruieren.
Ich bin ja gerade in diesem Forum, um Leute zu finden, die diese Schritte schon erforscht haben. Natürlich kann jeder Wissen verbreiten, ob online oder im Druckformat. Leider müßte ich als Laie jedem mißtrauen oder auch vertrauen, der etwas zum Thema zu sagen hat.
Selbst wenn es sich nicht um Bücher, sondern “nur” um Onlinematerial oder Darstellergruppen handelt: Auf jeden Fall bin ich immer an Hinweisen bzgl. solcher Quellen interessiert. Bislang habe ich zwei Gruppen, die germanische Hiebschwerter in ihrem Repertoire haben angeschrieben, allerdings ohne Erfolg. Entweder lesen/beantworten sie keine Emails, oder sie sind unsicher, was ihre eigene Darstellung betrifft, wer weiß.
Onlineshops:
Es gibt durchaus Händler, deren Artikel von extrem authentizitätsbewußten Darstellern empfohlen werden. Gerade römische Gruppen zerlegen manchmal die Angebotspalette verschiedener Hersteller Objekt für Objekt und Niete für Niete und warnen vor Fehlkäufen. Es gibt Tabellen mit Materialzusammensetzungen, Proportionen und Verarbeitung, und sogar “Warnlisten” bzgl. Artikeln, die keinem anerkannten Wissensstand entsprechen. So tauchen manchmal Waffen auf, die bautechnisch tadellos sind, aber deren Materialzusammensetzungen nicht authentisch sind (Beispiel Klinge besteht aus Zink). Wie gesagt, für eine Zeichnung ist die Konstruktion wichtig, weniger aber das Material der Klinge. Insofern könnte es sich lohnen, Händler nicht im Vorfeld abzuschreiben. Eine billige Replik, und sei sie aus Kunststoff abgegossen, die aber trotzdem im Bau genau dem Original entspricht, würde sich hervorragend als Referenz eignen. Natürlich muß man wissen, wonach man sucht und es wäre vorteilhaft, sich dieses Wissen anhand von Originalquellen erarbeiten zu können. Allerdings finde ich es einen Versuch wert, dem Hinweis einer Darstellergruppe nachzugehen, die diese Originalquellen schon einmal durchgearbeitet haben. Einen als authentisch akzeptierten Pugio zu finden ist beispielsweise kein Problem, das wenig erforschte germanische Hiebschwert leider schon.
Tragweise:
Ich habe einen Artikel über eine Varusschlachtdarstellung gelesen, in der sich ein Berichterstatter sehr über die “quer über dem Hintern” getragenen Hiebschwerter der Germanendarsteller geärgert hat. Leider konnte ich keine Verbindung zu dieser Quelle herstellen. Angesichts dieser Information, sowie der Germanengruppen, die ich bislang gefunden habe, gehe ich davon aus, daß es wahrscheinlich ist, daß Germanen diese Waffe vertikal und vorne/seitlich getragen haben, da auch die paar erhaltenen Holzscheiden darauf hindeuten. Villeicht haben sich die Paralleltragweise und die weiche Lederscheide erst später durchgesetzt, villeicht haben erst die Wikinger damit angefangen, ich weiß es nicht.
Zeit:
Ich, der Frager, habe eigentlich nach einem Zeitraum von 100 v. - 200 n. Chr. gefragt, genauer 0-100 n. Chr. Das ist nicht Spätantike.
Ich versuche im Moment, Parallelen zwischen Rekonstruktionen verschiedener Hersteller zu ziehen. Dazu gehe ich davon aus, daß das Vimoseschwert und das von Johnsson nachgebaute “Cheruskerschwert” auf tatsächlichen Funden basieren. Leider geht Johnsson auf Albion Swords nicht näher auf den Originalfund ein, deshalb würde ich im Notfall eher das andere Modell bevorzugen.
