Das stimmt eigendlich nicht so. Ich bin der Meinung, daß politisch und kulurell gesehen das 19.jahrhundert mit der deutschen Kapitulation 1918 endete. Bis zu diesem Zeitpunkt war man noch vollkommen in den Traditionen des alten Kaiserreiches verhaftet.
Das mit dem Alkohol bei den Reiterattacken ist nicht erst im 1.Wk eingeführt worden. Auch schon aus dem frühen Mittelalter gibt es Berichte, wo man den Kämpfenden Wein gereicht hat. Meist bestanden diese Weinrationen aus kontrollierten Dosen um die Hemmschwelle der Schlachtteilnehmer zu senken. Auch der Mittelalterlichen Wikinger, Ritter und Söldner waren in erster Linie Menschen und keine Kampfmaschinen. Wenn man jedoch zuviel Alkohol zugelassen hat, so konnte dies zu fatalen Folgen führen, bis zum negativen Ausgang einer Schlacht.
Termine gibt es auch in der Zeit um 1900 genügen. Z.B. ist da zu nennen der Geburtstag den Kaisers Wilhelm II. An diesem Tag findet Jährlich eine Parade in Potsdam statt. Dann ist der Verein für Hist. Uniformen dieses Jahr eingeladen worden von den Stadtgarden aus Stuttgart. Diese Parade findet am 24.03.2002 in Stuttgart statt. Im September findet eine Jubiläumsveranstalltung der Bayr. Chevauleger Regimentes König in München statt. Am 07.07.2002 wird die Schalcht bei Königgräts nachgestellt und ende September findet der Kaiserball in dem Kaisersaal Erfurt statt. Man sieht also, auch in dieser Zeit gibt es reichlich Veranstalltungen. Ach so, im Mai wird die älteste deutsche Pferderennbahn in Boxberg bei Gotha eröffnet. Auch zu diesem Anlass werden die Kaiserlichen aufmaschieren.
Götz Finger, Soldat des 95.preus. Infaterieregimentes, Sachsen-Gotha
Habe das Tagebuch von Richthofen gelesen. Das gewährt schon interessante Einblicke in das, was man damals unter ritterlich verstand.
Der Großvater eines guten Freundes von mir, erzählte ihm noch oft und detailliert von seiner Reiterattacke im WK I gegen Maschinengewehrstellung. Das Regiment bekam vorher bis zum Abwinken und darüber hinaus Alkohol gegen die Angst. Die Stellung wurde dann tatsächlich unter riesigen Verlusten eingenommen.
Aber ich glaube, wir schweifen langsam vom Thema (19. Jh.) ab.
Bewirkt die Spitze auf der Pickelhaube wirklich ein Abgleiten? Fängt sie einen sonst evtl. fehlgegangenen Hieb nicht eher auf? Außerdem setzt da oben dann beim Auftreffen von den Kräften her doch ein riesiger Hebelarm an.
…wie Udo schon schreibt wurde die Pickelhaube im I.WK ein Opfer der sich ändernden Kriegsführung. War diese “Lederhaube” Anfangs nur dazu gedacht vor einem Säbelhieb zu schützen wurde sie zu der Zeit des Stellungskrieges mit dem oft tagelang andauernden Trommelfeuer gänzlich nutzlos.
Wie Götz schreibt sah sich die Reiterei des 19.Jhdt. in der Tradition der mittelalterlichen Ritter, dies läst sich auch im I.WK sehr gut am Beispiel der Fliegertruppe beobachten. War der Kampf am Boden auch gnadenlos und menschenverachtend so versuchte man sich in der Luft einen gewissen Grad an Ritterlichkeit zu bewahren.
Erwähnenswert sei zum Beispiel die Geschichte des Roten Barons, Rittmeister Manfred von Richthofen (er kam ursprünglich von der Reiterei), der auf einen Abschuß verzichtete da das MG seines Gegners eine Ladehemmung hatte und sein Gegner somit wehrlos war.
Manche Piloten warfen nach einem Sieg auch einen kleinen Kranz als Ehrerbietung vor dem gefallenen Gegner über der Absturzstelle ab. Aber je länger der Krieg dauerte desto seltener wurden diese “Gesten” und am Ende zählte nur noch der Abschuß
Die Pickelhaube ist ursprünglich (wie die wenigsten wissen) keine preußische Erfindung sondern stammt aus Rußland.
