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Eintrag #1 vom 30. Jan. 2012 10:59 Uhr martina kuhn  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um martina kuhn eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Heilen mit Kräutern

Die sogenannten Kräuterhexen im Mittelalter waren Frauen - oft Hebammen-, die sich gut mit Kräutern und deren Wirkweise auskannten. Ihr althergebrachtes Wissen stammte oft noch aus der Zeit der Kelten und Germanen und hat sich durch mündliche Überlieferung über Jahrhunderte gehalten. In diesen alten Kulturen wie auch schon im Mittelalter war der Glaube an Magie und Zauberei weit verbreitet. Magie an sich war zu dieser Zeit nichts Negatives, wenn sie zum Nutzen der Menschen eingesetzt wurde. Angst hatten die Menschen vor dem Schadenszauber, der auch mit hohen Strafen belegt war.
Kräuterfrauen wendeten sowohl heilkräftige pflanzen als auch Rituale und Beschwörungsformeln an. Sie lebten keineswegs, wie im Märchen oft beschrieben, einsam im Wald, sondern hatten ihren festen Platz in der Dorfgemeinschaft. Trotzdem war vielen Menschen in Gegenwart dieser “weisen Frauen” mulmig zu Mute, denn sie befürchteten, wer Krankheiten vertreiben könne, vermöge diese auch herbeizurufen. Das diese Befürchtungen durchaus nicht unbegründet war, ist heute längst wissenschaftlich untermauert. Bei den meisten Heilmitteln kommt es auf die Dosis an: Zu wenig kann wirkungslos bleiben, zu viel kann schaden bis hin zum Tod.

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Eintrag #2 vom 30. Jan. 2012 11:27 Uhr Timm (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Timm eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Sicher?

Hallo Martina,
heute wünschen sich viele Menschen, die sich im Bereich der Esoterik wohl fühlen, dass es ‘damals’ so gewesen ist (insbesondere der Bezug zu den Kelten und Germanen sowie das Thema Magie).
Hast du etwaige Belege für deine Thesen? Ich kenne keine.
Gruß,
Timm

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Eintrag #3 vom 30. Jan. 2012 11:39 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Kopiert und dann auch noch Blödsinn

Ist ja schön von Seiten wie www.hexes-welt.de/Hexengarten.htm 1:1 runterkopiert (Urheberrecht winkt mal fröhlich), und dann auch noch Käse.
Eigentlich wird das schon offenkundig, wenn sich eine Aussage “im Mittelalter” liesst: über das Ganze kann man nur für sehr wenig eine machen. Das geht dann mit der Verwendung des Wortes “Kräuterhexe” weiter, die Du “im Mittelalter” recht vergeblich wirst suchen dürfen, bis hin zu der Vorstellung von irgendwelchen Frauen, die in er urigen Hüte am Dorfrand lebten, und -ja von was eigentlich; “Kräutertränke herstellen” lebten? Muss ja eine sehr einnehmende Beschäftigung gewesen sein.
De fakto findest Du Beschreibungen zur Wirkungsweise von Pflanzen in zig Handschriften, insbesondere im späten Mittelalter. Sehr geheim war das nicht, und wessen Oma ihm leider nimmer viel auf dem Weg gegeben hat, kann da aus nr Fülle moderner Bücher im Buchhandel schöpfen, die wiederrum alles andere als geheimes Wissen vermitteln, was manche Pflanze als Hausmittelchen so taugt. Was übrigens auch durchaus Einzug in die normale Medizin gefunden hat, auch wenn manches Mittel seine Wirkstoffe nicht aus, wie in der romantischen Vorstellung, mystisch im wabenden Rauch über den Kaminsims eines alten Weibes hängenden Kräutern schöpft, sondern diese chemisch nachgebildet wurden.
Also bitte die Esokeule schön hinterm -meinetwegen auch am Dorfrand stehenden und urig aussehenden- Haus vergraben lassen, und mal lieber mit Fakten arbeiten, als mit Märchenwunschvorstellungen.

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Eintrag #4 vom 30. Jan. 2012 11:38 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht historisches (Diskussions)forum...