Dazu teile ich die bisher gesammelten Referenzen grob in vier verschiedene Typen ein: (siehe Bild)
1.: Varianten einer längeren Version mit teilweise sägeähnlichem Griff und Nieten. Der Erl sitzt hier nicht mittig, sondern bildet die Verlängerung des Klingenrücken. Wenn Scheiden vorhanden sind, handelt es sich immer um Holzscheiden, viele sind mit Leder bezogen, (allerdings habe ich noch keinen Beweis für die Echtheit eines solchen Bezuges gefunden), die mit Metallbändern zusammengehalten werden. Die Aufhängung läßt auf eine vertikale, frontale Tragweise schließen.
a: Die einzige brauchbar fotografierte Version bislang ( “Cherusker” ) zeigt, daß die Kante des Erls zwischen den beiden aufgenieteten Griffschalen rundherum sichtbar ist. Leider wird hier bis auf den Zusatz “Find from Sweden” keine genaue Quelle angegeben.
b: Diese Version (Vimose) weicht etwas von der oberen ab, da der Erl hier geriffelt ist, zumindest an der Unterseite. Wie er an den anderen Stellen aussieht, oder ob dessen Kante teilweise von dem Griffmaterial bedeckt wird, bleibt unklar. Andere Ansichten existieren bislang leider nicht.
Die Rekonstruktionen stimmen mit dem gesuchten Zeitfenster überein.
2.: eine kürzere Version, mit mittigem Erl und Ringen, die um den Griff verlaufen. Zusätzlich gibt es zwei Kappen oder Endstücke, eine am Ende des Griffs, und eine an der Stelle, an der die Klinge in den Griff mündet. Der mittlerweile verrottete Griff und die Ringe lassen nur den Schluß zu, daß der schmale Erl ganz vom Griffmaterial verdeckt worden ist. Es gibt allerdings die Überreste einer Holzscheide. Ein solches Exemplar taucht in einem Fund von “Hjortspring” auf, datiert auf 350 v.Chr und somit zu früh für mich.
3.: verschiedenste von Internethändlern angebotene Varianten, allesamt mit weichen Lederscheiden und Parallelaufhängung. Oft werden Begriffe wie “Wikinger”, “Saxe” etc. im Zusammenhang mit diesen Waffen benutzt. Hier fällt es besonders schwer, etwaige Zeitangaben und Zugehörigkeiten zu bestimmten Kulturen zu glauben. Ich würde diese Kategorie nicht länger in Betracht ziehen.
4.: es gibt einige wenige fragwürdige Konstruktionen, die ich eigentlich zur Kategorie 3 zählen würde. Allerdings sind hier die Parallelen zu “Typ 1” so auffällig, daß ich sie zunächst nicht ohne weiteres aus meiner Betrachtung streichen möchte.
Ich lasse hier aber die weiche “Parallelscheide” bewußt außer Acht.
Ich bedanke mich für die Hilfe, bin aber weiterhin an jedem Hinweis interessiert, und sollte die Quelle noch so unergiebig erscheinen.
Sorry, Wilfried, die Definition, die Du von Saxen gibst, ist vollkommen irreführend. Wenn Du mal die tatsächlich die entsprechenden Historiker/Archäologen/Waffenkundler wie z.B. Westphal, Seitz, Menghin et. al. durchsiehst, so gibt es keine feste, zeitübergreifende Definition von Sax sondern Entwicklungslinien ,die hier in Kontinentaleuropa so gegen 6. Jhdt. beginnen und im 9. Jhdt. enden. Die Hiebschwerter vom Typ Vimose etc. sind wahrscheinlich die “Urväter” der späteren Saxe.
Es geht doch darum festzustellen, was auf die Frage des Threaderstellers passt. Die Bilder, die er gepostet hat sind basismäßig der Typ, der im germanischen Kontext gerne als Hiebschwert bezeichnet wird, auch um sie von den Spathen, die sich aus den römischen Waffen entwickelt haben, abzugrenzen. Die Begrifflichkeit Schwert ist genauso schwammig - so´n Teil muss nämlich per definitionem nicht zweischneidig sein.