König Friedrich-Wilhelm IV. war ein Cousin und enger Freund des damaligen russischen Zaren. Bei einem Besuch in St. Petersburg sah der König diese Helmform zum erstenmal, fand Gefallen daran fand und beschloss, ihn bei seiner Armee einzuführen, die bis hahin noch den zylindrischen Tschako trug, wie man ihn aus der napoleonischen Epoche kennt.
Der Pickel, bzw. die Spitze hat insofern einen Sinn als bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Kavallerie und mit Ihr die Säbel, Degen und Pallasche im Kampf eine wichtige Rolle spielten. Die Spitze diente schlicht und ergreifend dazu, Hiebe abgleiten zu lassen, genauso wie das heruntergezogene Nackenstück vor Hieben schützen sollte!
Bei Paraden wurde auf den Pickel mittels Bayonettverschluss ein Roßhaarbusch aufgepflanzt, der von Regiment zu Regiment, aber auch von Kompanie zu Kompanie von unterschiedlicher Farbe war.
Ab ca. 1916 wurde die Pickelhaube vom Stahlhelm abgelöst, da man durch den Grabenkrieg zu der Erkenntnis kam, das der alte Helm nicht genügend vor Splittereinwirkung im Nackenbereich schützte und der Pickel eher hinderlich denn von Vorteil war.
Aus dem Stahlhelm neueren Stils entwickelte sich der für das deutsche Heer charakteristische Stahlhelm, der erst 1956 vom Modell amerikanischen Typs abgelöst wurde, aber von Polizei, BGS und Feuerwehr heute noch verwendet wird.
Kurios ist es, wenn man bedenkt, das die Amerikaner Mitte der 80er Jahre begannen, ihre Soldaten mit einem Helm auszurüsten der frappante ßhnlichkeit mit dem alten deutschen Stahlhelm hat!
Auch die Bundeswehr trägt heute neue Gefechtshelme, die dem alten Helm ebenfalls ähneln.
Diese Epoche hat mich neben dem HMA schon immer am meisten interessiert. Schon deswegen freue ich mich über diesen threat. Wenn ich in Sachen HMA mal alles beisammen habe (nur ein Witz), würde ich in der Epoche auch gerne einsteigen.
M.W. nach verschwand die Pickelhaube im WK I. ja aus den Schützengräben und wurde gegen eine moderne Helmform ersetzt (die auffallend Schaller gleicht, wo wir wieder beim MA wären). Aber wo liegt eigentlich der Ursprung dieser merkwürdigen Pickelhaube? Wozu die Spitze? Einen waffentechnischen Sinn macht sie doch nicht, oder?
Noch eine Frage: Was gibt es für diese Epoche denn so an Veranstaltungen, die man mal besuchen könnte. Vielleicht auch was um Berlin rum?
zackige Grüße
Joachim, der sich schon mal einen zeitgemäßen Backenbart stehen läßt (bis zur nächsten HMA-Veranstaltung)
Zum ersten, was hat sich Ende des 19. Jahrhunderts geändert. Zum einen wird im “Deutschen Kaiserreich” ab dem Jahr 1880 die Pickelhaube von den Deutschen Kleinstaaten übernommen. Die Bayern kommen etwas später, nämlich erst ab dem Zeitraum um 1890. Das ist eigendlich Uniformmäßig die wichtigste neuerung, dass bis auf die jeweiligen Farben der Uniformen, der Schnitt und die Attribute ziemlich vereinheitlicht wurden. Unterschiede blieben zudem bei dem Koppelschloß und den Verzierungen der Pickelhaube. Eine für Bayern entscheidende ßnderung ist die Einführung der “Schweren Reiterregimenter”. Diese lösten ab dem Jahr 1890 die bayerischen Kürassiere ab. Damit verschwand in Bayern auch der Brustpanzer od. Kürass. Um 1900 wurde auch von den bayerischen Generälen verlangt, den bisher getragenen Zweispitz gegen eine Pickelhaube einzutauschen. Die Pickelhaube durften die Generäle nur nicht bei den Paraden vor seiner königlichen Hoheit Prinzregent Luitpold tragen, da er diesen Helm als Zeichen der preussischen Unterdrückung verabscheute.
Was hat diese Zeit mit dem Mittelalter zu tun. Nun sehr viel. Denn gerade die Kavalerie sah sich als Nachfahre des Ritters. Insbsondere die Kürassiere und die “Schweren Reiter” in Bayern sahen sich in dieser Tradition. Auch dienten in diesen Regimentern auch viele Adelige und der Pallasch war ein Nachkomme des Schwertes. Zudem standen die ritterlichen Ideale, wie Treue, Ehre und der Dienst an den Frauen bei den Offizieren hoch im Kurs und der Zweikampf wurde durch das Duell mit den einschüssigen Duellpistolen und dem Säbel Bzw. Degen weitergeführt. Man sieht also, daß gerade diese zeit noch sehr viel Verbindung zum Mittelalter hatte. Und diese Verbindung wurde noch von höchster Stelle mit unterstützt, wie man an der Restaurierung der Hohkönigsburg (Elsaß um 1901) und dem Schloß Neuschwanstein sieht.
Ich hoffe, ich konnte die Fragen einigermaßen Beantworten. ßbrigens die feldgrauen Uniformen wurden im Kaiserreich erst 1914 eingeführt. Bei Paraden hatten die Gardeinfanteristen immer noch die farbigen Uniformen an.
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Veränderung der Uniformen im Zuge der Modernisierung der Wehrtechnik
Wie sieht es denn mit der Veränderung der Uniformen Ende 19. Anfang 20. Jhdt. aus? Bis dato war die Uniformierung ja noch sehr “farbenfroh”. Ist diese Veränderung auch im Zusammenhang mit der Erneuerung bzw. Erweiterung der Waffentechnik zu sehen die damals stattfand? Oder gibt es dafür auch andere Gründe?
Interessant fände ich es zum Beispiel, in welchen Bereichen sich Uniformen (und das Drumherum) des angesprochenen Zeitalters von mittelalterlichen Traditionen und Vorbildern leiten lassen. Hier lässt sich doch ein “Zeitstrahl” erweitern, der den - zumindest meinen - geschichtlichen Horizont vergrössern würde.
Hilfreich für die Arbeit mit interessiertem Publikum ist es m.E. oft, am Beispiel aufzuzeigen, das das MA keine untergegangene Epoche ist, sondern in Traditionen der Neuzeit und Moderne fortlebt.
Tempus-Vivit ist in einer Veränderungs-Phase. Vom Mittelalter-Forum zum Geschichts-Forum. Das noch nicht alle Texte geändert sind kommt dann schon mal vor.
Und kommt bitte zum Thema: Uniformen im ausgehenden 19. Jhd.
Ich wollte mit meinem Eintrag nur auf den Schwerpunkt dieser SEiten, der nunmal im Hoch- und Spätmittelalter liegt, hinweisen.
Und dieser Thread ist seit langem der erste, in dem es um eine andere Zeit geht. Ich hab aber kein Problem damit, dass sich hier auch Leuts aus absolut “unmittelalterlichen Epochen” tummeln. Schliesslich ist es doch auch historisches Interesse was dahintersteckt, da sind wir uns nicht soo unähnlich, oder?
Mit besten wünschen au fruchtbaren Austausch (der Meinungen)
Vielleicht steht es nicht in Leuchtbuchstaben aber dieses Zitat von er Homepage zeigt doch deutlich wo hier der Schwerpunkt liegt.
“Und wer immer etwas mit dem Mittelalter zu tun hat und sich oder seine Mittelalter-Gruppierung vorstellen möchte, ist herzlich eingeladen. Nähere Informationen für Privatleute und Profis gibt es ebenfalls unter”
Auch bei genauerer Betrachtung dr Seiten von Tempus vivit erkennt man das es hier um Mittelalterdarstellung geht - nicht um Larp und nicht um 19. Jh.
DAs ist nicht abwertent gemeint, nur hier findest du keine Leute die dein Interesse teilen.
Wieso,es ist mir schon klar,daß das MA früher endet. Aber ist dies denn keine Seite für die Interessenten hist. Darstellungen egal welcher Zeit? Ich denke schon. Es gibt auch eine gewisse Anzahl an Leuten die sich für die Zeit um 1900 interessieren, auch wenn dieser Kreis noch recht klein ist.
Es gibt hier einige Vorteile, z.B. daß es noch nicht allzu viele Besserwisser gibt und das man auf vollautentische Uniformen, Waffen usw. zurückgreifen kann. Denn speziell die Waffen sind alles Originale, die nicht viel teurer kommen als nachgemachte MA-Waffen.