Bei den Londoner Ausgrabungsfunden (Textiles and Clothing, C.1150-C.1450) gibt es einen intessanten Gürtel, der lauter kleine (max. 5mm), kleeblattförmige Ausstanzungen aufweist.
Kennt jemand eine Quelle, woher man so ein Werkzeug beziehen kann bzw. wer sowas macht?
Freie Punzierarbeiten sind kein Thema. Da habe ich schon so meine Erfahrung gesammelt.
Mir geht es tatsächlich um Punzen, Prägestempel, oder wie man die auch immer nennen mag.
Messerscheiden und Gürtel in der motivpunzierten Weise finden sich nun mal im späten HMA und SMA recht häufig (heraldisch, Fluer de Lis, Kreuze, Blätter, Quatrefoil, Cinquefoil usw.). Die Motivgrößen gehen dabei von wenigen Millimetern bis etwa 15mm.
Oft finden sich auch Kombinationen von Stempeln und gravierten zoomorphen, linearen und Rankenornamenten.
Mir geht es dabei auch nicht um meinen persönlichen Geschmack, sondern eher um Stücke mit Replik Charakter.
Und um genau diese Stempel -von damals- geht es mir bei meiner Suche.
Woraus waren sie? Wie sahen sie aus? So wie heute ganz aus Stahl? Aufgesetztes Metall auf Holz? Ganz aus Holz? Ganz anders?
das sind fertige motive die mit hohem druck in feuchtes leder geprägt werden.
je größer das motiv, desto höher muss der druck sein. bei einer punze von ca 3cm durchmesser brauchst du schon soviel druck das du es mit haushaltsgeräten kaum noch hinbekommen wirst. evtl. mit einem wagenheber.
aber das hat dann mit spätmittelalter nichts mehr zu tun.
(naja… sehr spätes mittelalter)
aber falls du solches gerät hast,kannst du als punze natürlich nur dinge verwenden die solchem druck standhalten. da kommen also nur stein und metalle in frage, und nicht mal alle von denen.
die bessere variante um große komplexe bilder zu schaffen ist das richitge punzieren.
dazu musst du dir als erstes eine vorlage zeichnen. fang am besten mit einfachen motiven mit klaren linien an.
dann feuchtest du dein leder an so dass die oberseite schön weich wird. pass gut auf, das leder ist jetzt sehr empfindlich und jede macke die du jetzt reindrückst, mit dem fingenagel oder so bleibt!
du legst deine zeichnung auf die stelle wo du das muster haben willst und ziehst die linien mit einem griffel nach. so dass sich das muster leicht eingedrückt auf dem leder befindet.
jetzt lässt du das leder wieder trocknen und dann schneidest du die linien mit einem scharfen messer nach. es gibt dafür auch ein spezielles kurvenmesser, damit kommt man gut in die kleinsten ecken und kann auch nicht zu tief schneiden. aber wenn du es nur einmal ausprobieren willst ist das zu teuer.
sei einfach vorsichtig und versuch überall gleich tief zu schneiden.
die schnitte sorgen dafür das das motiv hinterher schöne klare kanten hat.
jetzt feuchtest du das leder wieder an. und zwar die stelle an der du arbeiten willst. das ist sicherer als das ganze leder nass und somit überall empfindlich zu machen.
und nun bearbeitetst du die einzelnen flächen fein säuberlich mit punzen. meine erste war der kopf eines kleinen nagels. nicht sehr schön, aber fürs ausprobieren hats gereicht. sei da einfach kreativ und nimm dir was du findest. oder kauf dir ein starter set punziereisen.
das wichtigste ist das du sauber arbeitest. man sieht hinterher die kleinste schlamperei.
mit dieser technik, viel kreativität und wenigen “universalpunzen” also eine glatte zum plattieren, und zwei verschieden mit muster, kannst unendlich viele kreationen schaffen.
wichtig ist das die punzen auch klein genug sind um in die feinsten ecken zu kommen, sonst wirkt die arbeit hinterher unsauber.
sei nicht entmutigt wenn es am anfang nicht gleich klappt. du musst ein händchen dafür entwickeln mit wieviel druck du schlagen musst und wie feucht das leder sein muss.
profis nehmen einen rohauthammer aber für den anfang wird es auch ein holzhammer tun.
und selbst gezeichete und gearbeitet ledersachen sehen allemal schöner aus als 20 mal den gleichen stempel auf dem gürtel zu haben.
ach ja, du musst natürluch punzierbares leder haben! also blankleder. frag beim lederhändler einfach nach punzierbarem leder, denn da gibt das auch wieder 1000 verschiedene sorten.