Ich habe zu dem Text ein paar Fragen:
Zunächst, was ist die Intention, mit der er hier geschrieben wurde?
Weder enthält er eine Frage noch einen expliziten (sieht man von Widerspruch zu enthaltenen Faktenbehauptungen ab) Diskussionsansatz, gleicht somit eher einem Artikel. Als solcher wurde er auch fast eins zu eins von einer Webseite kopiert.
Desweiteren, wenn man davon ausgeht, daß dies hier ein Forum für historische Themen ist, gibt es außer der zuvor erwähnten Webseite irgendwelche echten Quellen zu den enthaltenen Faktenbehauptungen? Oder den Wunsch, sich kritisch mit diesen auseinander zu setzen?
So wie jetzt hängt der Beitrag kontextlos im Raum, als Informationsquelle kann er mangels Quellen nicht dienen und eine Frage ist nicht ersichtlich.

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Eintrag #5 vom 30. Jan. 2012 11:55 Uhr Andrej Pfeiffer-Perkuhn  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andrej Pfeiffer-Perkuhn eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Skurriles Mittelalterbild.

Solche Ansichten des Mittelalters zeigen im Kern schon ein sehr krudes Verständnis. Die Rahmenbedingungen für ein solch mündlich tradiertes Geheimwissen würde das beliebte Bild der Wissensfeindlichen Kirche und völlige Inkompetenz sämtlicher Gelehrter voraussetzen. Das war aber nicht der Fall. Gerade Klöster waren ein Zentrum der Heil- und Pflanzenkunde. Hildegard von Bingen war keineswegs die große Ausnahme. Auch war die Medizin nicht Planlos, sie hing halt der Idee der Analogie an, eine Sichtwiese die heute nur noch unter Esoterikern eine Rolle spielt. Mit der Säftelehre gab es aber sehr wohl eine umfassende Theorie, die heute ja unter einem asiatischen Deckmäntelchen wiederum die Massen begeistert. Sicherlich war vielen Krankheiten mit diesem Methoden nicht beizukommen, gerade die bekannten Krankheiten und Verletzungen waren für einen damaligen Heilkundigen aber sehr wohl in den Griff zu bekommen. Das beweisen schon geheilte Verletzungen die man an Skeletten nachweisen kann.
Eine mündliche tradierung über Jahrhunderte hinweg ist letztlich Unsinnig. Alle Beispiele solcher Tradierung sind am Ende so grob verzerrt, dass eine sinnerhaltende Weitergabe irgendwann unmöglich wird. Wenn wäre das nur in Form stilistisch entsprechend angelegter Formen wie Lehrgedichten möglich und dann wäre es sehr unwahrscheinlich, dass gar keine schriftlich fixiert wurden.
Ich sehe hier wieder einmal den Wunsch nach einem romantisch verklärten (oder auch romantisch düsteren) Mittelalterbild als Antrieb.

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Eintrag #6 vom 30. Jan. 2012 13:14 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Ein kurzer Ausflug in die mittelalterliche Medizin

Jemanden, der sich 5 Sterne in den theoretischen und praktischen Kenntnissen der mittelalterlichen Medizin ins Profil setzt, hätte vielleicht auffallen können, sollen, etc, dass die mittelalterliche Medizin durch und durch vom christlichen Glauben geprägt ist. Besprechungen gibt es in Form der Merseburger Zaubersprüche, aber die liegen zeitlich sehr früh im Mittelalter.
Unter Karl dem Grossen gab es Geichtsurteile, in denen Menschen verurteilt wurden, die anderen unterstellten, als Hexen zu fliegen und ein ähnliches Urteil gab es erneut im 10. oder 11. Jhdt. Die erste Hexenverbrennung gab es in 1207 im Süden Frankreichs, danach tauchen weitere vereinzelte Fälle auf. Wobei die Anklage zunächst lange Zeit auf Häresie, nicht auf Hexerei lautet, genau wie für Katharer und Templer.
Die Hebammen unterlagen dem Taufzwang und mussten, sofern irgend möglich, bei ungünstig verlaufenden Geburten die Nottaufe durchführen. Das wurde zum Spätmittelalter hin problematisch, da die Frau als grundsätzlich unrein galt und unvorstellbar, dass ein unreines Wesen die Taufe durchführt, die erforderlich ist, die Seele eines Kindes zu retten.
Es ist unmöglich, ohne schriftliche Quellen nachzuvollziehen, wie medizinische Handlungen durchgeführt wurden. Darum kann man über den “ländlichen” Bereich grösstenteils gar nichts sagen. Ansonsten, im städtischen Einzugsbereich gab es Berufsunterteilungen. Hebammen waren oft Frauen, die selbst so viele Geburten erlebt hatten, dass man annahm, sie wüssten aus eigener Erfahrung genug über die Materie.
Wie soll die mittelalterliche Medizin, die praktisch angewendet wird, denn bitte aussehen?
Star stechen? Leistenbrüche mit dem glühenden Eisen wegbrennen (kauterisieren) in der Hoffnung, dass die Hoden nichts abkriegen? Absetzen von Gliedmassen im Bereich des Wundbrands um eine unstillbare Blutung zu verhindern? Die “lobenswerte” Vereiterung von Wunden fördern? Das sind vier Anwendungen in der typischen mittelalterlichen Medizin, die sich nachweisen lassen.
MfG
Nicole

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Eintrag #7 vom 30. Jan. 2012 23:35 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Jahrhundertelange Weitergabe?

Dem wäre nur noch hinzuzufügen, daß die Wahrscheinlichkeit einer unveränderten oder auch nur brauchbaren Weitergabe von “Geheimwissen” über Jahrhunderte gegen Null geht. Als Vergleich schaue man sich nur einmal an, wie ein Familienkochrezept nach 2-3 Generationen Weitergabe aussieht.
Das ist doch nach 40 oder 50 Jahren oft schon völlig verändert. Schönes Beispiel sind Rezepte für Napfkuchen. Sollte man eigentlich nicht denken, aber im Laufe der letzten 100 Jahre hat sich der Zuckeranteil in diesen Rezepten vervielfacht. Allein in den letzten 50 Jahren gab es eine Verdreifachung (!)
Und praktisch niemandem ist das bewußt.

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Eintrag #12 vom 31. Jan. 2012 11:32 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Off-Topic

Dass ihr so’n bisserl Off-Topic werdet, is euch scho klar, oder? ;)

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Eintrag #13 vom 31. Jan. 2012 12:59 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht OT...

Sind wir ehrlich, ein sachliches OT, wie hier geschehen, ist das beste, was aus diesem Thread werden konnte.
Ich würds ja verschieben, aber wohin…
ggf. mach ich nachher einen neuen Thread auf, und schiebs da rein. Fall jemand ad hoc eine gute Einleitung dafür einfällt, kann derjenige auch den Thread aufmachen, ich wär dankbar, ich hab grad nicht so viel Zeit.

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Eintrag #14 vom 31. Jan. 2012 21:09 Uhr Dorothee (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Dorothee eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Wie wärs mit...

…“Living Fantasy”?

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Eintrag #15 vom 01. Feb. 2012 08:16 Uhr Kevin (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Kevin eine Nachricht zu schreiben.

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“Märchenküche”/“-kunde”

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Eintrag #16 vom 07. Feb. 2012 19:22 Uhr Corinna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Corinna eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Die Rolle der Frau in der spätmittelalterlichen Medizin