Also Wikinger sind auch Germanen, eigentlich Nordgermanen ~ ab 800 n.Chr
Der von dem Frager genannte Zeitrahmen ist Spätantike
Das was wir als Schwert heute kennen, ist eine symmetrische, zweischneidige Hieb- und (seltener auch )Stichwaffe mit langer Klinge, die erstmals von den Kelten verwendet wurde.
Einschneidige Klingen mit Griff am Ende sind Messer, einige Sonderformen wurden von Historikern und Archäölogen als das Lang/Scara/Breit oder was auch immer -sax definiert.
ich denke, dass er denkt … ich würde jetzt erstmal von den Spathen Abstand nehmen, die Teile sind meines Wissens nach erst durch den Kontakt mit den Römern populär geworden. Was im allgemeinen als Hiebschwert durch die germanisch Szene geistert, sind die Saxähnlichen Waffen, wie sie z.B. in Vimose oder Illerup gefunden wurden. Der “Cherusker” von Albion geht sicher in diese Richtung.
Gegebenenfalls könnte man da auch noch was bei den Moorfunde in Illerup Ådal (2. - 4. Jhdt.), Thorsberg (1.-5. Jhdt.) oder Nydam (3.-5. Jhdt.) finden. Literatur dazu sollte es auch geben, habe da gerade nichts zur Hand, doch die wichtigsten Publikationen findet man zu diesen Fundplätzen bei Tante Wikipedia. Und natürlich Thomas schon genannte Quellen.
Was die waagerechte Tragweise angeht, so gibt es da ein paar Bildquellen. Ich habe da langobardische Bildquellen und den fränkischen Stein von NIederdollendorf im KOpf - bei beiden wird die Waffe übrigens vorne getragen. Diese weisen zumindest bei Waffen von 40 - 50 cm Länge darauf hin, dass sie waagerecht getragen werden - zum Dogma würde ich das aber sicher nicht machen.Ob ich so ein Vimoseschwert - das rund 70 - 80 cm lang ist - so tragen würde … wäre sicher sehr hinderlich.
Und - um auch hier meinen Vorrednern zuzustimmen - gerade was Messer, Saxe und Hiebschwerter angeht, neigen viele Händler dazu ziemlich fantasiereich an die Sache ran zu gehen …
Mein Beitrag oben ist bitte wertfrei zu verstehen. Da Stahl und organisches Material sich durch chemische, thermische und biologische Einflüsse verändern, bleibt jede Rekonstruktion oder Replik der Versuch einer Interpretation des entsprechenden Fundes. Die dargestellten Messer oben zeigen Repliken von Funden aus verschiedenen Jahrhunderten und Regionen.
Und ja:
“Auf dem Rücken im Beckenbereich ” wäre richtiger gewesen.
OT off
Also such auch mal nach “germanische Spatha aus dem 1. Jhdt” “frühe Kaiserzeit”
“Im vorliegenden Fall dürfte man jedoch den Herren Johnsson (…, den sich die Amifirma als Berater ins Boot geholt hat…) und Böhling (…, der - neben seinem Chasuari-Projekt - meines Wissens nach als studierter UFGler derzeit als Museumspädagoge in Kalkriese tätig ist…) wohl getrost ein wenig Vertrauen entgegenbringen.”
Das weiß ich, aber weiß das der Fragesteller? ;-)
Genausogut hätte doch auch jemand die HP einer anderen nicht so vertrauenswürdigen “Germanengruppe” empfehlen können (und das geschieht oft genug in diversen Foren).
Die Kritik bezog sich nicht speziell auf die genannte Gruppe, sondern ganz allgemein auf die übliche “Recherche” mittels HPs von Händlern und Darstellern.
… - obwohl das Germanengelumpe wirklich nicht mein Metier ist, dass du ja ausdrücklich nach einem “Hiebschwert” gefragt hast. Insofern ist Wilfrieds Hinweis auf die Spatha völlig richtig, denn im Gegensatz zu den anderen Teilen, die konstruktionsbedingt als Messer angesprochen werden müssen, handelt es sich bei der Spatha tatsächlich um ein Schwert.