Hihi, Tino und ich sind ja selber Mitglied der “Vruntlike Tohopesate”, deshalb habe ich das hier in Kurzform gebracht und mir gedacht, dass er dann schon weiß…
nachdem ich nun ausgiebig die Einträge zum Thema Lederbe- und verarbeitung und die unzählingen Links zu diversen Webshops mit modernen Punzen mit Westernmotiven (Ausnahme eine recht hübsche Fleur de lis) gesichtet habe, bin ich nun leider immer noch nicht schlauer.
Die Verwendung von Motivpunzen auf Messerscheiden und Gürteln scheint ja neben frei gestalteten Motiven sehr verbreitet gewesen zu sein, wie zahlreiche Funde belegen.
Gibt es irgendwelche Hinweise (Funde, Erwähnung in Texten, Abbildungen), wie diese Punzen ausgesehen haben?
Als mögliche Varianten könnte ich mir Vollmetall (Stahl, Bronze), Hartholz (Buche habe ich mal getestet- hält nur begrenzt), Holz mit Metallein- oder Aufsatz (Bronze, Zinn, letzteres dürfte bei entsprechender Reinheit auch hart genug sein) vorstellen.
Wer sachdienliche Hinweise zu diesem Thema hat, kann sich meines Dankes sicher sein.
Hallo, wenn mir bestimmte Punzeisen fehlen, bzw. in der Größe/Motiv nicht erhältlich, benutze ich einen Kugelschreiber mit leerer Miene und die entsprechende Vorlage (Kopie oder Schablone).
Leder anfeuchten, Vorlage auflegen, nachfahren, Vorlage wegnehmen und den besagten leeren Kugelschreiber, nach nochmaligem anfeuchten des Leders, mit kräftigem Druck durchgeprägtes Motiv nachfahren….dauerhaft geprägtes Motiv!
Unabhängig von der Motivgröße!! Auch Texte zB. in eigener Handschrift lassen sich so dauerhaft abbilden.
Lederpunzen waren und sind aus Stahl oder Hartholz.
Das verfärbt nix, wenn es POLIERT ist.
Lederhandwerker machen schon ewig, ebenso wie Goldschmiede, ihre Punzen selbst! Das es inzwischen fertige Punzen im “Westerndesign” zu kaufen gibt, hilft uns nicht weiter und ist eine durch und durch moderne Sache (CNC Frästechnikk, Nachfrage bestimmt Angebot).
Für Leder braucht man Stahlpunzen nichtmal zu härten! (Ist aber trotzdem eine gute Idee)
U-Stahl feilen gehört nicht zuletzt deshalb in der Berufschule auch zum Erlernen des Lederhandwerks (wie zu fast allen “alten” Handwerken. Wisu denn blus?).
Hmmm…wennn auch hier niemand Bezugsquellen zu kennen scheint - kennt jemand Funde (von Punzen, nicht von punzierten Stücken)?
Beschreibungen würden mir auch schon weiterhelfen.
Und ich wüsste gerne, ob jemand weiß, aus welchem Material diese waren, denn schließlich müsste das Metall ja so bearbeitet worden sein, dass das Eisen das Leder nicht verfärbt. Oder reicht es vll. aus, den Stempel vor jedem Punzeneindruck dick einzufetten?
weiß jemand hier, wo ich mittelalterliche Lederpunzen her bekommen kann?
Alles, was ich nur immer finde, sind Westernpunzen.
Ich will aber keine Adler und Bären, ich will einfache geometrische Punzen und, wenn sie ein ausgefalleneres Muster haben, dann sollte das konkav sein und nicht, wie bei den Westernpunzen üblich, konvex.