Hallo zusammen,
ich bin noch ziemlich neu hier im Forum und möchte nicht gleich „rumklugscheißern“, aber da ich mich sehr für das Thema Frauen in der Medizin im späten Mittelalter (besonders spätes 14. Jahrhundert) interessiere, liegt es mir am einfach Herzen, hier auch ein paar Dinge anzumerken. Ich finde es nämlich sehr schade, dass- wie man am Eröffnungseintrag dieses Threads sieht oder wie ich es da zumindest herauslese - anscheinend immer noch einige Leute der Meinung sind, Frauen wären in medizinischer Hinsicht im (späten) Mittelalter höchstens als Kräuterweiblein anzutreffen oder gar mit dem Begriff „Hexe“ zu assoziieren (ganz abgesehen davon, dass meines Wissens nach die ersten Belege für den Begriff „Hexe“ im Deutschen aus dem späten 14. Jahrhundert stammen (Schaffenhausener Frevelbücher) und die tatsächliche Verfolgung von sogenannten Hexen bis auf – wie bereits erwähnt – vereinzelte Fälle eher ins ausgehende Mittelalter des 15. Jahrhunderts und v.a. die Neuzeit fällt) . In Wirklichkeit haben die Frauen auf medizinischem Gebiet damals weit mehr geleistet, als ein paar Kräutertränke zu brauen. In Frankfurt beispielsweise konnten zwischen 1389 und 1497 15 Ärztinnen mit Namen nachgewiesen werden, unter diesen 4 jüdische Ärztinnen und drei Augenärztinnen. Hier sind natürlich keine an einer Universität ausgebildeten Ärztinnen gemeint (obwohl es an der Universität von Salerno zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert immer wieder Frauen, sogar in lehrender Tätigkeit, gegeben haben soll - ist aber wissenschaftlich umstritten; Beispiel: Francisca, Frau des Matthaeus de Romano aus Salerno, soll angeblich an der Uni von Salerno studiert haben, gemäß Urkunde vom 15. September 1321 wurde ihr von Herzog Karl von Kalabrien ausdrücklich erlaubt, als Chirurgin zu praktizieren ), sondern Frauen, die auf anderen Wegen ihr Wissen erlangt haben. Ein weiteres Beispiel in Frankfurt am Main stellt im Jahre 1394 die Tochter des zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbenen Stadtarztes dar. Sie erhielt zweimal Vergütungen des Rates für die Behandlung und Heilung verwundeter Söldner, was ihre Anerkennung als Ärztin untermauert. Ebenfalls in Frankfurt erließ der Rat in den Jahren 1492, 1494, 1496 und 1499 einer beliebten ortsfremden jüdischen Ärztin das von allen auswärtigen Juden geforderte Nachtgeld.
Für Hildesheim ist im 15. Jahrhundert die Tätigkeit einer Ärztin sowie eines Arztehepaares dokumentiert, 1477 erhielt außerdem eine heilkundige Frau Vergütungen für die Versorgung Verwundeter. Ratsrechnungen aus Görlitz belegen das Heranziehen einer gewissen Frau Tauwaldhynne für Gebrechen des Stadtschreibers, was ebenfalls einer Auszeichnung für die heiltätige Frau gleichkommen dürfte. In den Pariser Steuerlisten von 1292 werden acht Frauen aufgeführt, die sich mit der Heilkunst befassen. 1322 wurde Jacqueline Felicie de Alemania von der medizinischen Fakultät in Paris angeklagt, ohne Fakultätsabschluss oder Genehmigung des Universitätsdirektors innerhalb der Stadt und in Vororten von Paris als Ärztin praktiziert zu haben. Ebenso erging es der medizinisch tätigen Jüdin Johanna Belota und der Wundärztin Margaret von Ypres. Es gab also immer wieder Frauen, die als (praktische) Ärztinnen wirkten – und dies sind nur ein paar Beispiele. Auf dem Gebiet der Frauenheilkunde hatten die Frauen ohnehin die absolute Vormachtstellung inne, wobei ab dem 14. Jahrhundert immer häufiger eine Zusammenarbeit von Hebammen und Ärzten anzutreffen ist. Die Tatsache, dass die Hebammen tiefe Einblicke in die „geheimnissvolle“ weibliche Sexualität hatten und in den Augen vieler v.a. Männer damals deshalb auch über geheimes Wissen verfügten und (heiltätige) Frauen spätestens ab dem berühmt-berüchtigten Hexenhammer dann ohnehin als pauschal verdächtig galten, mag sie später verstärkt ins Visier der Inquisition gerückt haben, aber die Wahrheit ist nun mal, dass gerade 0,3 Prozent der Opfer des Hexenwahns Hebammen waren. Man sollte also die Begriffe „Hexe“ und „Heilkundige“ tunlichst nicht in einen Topf werfen, das eine hat mit dem anderen nicht zwangsläufig was zu tun.
VG Corinna

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Eintrag #17 vom 07. Feb. 2012 22:46 Uhr Andrej Pfeiffer-Perkuhn  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andrej Pfeiffer-Perkuhn eine Nachricht zu schreiben.