@ Wilfried: Was die vermutete Trageweise der erwähnten Hiebmesser angeht, ist v.a. die Konstruktion der erhaltenen Scheidenaufhängungen maßgebend für die Theorie der waagerechten Trageweise - weniger die Lage dieser Geräte in situ…
… und - bitte verzeih’ mir diese sprachliche Klugscheißerei!: Messer tragen sich bedeutend angenehmer auf(!) dem Rücken als im Rücken…
Mir scheint, du suchst das, was Tacitus als “Spatha” beschreibt und viele Archäologen auch als “Fund einer Spatha” o.ä. veröffentlichen.
Die von Dir gezeigten Bilder hingegen zeigen mehr oder minder fantasievolle Rekonstruktionsversuche von Messerfunden und -beschreibungen. In Fundberichten “ Sax, Sahs, Hiebmesser , Schwertmesser, Haumesser usw”genannt.
Die kürzeren Varianten ( Unterarmlänge ) wurden oft, Klinge waagerecht, unter den Bestatteten gefunden.
Hieraus schließen viele, das diese Messer waagerecht im Rücken getragen wurden.
… geb’ ich dir prinzipell völlig Recht - genau dasselbe predige ich seit Jahren unermüdlich und gebetsmühlenhaft meiner Pennälerschaft.
Im vorliegenden Fall dürfte man jedoch den Herren Johnsson (…, den sich die Amifirma als Berater ins Boot geholt hat…) und Böhling (…, der - neben seinem Chasuari-Projekt - meines Wissens nach als studierter UFGler derzeit als Museumspädagoge in Kalkriese tätig ist…) wohl getrost ein wenig Vertrauen entgegenbringen.
Ohne jetzt von Waffen eine Ahnung zu haben, möchte ich doch zur Recherche etwas anmerken:
Du schreibst “Bislang wurde ich mit verschiedensten Informationen überschüttet, vor allem aber Händler und Online-Shops werden bei der Internetsuche besonders berücksichtigt.”
Händler und Online-Shops würde ich bei der Recherche schon mal ausklammern. Desweitern würde ich mit der Recherche in einer Bibliothek und nicht im Internet anfangen.
Wie willst du denn Ergebnisse der Google-Suche beurteilen, wenn du dich in der Materie noch nicht auskennst?
Abgucken von Gruppen-Homepages ist zwar allgemein verbreitet, aber auch mit Vorsicht zu genießen. Du weißt doch nicht, ob eine Gruppe wirklich gut ist (dazu müsstest du dich - s.o - mit dem Thema auskennen) und wie aktuell ihre Homepage. Immerhin kann die Gruppe ja schon viel weiter sein.
(Bei Archäologie-Online kann sich jeder eintragen, unabhängig von der Qualität seiner Darstellung. Und da hättest du schon wieder das Problem, wie willst du das beurteilen?
Wo das i-Net als Recherchehilfe ganz nützlich ist: Aufrufen eines Bibliothekkatalogs. ;-)
D.h. jetzt nicht, dass man nichts Brauchbares im I-Net findet, aber man muss es ja erkennen, beurteilen können. Und da kann man eben erst, wenn man mit seinem Wissenstsand schon fortgeschritten ist.
whoa mama!! (Smiley mit aus dem Kopf fallenden Augen)
Das ist ja schonmal ein Super-Tip, vielen Dank!
Auf den Bildern erkennt man alle möglichen Details, z.B. daß sowohl Klinge als auch Erl einen dreieckigen Querschnitt haben und nahtlos ineinander übergehen. Villeicht finde ich noch eine passende Scheide.
Ich habe mich hier angemeldet, weil ich es nicht schaffe, meine Nachforschungen ohne gezielte Fragestellungen an Fachleute zu einem befriedigenden Ergebnis zu bringen. Dabei habe ich viele Fragen, aber leider gar nichts an eigenem Wissen anzubieten. Ich suche nach Darstellungen/Informationen über germanische Hiebschwerter, ungefährer Zeitraum: 1. Jhdt. n. Chr.
