Nachdem der Faden nun schon Geburtstag hatte kann ich es mir nach meiner heutigen Lektüre doch nicht verkneifen ihn doch noch einmal kurz Leben einzuhauchen.
Hoffentlich stört sich keiner dran und es stößt vielleicht sogar bei machem auf Intresse.
Also unlängst (genauer heute in der Straßenbahn)las ich folgen Bericht des “Slawencronisten” Helmold von Bosau über einen heiligen Hain in der Nähe von Lubek (in meinen Augen könnte man aus dem Angaben im Text davon ausgehen das es sich um einen Haupttempel der Obodriten handeln könnte)
“Da geschah es, daß wir auf dem Zuge in einen Wald kamen, den einzigen in jenem Lande, das sich ganz eben hinstreckt. Dort sahen wir zwischen sehr alten Bäumen heilige Eichen, die dem Landesgott Prove geweiht waren; ein freier Hofraum umgab sie und ein sorgfälltig von Holz gefügter Zaun mit zwei Pforten. Denn neben den Hausgöttern und Ortsgötzen, von denen die einzelnen Ortschaften voll sind, bildet dieser Ort ein Heiligtum des ganzen Landes, für das ein eigener Prister, Festlichkeiten und verschiedene Opferhandlungen bestimmt waren. Dort pflegte jeden Dienstag die Landesgemeinde mit Fürst und Prister zum Gericht zusammenzukommen. Der Eintritt in den Hofraum war allen verboten außer dem Priester und dennen, die opfern wollten oder von Todesgefahr bedrängt wurde; denn diesen blieb die Zuflucht niemals verwehrt.”
Dieser Ausschnit ist entnommen aus “ausgewählte schriften zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Band 19, Rütten und Löning Berlin 1963”
In jedem fall schau dir mal die befunde der Grabungen von groß raden udn Arkona an … dort glaubt man jeweils den haupttempel lokalisiert zu haben …
Groß raden selbst stellt den haupttempelort der Elbslawen vom Stamm der Warnower dar udn Arkona löst Rethra(nicht lokalisiert) nach dessen Untergang als Hauptheiligtum aller Westslawen ab … so sagt zumindest die Literatur …
Wie kann man sich eine normale slawische Kultstätte vorstellen? So wie z.B. bei den Germanen ein Rundheiligtum mit Holzidol, Opferstein/altar und mit Zaun umgeben.
Hallo Marc, da wirst Du um eine umfangreiche und vor allem kritische Literaturrecherche nicht herumkommen - denn ob Dir diese Frage jemand genau beantworten kann, bezweifle ich doch sehr…. und auch, ob es für diese sehr konkrete Frage letztendlich eine Antwort gibt.
Vielleicht kannst Du nochmals in der Quelle/Literatur nachschlagen bzw. denjenigen fragen, der Dir die Auskunft (Zitat) “Sie gehörten ja zu den Elbslawen und diese Vererhrten Ihre Gottheiten wiederum in Tempeln, im Gegensatz zu anderen slawischen Stämmen.” gegeben hat (Ich weiß das oder auch: Ich hab da gehört…. zählt nicht als Quelle!!). Vielleicht bezieht sich diese Aussage auch auf den Tempel von Groß Raden - waren das dort auch Elbslawen?
Schau mal, was aus der Lommatzscher Gegend an slawischen Sachen gefunden wurde, Tempel, welche die obige Aussage konkret belegen, waren meines Wissens (welches definitiv endlich ist) nicht dabei - also worauf beruht diese Aussage? Vielleicht ist der Hinweis auf Groß Raden dann doch am ehesten für eine Vorstellung slawischer (nicht eingegrenzt unbedingt daleminzischer) Tempel passend.
Desweiteren sei mir noch der Hinweis erlaubt: Die Beschäftigung mit vorchristlichen Religionen ist immer sehr sehr schwierig und eigentlich von unendlich vielen Unbekannten geprägt. Zum einen lassen sich anhand archäologisch überlieferter Funde und Befunde selten tatsächliche religiöse Praktiken rekonstruieren - eine weitgehende Rekonstruktion der religiösen Vorstellungswelt (des “Götterhimmels”;)) ist damit jedoch nicht möglich. Desweiteren stammen schriftliche Hinweise auf in diesem Fall slawische Religionen oftmals von Gegnern, Feinden, christlichen Missionaren und sind entsprechend “politisch” motiviert und damit gefärbt.
Nach meiner Meinung ist hier Vorsicht bzw. Zurückhaltung und die Beschränkung auf das tatsächlich Bekannte (archäologisch und schriftlich Überlieferte) die Mutter der Porzellankiste, nicht das heutige Wunschdenken.