Die Dragons sind immer noch eine gute Hilfe bie vielen Ausrüstungsfragen. Das Problem bei den alten Tafeln zum Costume Guide ist, das diese tatsächlich veraltet sind, zudem auf Zeichnungen nach Quellen beruhen und das generell sinnvoll direkt mit den Quellen gearbeitet werden soll.
Ob das jetzt die COmpany of St. George Dragons betrifft oder andere Darsteller, auch die besten Darsteller machen Fehler 8repsektive ändern die Interpretation), es ist dann schopn blöd, wenn ausgerechnet die Fehler oder veraltete Interpretationen nachgemacht wrerden. Vielleicht dann nich mit dem Hinweis “Hab’ ich aber so bei dr Company gesehen..”
Oder es entstehen solche “Reenactorism”, die dann unausrottbar durch die Szene geistert - siehe nur das Thema Weste im 15. Jhdt… gefühlte drei Erwähnungen/Bilder und schon rennen 5 von 10 Leuten damit ‘rum, ist ja so bequem bei heißen Sommertagen…..
Mein Rat ist sich erstmal grob mit der Kunst der zeit zu beschäftigen. Wenn man dann die Werke von Künstlern wie dem hausbuchmeister, Meister E.S., Dem meister des marienlebens, Pleydenwurff, Wolgemut usw. such findet man hunderte Werke aus der entsprechenden Zeit.
im Grunde hast Du schon alle sinnvollen Antworten bekommen. Tatsächlich gibt es auch bei Details der Mode regionale Unterschiede.
Zu Deiner Frage der Positonierung/Befestigung der Schamkapsel - nunja, meines Wissens gibt es da keinen gesicherten Befund.
Sehr viele Exemplare sehen so aus, als reiche die Schamlapsel über den Hosenbund hinaus. Allerdings fällt mir auf Anhieb ein Beispiel aus Trier um 1465 ein, bei dem der Schamlatz bündig mit dem Hosenbund abzuschließen scheint.
Das Grundproblem ist, dass man selten so detaillierte Bilder findet, denn in den meisten Fällen ist Wams und Hose bzw. Schambereich von Schecke, Schaube etc. überdeckt.
Ein Tip wären die Fechtbücher von Hans Talhofer - speziell der 1467er Codex - oder das Fechtbuch von Paulus Kal, das dürfte ebenfalls aus den 1460ern sein. Da sieht man die Kleidung bzw. Wams und Hose recht detailliert.
Die sinnvollen Varianten reichen von
- genestelt an Hose (logischerweise Höhe Hosenbund),
- genestelt an Wams,
- mit Haken und Ösen an Wams befestigt (@Laura: das ist Deine Variante oder?)
- komplett mit Hose vernäht.
Bei der zentralen Naht an der Hose ist richtig, dass es so gut wie keine anderen Bildbeispiele gibt; aus dem Gedächtnis fällt mir nur ein Beispiel einer italienischen Chronik ca. 1460 (vielleicht auch 1450) ein, bei der keine zentrale Naht vorhanden ist, sondern offenbar Einsätze verwendet wurdn. Ist aber halt italienisch….
Wegen Deiner Frage zu den Nestellöchern:
Eine gewisse Symmetrie scheint es schon zu geben, in aller Regel scheinen immer Nestellöcher über dem Steiß (also in der Verlängerung der Wirbelsäule) und über/auf dem Hüftknochen zu sitzen.
Du solltest Dir auch überlegen, dass es Sinn ergibt, die Nesteln immer gleich zu paltzieren für den Fall, dass Du einmal Wams oder Hose austauscht, wenn dann die Nestellöcher nicht übereinstimmen, ist das eher hinderlich.
Ich habe bei meinen Hosen und Wämsern daher schon darauf geachtet, dass die an den gleichen Stellen sitzen.
Zu den Quellen; da Du offenbar Online-Zugang hast, kannst Du Dich in den Wieten des Internets austoben. Z. B. sind die oben genannten Fechtbücher online einsehbar.
und ein paar Bücher gibts auch in der Bibliothek, Fernleihe oder man kauft zB bei amazon. Die beiden letzteren liefern nach meinem Kenntnisstand auch in ländliche Gegenden…
Nun, die Weste hätte als eben solche Form des “Hosenträgers” für Meine Hose dienen sollen und nicht mehr ;)
Deine Homepage kenne ich über einen Freund, ich wusste gar nicht das du hier auch vertreten bist :) Ihr habt da wirklich eine unzahl an interessanten Infos drauf!
Aber gut, zurück zum Thema:
Was die Schamkapse betrifft, es ist interessant zu hören das es selbst hier einen regionalen Unterschied in der Form gibt. Was mich allerdings nun ein wenig verwirrt hat: Hängt die Schamkapsel nun am Wams oder wird sie bei der Hose oben am Bund befestigt? Das mit der zentralen Naht hinten ist ebenfalls eine interessante Info (Nun weis ich was bei meiner ersten Hose unter anderem falsch ist XD )
Und ansonsten. Schecke nicht gefüttert, oder mit Wolle, aber nicht Leinen.
Und Wams am besten mit stabilen Leinen gefüttert.
Das mit den Bildquellen wird schwierig da ich inzwischen recht ländlich Wohne. Früher hätte ich im Regensburger Archiv gucken können, aber da hatte ich mich noch nicht fürs 16te Jh. interessiert.
edit:
Nachtrag: Bei der Hose muss ich ja im Grunde nur 2 Beinlinge machen und die hinten dann zusammen nähen. Sowie eine Schamkapsel mit passender Form drannähen, oder?