Im Gegensatz zu einem römischen Gladius ( z. Beispiel ) weiß ich nicht, welche entscheidenden Merkmale diese Waffenart auszeichnen bzw. diese von anderen, oberflächlich ähnlichen Schwertern abgrenzt, dazu habe ich ein zu schwammiges Bild.
Das größte Problem: Bislang wurde ich mit verschiedensten Informationen überschüttet, vor allem aber Händler und Online-Shops werden bei der Internetsuche besonders berücksichtigt. Meine Suchergebnisse zum Thema “germanische Hiebschwerter” werden z.B. immer wieder vermischt mit Begriffen wie “Sax”, “Saxmesser”, “Scramasax”, “Vormerowingerzeitliche”, “Merowingerzeitliche”, “Schmal”-, “Lang”-, “Breit”-, “Kurz”- “Wikinger”- etc., und ebensovielen bildlichen Darstellungen. Wenn man sich auf manchen kommerziellen Seiten umsieht, sollte man meinen, daß es sich bei den genannten Begriffen/Objekten um mehr oder weniger ein und denselben Gegenstand handelt, der unverändert in den verschiedensten Kulturen bzw. Jahrhunderten vorkommt. Die Krönung: Einige Händler fassen Wikinger und Germanen unter einer einzigen Kategorie zusammen !
Verwirrend: Sehr oft findet man die Aussage, daß “diese Waffe” immer in einer parallel zur Gürtellinie verlaufenden Lederscheide an der Rückseite getragen wurde !?!
Leider kann ich einer Suchmaschine nicht mitteilen, daß mich Wikinger, Merowinger, Spätantike bzw. Frühmittelalter nicht interessieren, deshalb hoffe ich, daß es Forumsmitglieder gibt, die sich mit der Materie besser auskennen als die wenigen Quellen, die man als Laie im Internet findet. Zwar gibt es einige Gruppen oder Einzelpersonen, die eine solche Waffe nachgebaut haben, allerdings gibt es nie genügend Fotos bzw. Ansichten von den Objekten, gerade was Details angeht.
Am einfachsten wäre es natürlich, wenn eine der u.a. hier abgebildeten Dekowaffen - zumindest in Form und Bauweise ( Legierungen wären mir beispielsweise momentan nicht wichtig ) - einem Hiebschwert aus der gesuchten Zeit entspräche, denn dann könnte ich zumindest versuchen, ein solches Objekt mal aus der Nähe zu sehen.
Da ich aber keineswegs davon ausgehe, möchte ich versuchen, meine spezifischeren Fragen in Stichpunkten zusammenzufassen:
-Hiebschwert Germanen, engerer Zeitraum: 1. Jhdt. n. Chr
-Sollte das Zeitfenster zu begrenzt sein: durchaus auch 100 +/-
- liegt der Erl zwischen zwei einzelnen Griffplatten und ist dessen Kante
somit rundherum sichtbar ?
- verschwindet er vollständig oder teilweise in einem einzigen, geschlossenen Griffstück ?
- sind beide Varianten möglich ?
Scheide:
- mögliche Materialien und Tragweise
(parallel oder doch vertikal)
- Befestigung am Gürtel
Klinge/Erl:
- typische bzw. mögliche Klingenformen
- Klingenquerschnitt und Längsschnitt
- Dicke des Erl: gleiche Dicke wie die Klinge? flacher oder dicker?
- eventuelle Besonderheiten ( z.B. Hohlkehle )
spezifischere Fragen/ weniger wichtig:
- typische Verzierungen an Klinge, Griff, Scheide
- spezielle Legierungen ( z.B. Damastzener Stahl )
Natürlich erwarte ich keine wissenschaftliche Abhandlung, aber jede kleine Anmerkung würde mir schon weiterhelfen. Ich wäre auch dankbar für Hinweise bezgl. externer Quellen.