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Wenn du das unter “klugscheißern” verstehst sei herzlich willkommen. Lange keinen so guten Beitrag mehr gelesen.
Da Frankfurt im Spätmittelalter mein Fokus ist, hast du zufällig die eine oder andere Quelle für deine Ausführungen zur Hand? Nicht weil ich das bezweifle, sondern weil sich das Thema vielleicht für ne Hausarbeit eignet.
Schöne Grüße
Andrej

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Eintrag #18 vom 07. Feb. 2012 23:46 Uhr Corinna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Corinna eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Brauchbare Sekundärliteratur

Hallo Andrej,
danke für die Blumen :-). Jetzt kommt halt nochmals ein Großeintrag…
Speziell die Aussagen bzgl. Frankfurt sind nachzulesen/nachzuvollziehen in:
- Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter, München 1984, S. 180 bzw. K. Bücher, Die Frauenfrage im Mittelalter, Tübingen 1910, Zitat im Text S.21ff Dsb., Die Bevölkerung von Frankfurt a.M. im 14. und 15. Jahrhundert. Tübingen 1886. Dsb., Die soziale Gliederung der Frankfurter Bevölkerung im Mittelalter, in: Ber. d. Freien deutschen Hochstifts, N.F. 3, 1887
- Duby, Georges; Perrot, Michelle: Geschichte der Frauen. Mittelalter. (Geschichte der Frauen Bd. 2), herausgegeben von Klapisch-Zuber, Christiane. Frankfurt am Main 1993, S. 317
- Uitz, Erika: Die Frau im Mittelalter, Wien 2003, S. 69
In den Literaturverzeichnissen dieser Bücher finden sich natürlich auch entsprechende Primärquellen, die hab ich aber nicht mehr genau im Kopf und die Bücher hab ich grad nicht hier.
Weitere (in meinen Augen) interessante und überwiegend recht gut recherchierte Bücher bzgl. diesen Themas (allerdings nicht unbedingt speziell für den Raum Frankfurt), die sich in Kombination mit Primärquellen evtl. auch gut für eine fundierte Hausarbeit eignen würden. wären vielleicht:
Bourdillon, Hillary: Women as healers: A history of women and medicine.
New York 1988; Harksen, Sibylle: Die Frau im Mittelalter. Leipzig 1974; Klimpel, Volker: Frauen der Medizin. Historisch-Biographisches Lexikon von den Anfängen bis zum zwanzigsten Jahrhundert. Hürtgenwald 2001; Kuhn, Annette; Rüsen, Jörn: Frauen in der Geschichte II. Fachwissenschaftliche Beiträge zur Sozialgeschichte der Frauen vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Düsseldorf 1983; Lewenhak, Sheila: Frauenarbeit. Ihre soziale Stellung von der Steinzeit bis heute. Übersetzt von Rhiel, Wolfgang. München 1981; Power, Eileen: Als Adam grub und Eva spann, wo war da der Edelmann? Das Leben der Frau im Mittelalter. Übersetzt von Tümmler, Angelika; van Meerendonk, Dirk. Berlin 1984; Sieck, Annerose und Jörg-Rüdiger: Heilerinnen im Mittelalter. Das verlorene Wissen der Frauen. Wien 2008; Wolf-Graaf, Anke: Die verborgene Geschichte der Frauenarbeit. Eine Bildchronik. München 1983.
Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass sich in der medizinischen Fakultät der Frankfurter Uni, genauer im Senckenbergischen Institut für Geschichte und Ethik der Medizin und in Städtischen Archiven noch einiges an Info versteckt – aber das glaub ich brauch ich Dir nicht wirklich sagen. Aus eigener Erfahrung muss ich Dich jedoch unbedingt noch warnen: Bei einer Arbeit zu diesem Thema wird man permanent zu weitreichenden Ausschweifungen verführt… ;-)
VG Corinna

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