und mehr als fragwürdig in der Darbietung eines lustigen Schwanks sind sowohl der Spießrutenlauf als auch das “Recht der langen Spieße”, der Landsknechte, um das es hier geht (auch wenn die Wurzeln des Spießrutenlaufs allgemein angenommen werden.).
Wenn ein Landsknecht “durch die Spieße ging” so war jeder der an der Gasse Angetretenen dazu verpflichtet, nach ihm zu stechen, was wohl die Frage der Überlebenswahrscheinlichkeit wohl drastisch vor Augen führt.
Im Übrigen wurde der Gang durch die Spieße auch als ehrenhafter Tod (so zynisch das für uns klingen mag)gesehen. Verhängt wurde er offenbar v.a. bei schweren Verbrechen gegen die Gemeinschaft, offenbar zumindest in der Blütezeit der Landsknechte meist durch ein Gericht mit Geschworenen, Fürsprecher und Ankläger und kompl. Abstimmungsverfahren verhängt. Das nur als kurze Abgrenzung zum bereits umrissenen späteren “Spießrutenlauf”
Ansonsten: Sucht euch doch einen guten Schwank von Hans Sachs, das wäre “the real stuff” aus der Zeit.
Der Spießruten- oer Gassenlauf stammt tatsächlich aus der Zeit der Landsknechtshaufen und war dort als Strafe für schwere Straftaten, welche die Ehre der Truppe verletzten.
Das “besudeln” der eigenen Truppenfahne galt auch damals schon, wie heute auch noch, als schwere, unehrenhafte Straftat.
Ob dabei aber “nur” der Spiessrutenlauf angewandt wurde, möchte ich bezweifeln.
Wenn er die eigene Truppenfahe derart entehrt und in diesem hohen Maße die gesamte Kompagnie, so glaube ich eher an den Strang.
Im 18. Jh. war das Gassenlaufen dann allgemeine Bestrafung für Vergehen innerhalb der Armeen (Kompagnien, Regimenter etc.). Dies wurde zumindest schon für kleine Vergehen angedroht.
Beispiele aus der Zeit F.II
Besoffen zur Wache erscheinen.
Besoffen zur Revue erscheinen.
Sich auf der Wache besaufen.
Deserteure durchs Tor oder über die Mauer entkommen lassen, während man Wache hat.
Als Gemeiner durch die Fenster einen Maskenball oder Tanzabend beobachten.
Die eigene Montierung nicht in Ordnung halten.
Unsauber oder mit schlecht gemachten Haaren und Locken erscheinen.
Dies waren Drohungen, welche in den Parolebüchern des IR 23 um 1750-54 und 1780-83 überliefert sind.
Ich bin wieder einmal Sprachlos, wie du eine ahistorische Aussage aufnimmst in dein Weltbild einpasst und dann im Brustton der Überzeugung kommentierst.
Das du dir deine eigene Welt machst ist dem aufmerksamen Leser ja schon länger kla, die Mechanismen dahinter erstaunen mich aber immer wieder.
Man sollte sich für eine derartige Aufführung vielleicht eher mal mit den tatsächlich gängigen Strafen der Zeit beschäftigen. Aber vermutlich ist es am wichtigsten ein wenig derbe Gewalt oder Folter zu zeigen, sowas zieht ja immer.
Es ist keine Todesstrafe, nur eine Strafe die etliche nach den Quellen im Netz nicht überlebt haben. Wobei es hier sicher jemanden gibt, der weiß, ob es diese Strafe in der Region bei den möglichen Einheiten zu der Zeit überhaupt gegeben hat.
Vielleicht kannst du ihm ja einen Tipp geben wo du deine Inforamtionen herholst. Ist deine Deutung des “durch die Gassenlaufens” als Todesstrafe wieder eine Perle aus deinem unerschöpflichen Quell der Weisheit oder tradiertes Wissen deiner Familie?
@Thomas: Ja, frühes 16. jahrhundert passt, der Simplicissimus spielt aber im mittlere 17.
Wenn es Landsknechte des 16. Jahrhunderts geht findet man an sich einiges an guten Quellen angefangen bei Lebenserinnerungen wie der von Paul Dolstein bis zu Sekundärliteratur wie dem Osprey-Band “Landsknecht Soldier”.
Wenn ich mir ansehe wie völlig unhistorisch alles auf den Bildern auf der verlinkten Homepage aussieht wäre alles was auch nur vage historisch daherkommt eine Verbesserung.
