Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) selbstgesponnenes Leinen weben

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Eintrag #1 vom 21. Sep. 2010 14:40 Uhr Juliane (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Juliane eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Belege von DOCHTFÄDEN bei Leinengewebe gesucht

hat jemand von euch Erfahrung mit dem Weben von selbstgesponnenen Leinendochtfäden als Kette ?
Und zufällig nen Fund bei der Hand, indem der Webaufbau von Leinengeweben ende 12.- 13. Jhd (wenns geht jetztiges Norddeutschland, aber ich bin für alles dankbar)näher erläutert wird ?
Alle mir bekannten Bücher/Funde beschreiben nur Wollgwebe explizit, für Leinengewebe werden nur Bindungsart (meist Leinwandbindung)und die Anzahl der Fäden pro cm angegeben. Dies hat mir zwar auch schon weitergeholfen, ich stolper nur über ein kleines Problem. Nach meinen Kenntnissen nutze man “früher” um zarte Wollstoffe zu weben Dochtfäden(bestimmte spielte hier auch die Zeitersparnis eine Rolle, nicht nur die dünnen Fäden, welche man vielleicht auch gezwirnt so dünn hinbekommen könnte). Das konnte ich mit Hilfe von Knochenleim (auf die Kettfäden gestrichen zum stabilisieren der Dochtfäden/Kette während des Webvorganges)schon zufriedenstellend nacharbeiten.
Nun möchte ich gerne mit selbstgesponnen Leinen weben. Die Anzahl der verwendeten Fäden pro cm legen nahe, dass auch hier mit Dochtfäden gearbeitet wurde……aber ich finde keine Quelle, welche dies wirklich aufzeigt. (und ich würde wirklich ungern n paar monate arbeit wegschmeissen, nur weil ich vorher nicht alles versucht habe um ne passable Quellenlage zu bekommen )
vielen Dank Juliane

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Eintrag #2 vom 25. Sep. 2010 15:34 Uhr S. Katinka Richter  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um S. Katinka Richter eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ungezwirntes Leinengarn

Hallo Juliane,
1) Erfahrung
Leinen aus handgesponnenem ungezwirnten Leinengarn lässt sich mit etwas Übung gut verarbeiten. Man muss nur auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit achten, oder die Kette mit Hilfe eines nassen Handtuches oder eines Blumenbeneblers anfeuchten.
Ungezwirntes Leinengarn lässt sich aber nur dann gut verarbeiten, wenn es sich um handgesponnenes Garn handelt. Das liegt daran, dass die einzelnen Leinenfasern bis zu 40cm lang sind und diese Faserlänge beim Handspinnen erhalten bleibt. Wird Leinen industriell verarbeitet, werden die Leinenfasern erst zu kurzen Abschnitten geschreddert, damit sie auf den sehr schnell laufenden Baumwollspinnmaschinen verarbeitet werden können. Es gibt in Mitteleuropa nur noch wenige Spinnereien, die Langflachsgarne herstellen, weil hierbei die Verarbeitungsgeschweindigkeit niedriger ist, als bei kurzen Fasern.
Beim Handweben reißen diese schrecklichen “Schreddergarne” alle Nase lang, weil sie beim Weben einfach auffasern.
2) Quellen
Für das 12.-13.Jh. habe ich leider keine Quellen für ungezwirntes Leinengarn. Vielleicht hilft dir das 10.Jh. Norddeutschland weiter. In Haithabu hat man Gewandreste aus Leinendochtgarnen gefunden. Beschrieben in “Textilfunde aus der Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu” von Inga Hägg. In Kapitel 4 “Textilien…nach technischen Merkmalen” wird beschrieben, wie die Garne versponnen sind. Laut den Übersichtstabellen sind die Leinengarne sogar überwiegend ungezwirnt verarbeitet worden.
3) nicht aufgeben
Bis ins 19.Jh. wurde für die bäuerliche Leibwäsche die Leinwand aus ungezwirnter Leinwand gewebt. Das legt die Überlegung nahe, dass so ein Garn auch im Hochmittelalter verwendet worden sein kann. Deswegen Kopf hoch und weitersuchen. Vielleicht hilft es auch nach Museen mit Textilien aus jener Zeit zu suchen, und sich dann mit den wissentschaftlichen Mitarbeitern des Museums in Verbindung zu setzen.
Gruß Katinka

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Eintrag #3 vom 27. Sep. 2010 21:50 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht gezwirnte Garne?

Katinka, Du kennst keine Quellen für ungezwirnte Leinengarne - ich wiederum kenne keine Leinengewebe mit gezwirnter Kette oder Schuss, jedenfalls nicht bei mittelalterlichen Funden. Bei Wolle gibt es m.W. ab und zu gezwirnte Garne in Geweben, bei Leinen ist mir da noch nix untergekommen. Auch aus späteren Zeiten kenne ich Leinen praktisch nur unverzwirnt.
Solange nicht jemand Belege für gezwirntes Garn in Leinengeweben anbringt, würde ich erst mal pauschal annehmen, dass Leinen zumindest überwiegend als Einfachgarn verwebt wurde.
Nähgarn ist dann wieder was anderes, das kenne ich nur in gezwirnt.

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Eintrag #4 vom 28. Sep. 2010 17:28 Uhr S. Katinka Richter  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um S. Katinka Richter eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Fehlerteufelchen

Hallo Claudia,
ließ doch bitte noch mal meinen und deinen Text. Da hat sich wohl ein Zwirnteufelchen bei dir eingenistet. :-)
Ich habe geschrieben, dass im Fundbericht von Haithabu (10.Jh.) Stoff aus ungezwirntem Leinengarn aufgeführt ist. Ebenso, dass man in der Neuzeit bis ins 19.Jh. ungezwirntes Garn verwendet hat. Ich habe nur keine Quelle explizit für das 12. und 13.Jh., die Juliane sucht.
Gruß Katinka

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Eintrag #5 vom 28. Sep. 2010 20:53 Uhr Juliane (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Juliane eine Nachricht zu schreiben.

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villeicht kannst du mir auch mit nem buchtipp weiterhelfen ?
LG Juliane
und liebe Katinka, vielen Dank nochmal für deinen beitrag ;)

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Eintrag #6 vom 30. Sep. 2010 00:50 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht @Katinka

Mir war nicht entgangen, dass Du ungezwinte Garne aus der Haithabu-Publikation aufgeführt hast. Nur klang Dein Beleg danach, als kenntest Du Quellen zu gezwirnten Garnen in Geweben und Haithabu wäre die einzige Dir bekannte Quelle zu ungezwirnten Garnen.

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