Und, gibt es eine festgelegte Position für die Nestellöcher? Oder war/ist das individuell?
nein, die Dragons meine ich nicht. Die Klamotten-Plates sind wirklich schon sehr alt (gut 15 Jahre!) und meiner Meinung nach auch “veraltet” und asserdem eher französisch.
Sie helfen dem Anfänger auch nicht zu erkennen welches die Dinge sind, auf die es bei einem Schnitt wirklich ankommt.
Ich meine den Artikel den Matthieu (?) geschrieben hat, der ist aber leider nicht online, sondern wurde damals nur über die mailingliste verschickt.
Andrej hat Recht, ergänzend möchte ich gleich darauf hinweisen, dass Du das mit der Weste am besten gleich streichen solltest. Der gängigste, hartnäckigste und schlimmste Fehler, den man im 15. Jhd Darstellerumfeld sieht. Westen sind maximal als “Hosenträger” unterhalb eines Textilpanzers im französischen Raum, und in gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz wenigen Fällen, auch nicht offen getragen, zu finden.
Der Standard wäre enges Wams, und mit eng meine ich: die-Taille-wie-ein-Korsett-formend, sowie dazu halt Hose. Pass beim Schnitt auf, je nach Region sieht die Schamkapsel anders aus, die hiesigen unterscheiden sich von italienischen und französischen, die man gemeinhin bei Darstellern sieht, die breit, v-förmig und nicht am Wams hängen, sind falsch bis italienisch-französisch. Dito Hose: hinten eine zentrale Naht, nicht 3, das kommt erst gegen 1500.
Wa snun Stoffe betrifft, für eine Schecke ist keine Fütterung, oder Wollstoff zumindestens gut belegbar, für eine wetterfeste Schecke empfehle ich kein Leinenfutter. Das Doublet- hierzulande schlicht Wams genannt- schon, da empfiehlt sich ob oben beschriebener Anwendung eine sehr stabile Fütterung.
Generell kann ich nur empfehlen: sieht dir sehr viele, und nur hiesige (sofern die Darstellung hier angesiedelt ist) Bildquellen an, und liess am besten für deine Region, aka Stadt, im Statdarchiv ein bisserl was über Testamente, Rechnungen etc.-da steht für den Zeitrahmen meistens einiges an Details, die auch Stoffe betreffen.
Abschliessen kann ich dir noch unsere Webseite, den Teil fürs späte 15te ans Herz legen:
Schnittmuster, wie Andrej schon sagt, sind etwas schwierig. Zumindest wenn du dir darunter einen “Burda”-Schnittmusterbogen vorstellst, bei dem du deine Größe ausschneidest, das auf Stoff überträgst und fertig…
Das funktioniert nicht, weil die Mode für Männer im 15.Jhd sehr Figurbetont wenn nicht sogar Figurformend ist. D.h. jeder Schnitt muss auf den Träger angepasst werden. Größe xy ist zu ungenau. Hier kommt es wirklich darauf an den Körper nachzuformen und ggf. beim Wams auch zu formen.
Wie das funktioniert kann man z.B. im Buch “the medieval tailors assistant” lernen. Um mit dieser Technik und einer Prinzipskizze als Anhaltspunkt ein brauchbares Schnittmuster zu produzieren, musst du dir die Orginalgemälde und Zeichnungen genau anschauen. Wichtig ist z.B.:
-Wo genau verläuft die Naht? (Moderne Ärmel setzen oft außen an der Schulter an. Spätmittelalterliche Ärmel eher näher am Hals (-denk an den Armausschnitt eines Trägerunterhemds))
- Wo sind Falten? Wo keine?
Ist eigentlich der neue Klamottenguide für Männer von der Compnay online? Der erklärt ganz gut auf was man achten muss…
Zu den Stoffen ist die Antwort recht einfach, da sind einfache Wollstoffe recht ideal. Ich kaufe die entweder bei Naturtuche.de oder Wollstoffe.de Letzterer hat auch einen festen Wollstoff der für Hosen ideal ist.
Wams und Schecke sind gefüttert, ja, aber nicht zwingend mit Leinen. ich habe bei meiner Schecke gute Erfahrungen mit dünnem Wollstoff als Futter gemacht. Die Hose ist allenfalls im obereren bereich gefüttert, eigentlich ist nur eine Verstärkung des oberen Randes, an dem die Nestellöcher liegen und eine Fütterung des Latzes notwendig.
Bei den Schnittmustern fangen dann aber die Probleme an. Gute Schnittmuster gibt es nicht und sie nützen auch nicht so sehr viel. Grad Hose und Wams werden auf den Leib geschneidert. Zudem wäre das dann halt immer ein bestimmter Typ eines Wamses und es sich nicht das Zeil in Uniform rumzulaufen.
Vielleicht können da Leute helfen die schlicht besser nähen können als ich, aber ich muss mich bei den Schnitten auch immer quälen.
ich hab vor mir für die kommende Saison ein paar neuer Klamotten des 15ten Jahrhunderts zu schneidern. Eine Hose, ein Doublet sowie eine einfache Weste. Nun drängen sich mir allerdings ein paar Fragen auf:
1. Wo finde ich Schnittmuster für die oben genannten Stücke, die leicht umzusetzen sind?
2. Welchen Stoff sollte ich am besten benutzen? Wollstoff? Oder Walkloden? Oder etwas anderes?
3. Wie sieht die Sache mit dem Inlay aus. Doublet und Schecke besaßen ja, meines Wissens nach, ein Leinen Inlay. War das auch bei Hosen so?