Nun denn, Du sollst also einen “Reisigen” des Ottoheinrich darstellen.Und dieser “Reisige” soll in eurer Geschichte quasi zum Tode verurteilt werden. Denn das bedeutete oft das durch die Gasse laufen. (Tot)geprügelt werden von den eigenen Kameraden. Vielleicht sollte die ganze Theatertruppe sich doch mal näher mit Geschichte befassen? Solche Darstellungen auf Stadtfesten von “historischen Personen” sind eigentlich immer nur peinlich.
“Beim Neuburger Schloßfest wird die Zeit des wohl bedeutendsten Neuburger Fürsten, nämlich Pfalzgraf Ottheinrich, nachgespielt. Ottheinrich war der erste Herzog des Fürstentums ”Junge Pfalz“ oder auch ”Pfalz Neuburg“ genannt und lebte von 1502 bis 1559. In Neuburg herrschte er von 1521 bis 1556. Ottheinrich war ein typischer Renaissancefürst: prachtliebend, belesen und sinnesfroh.”
Zeit hat der Gute nicht angegeben, und ja, bei Grimmelshausen handelt es sich um “Soldaten” oder “Söldner”. Das Landsknechte kaiserliche Truppen waren, die es so eigentlich nur rund 100 Jahre gab, gehört nun aber nicht zwingend zur Allgemeinbildung. Oft wird daher “Landsknecht” als Synonym für “Söldner” gebraucht.
Stimmt, ist ja nur sportliche hundert Jahre an der angegeben Zeit vorbei. Was erwartest du denn wenn du das Hobby der Leute hier dermaßen abwertest indem du aus einer historischen Darstellung eine Farce machen willst?
Hättest du nicht gleich mit ganz üblen Scherznamen losgelegt und damit klar gemacht das es dir in keinem Fall um eine fundierte Namenssuche geht hätte man dir sicher einiges an Literatur nennen können. Es gibt zum Beispiel auch Reiseberichte und Lebenserinnerungen aus dem frühen 16. Jahrhundert. Nur ist es offensichtlich das wirkliche Namen der Zeit gar nicht gefragt waren.
Es ist dir vielleicht nicht bewusst, aber Du bist in einem Forum, das sich ernsthaft mit Nachstellung der Geschichte beschäftigt, gelandet. Nun geht keiner von uns zum Lachen in den Keller, aber ich jedenfalls, und dem Anschein nach auch ein paar andere, finde solchen Schenkelklopfhumor nicht so rasend witzig. Zumal es mal wieder nur Klischees pflegt und unsere Vorfahren dazu verdammt, nur als Basis für solchen herzuhalten.
Ich werde jetzt nicht dazu aufrufen, euch doch mal mit dem, was ihr da so sorglos veräppelt, auseinanderzusetzen, das liegt vermutlich kaum in eurem Interesse. Aber mein Bedauern über diesen Umstand muss ich einfach äussern. Ich finde, um über etwas lachen zu dürfen, sollte man es zumindestens grob kennen.
“Leider soll nun die Geschichte ein wenig verändert werden und auch das Personal quasi ”aufgefrischt“ werden. Ich soll der neue ”Hundspiss“ sein”…na dann gratuliere ich Dir zu Deiner neuen Aufgabe, nur wäre es vielleicht besser gewesen, das ganze dahingehend zu ändern, es sein zu lassen. Wie kann man sich für so einen Käse, der es nach Deiner Beschreibung sein muß, hergeben? Andererseits, wer so dickfellig ist, und sowas in ein Forum für Geschichte… (merkst Du es , da fehlt ein “n”) postet, der bringt sicherlich die erforderlichen Eigenschaften mit.
Namen würden mir mehrere einfallen, aber die wäre entweder historisch (dh. nicht verwendbar) oder beleidigend, also am besten irgendwas mit Troll.
Seit gut 10 Jahren mache ich in einem Mundart-Theaterverein mit, der alle 2 Jahre ihre Bühnentrachten und Kostüme gegen Landsknechtskostüme (am Neuburger Schlossfest) tauscht. Hier ist es unsere Aufgabe die 2 stündlich stattfindenden Reiterspiele zu “stören”. Es sollte unser “Hundspiss von Geilingen”, der “die Fahn hat besoffen von der Stang gerissen”, mit dem Lauf durch die Gasse bestraft werden.
Leider soll nun die Geschichte ein wenig verändert werden und auch das Personal quasi “aufgefrischt” werden. Ich soll der neue “Hundspiss” sein…
Jetzt brauche ich natürlich einen neuen Namen! Wir hatten in einer unserer letzten Sitzungen schon ein paar Ideen: