Interessantes Thema, doch den zitierten Text finde ich etwas konfus und unsauber formuliert.
Geschlechtsreife ist das Stadium in der Entwicklung eines Menschen, ab dem er zeugungsfähig ist. Doch eine eigene Sexualität besitzt das Kind schon lange vor der Pubertät, es kann also sexuelle Praktiken vollziehen, auch ohne geschlechtsreif zu sein (“Kinder wurden schon mit 12 Jahren verheiratet”), und die geistige Reife sowie das Verhältnis zur Sexualität ist wieder etwas anderes (“Ein zwölfjähriges Kind war dadurch damals aufgeklärter als heute.”)
Ich verstehe nicht, wie soziologische Umstände, abgesehen von konkreten Lebensbedingungen wie Ernährung, usw. die Geschlechtsreife beeinflussen sollen, wie es im Text angedeutet wird.
Mir erscheint hier doch eine Diskussion zu diesem Thema wichtig und keineswegs uninteressant. Solange in den Köpfen pauschale Urteile verhaftet sind sollte dagegen mit Aufklärung vorgegangen werden:
Aufgestellt wurde von mir die These, dass die Kindheit im Mittelalter schon sehr früh beendet war/wurde, sehr früh ge-/verheiratet wurde und auch Schwangerschaften mit 12 Jahren nicht als Ausnahme anzusehen seinen.
Dagegen wurden mehrere Behauptungen gestellt, dass die Geschlechtsreife “in der frühen Neuzeit” erst mit 18/19 eingetreten sein soll.
Aussagen wie “Daß die Mädchen OFT mit 12 schon schwanger oder Mutter wurden, halte ich aber für ganz großen Unsinn. Der Eintritt in die Pubertät und die damit beginnende Geschlechtsreife ist stark vom Körpergewicht abhängig. Selbst wenn nicht (Klischee, Klischee) eine Hungersnot die andere gejagt haben sollte :p den heutigen Ernährungsstandard mit einem Durchschnittsalter von 12-13 Jahren bei der ersten Blutung, dürfte für das Mittelalter doch etwas unrealistisch sein ;-)” [S.E.] sind genauso unbewiesene Behauptungen und helfen nicht weiter.
Ich rufe deshalb auf, hier dies einmal näher zu hinterfragen und bitte Belege aus der Zeit des Mittelalters (und nicht anderen Perioden) zusammenzutragen um Wissenslücken zu füllen und Vorurteile abzubauen.
Anfangen möchte ich mit einem Zitat aus einer Website (ich weiß, dass es keine Quelle ist, ich möchte es nur als Anstoss zur Diskussion anfügen): nachzulesen unter www.deutschland-im-mittelalter.de/sexualitaet.php
“Der große Unterschied zu heute lag jedoch im Mittelalter darin, dass Menschen schon viel früher als erwachsen und somit geschlechtsreif angesehen wurden. Mädchen waren mit 12 Jahren heiratsfähig, Jungen mit 14. Vor allem in adligen Kreisen wurde die Ehe schon in diesem Alter praktiziert. Was in unserer westlichen Kultur heute unvorstellbar ist, war damals Gang und Gäbe und sorgte wohl kaum für großes Aufsehen.”
und
“Und tatsächlich waren Kinder im Mittelalter schon sehr viel früher „reif“. Man sah Kinder als kleine Erwachsene an. Sie wurden früher mit verantwortungsvollen Aufgaben betreut und Mädchen wurden darauf vorbereitet, mit nur 12 Jahren einen Haushalt zu führen.”
sowie
“Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter lag im Mittelalter viel früher als heute. So werden heute unsere Kinder in allen erdenklichen Lebenslagen davon fern gehalten, sexuelle Informationen, Bilder, Filme oder gar Erfahrungen zu sammeln. Im Mittelalter haben Kinder jedoch schon von Anfang an den realen Sex zwischen Tieren oder Menschen beobachten können. In den Bauernhäusern gab es keine Privatsphäre, so dass Kinder den Eltern beim Sex zuhören oder gar zuschauen konnten. Ein zwölfjähriges Kind war dadurch damals aufgeklärter als heute. Heute kommen unsere Kinder mit sexuellen Themen hauptsächlich durch die Medien in Kontakt. Viel spielt sich dadurch in der Fantasie ab. Im Mittelalter gab es keine Medien, die die Phantasie anheizten. Die Kinder waren schlicht und einfach mit realer Sexualität konfrontiert.”
Gerne würde ich diese durchaus logischen soziologischen Argumente belegt sehen und bitte um sinnvolle Meinungsäußerungen.
Die hier geschilderte (angenommene) Darstellung einer sehr frühen Geschlechtsreife im Mittelalter und die für die heutige Zeit bekannte scheinbar ständige Vorverlagerung des Zeitpunktes der ersten Regelblutung mit einer offensichtlich dazwischen liegenden Phase des deutlich späteren Eintritts von Kindern in die Geschlechtsreife (angegeben für die “Neuzeit”) lässt die Vermutung entstehen, dass es keine lineare Entwicklung dieses Prozesses gegeben hat. Offensichtlich spielen viele Faktoren eine Rolle, wobei die angesprochene Ernährungslage sicher nur einen Teil ausmacht. Nicht unberücksichtigt beliben darf dabei, die sozio-kulturellen Umstände (Religion, Wissen um naturwissenschaftliche Vorgänge, Begriff der Scham usw.) ebenso eine wichtige Rolle spielen.
Nun denn, ich hoffe das Thema wird “fruchtbar” diskutiert und persönliche Mimositäten bleiben zurück.