Also ich würde schlicht niemals mich an irgendwelchen Interpretationen anderer orientieren, sondern schlicht möglichst lokale Bildquellen als Vorlage heranziehen. Hierbei ist man im 14ten dank Grabplatten ja recht gut versorgt, schau mal auf die von mir verlinkte Seite, da kannst Du sogar nach Region suchen. Das unter Berücksichtigung der Merkmale erhaltner Helme sollte eine gute Vorlage liefern. Helme mit aufschlächtigem Visier sind hierzulande scheinbar vor 1350 eher selten gewesen. Bei den in Bildquellen auftauchenden Teilen ist teilweise nicht so richtig klar, um was es sich handelt; ob Beckenhaube oder Topf-oder Kübelhelm; letzterer macht mit Visier allerdings nicht so elendig viel Sinn.
Auch im Grenzgebiet zwischen zwei Ländern wäre ich etwas vorsichtig mit der Übernahme von Charakteristika des jeweils anderen Landes, ist es freilich weder so, dass es eine spütbare Grenze gab, noch kann man das alles so herunterbrechen, allerdings sind viele Bildquellen eben ja auch noch aus ganz anderen Regionen des jeweils anderen Landes, und man macht es sich dann doch etwas einfach, wenn man das alles vermengt.
Für um 1330 gibt es z.B. in Kleve die Grabplatte Adolf II. von der Mark:
Also zugegebener Maßen war die frage nach dem namen nur am Rande gestellt. Viel mehr war die Frage nach der Tragweise wirklich relevant. Ich dachte eigentlich mit meinem Exponat eine gute Variante gefunden zu haben. Ich war einfach auf der Suche nach einem Helm für ca. 1335 im deutschen Grenzbereich (Niederrhein) der nach Möglichkeit ein Visir hat. Und da kam ich nach einiger Belegwälzerei bei etwas in der Art aus und habe dann nach Fertigung gesucht.
Richtig, im Codex Balduini gibt es solche Helme, und damit eine mit dem dt. Reich in Zusammenhang stehende Bildquelle. Nur, ich zitiere einfach mal verlinkte Webseite: “Wann und wo die Bilderhandschrift entstanden ist, konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Mögliche Vorbilder lassen sich in der Pariser Buchmalerei finden”.
Die dargestellte Tracht und Wehr muss also nicht unbedingt typisch für hierzulande sein, ich denke sogar sein, wenn ich parallel entstandene Bildquellen und vor allem Grabplatten betrachte.
Es gibt ja auch ettliche erhaltene Topf-und Kübelhelm des grob gleichen Zeitrahmes aus dem deutschsprachigen Raum, die aber eher das wiederspiegeln, was man auf Grabmälern sieht, eher flachscheitelige Helme oder solche ohne Kreuz-oder Lilienspange vorne. Ich weiss nicht, ob man es wirklich eine englisch/belgisch/französische Eigenheit nennen kann oder sollte, nur ich würde es definitiv nicht als typisch hiesiges Merkmale betrachten.
Dass Du nicht bei E-Bay kaufst ehrt Dich ;) Ich wollte auch keien Vermutung anstellen, dieser Helmtyp ist halt drot vor allem zu finden- allerdings ist die von dir verlinkte Ausführung auch nicht sehr viel besser, wie das, was man auf E-Bay sieht.
Geht es Dir nun eigentlich um den Erwerb eines Helmes, oder um die Definition des Begriffes an sich? Letzterer ist ja neuzeitlich, und eher schwer greifbar. Wie der Name schon impliziert, vor allem im englsichsprachigen (heutigen) Raum beliebt. Als “Zuckerhut” kenne ich ihn kaum, auch wenn das die Übersetzung wäre, weil in der Form auch nicht in entsprechender Literatur geläufig. Rein von dem, was man im englischsprachen Netz und der englischsprachigen Literatur so kennt, würd ich ihn grob als Spitzkalottigen Topf-oder Kübelhelm mit zumeist Messingfarbenen Kreuz mit oder ohne Lilienverzierung umschreiben.
Mir spontan einfallende Beispiele von Varianten wären
Jacob van Maerlant, Spieghel Historiael, Westliches Flandern; ca. 1325-1335 (hier über Ringpanzerhaube, kann eine Hirnhaube unter der Ringpanzerhaube sein). Auch im allseits beliebten Alexanderroman hat es welche, hier wieder teils mit Beckenhauben darunter.
An Grabplatte wäre da Ulrich von Werd in Strassburg (wo sich die Stile mixten), der trägt definitv eine Beckenhaube darunter, ist um 1344.
Wenn ich meine Bildquellen durchsehe, kann ich vlt. genauer sagen, was die früheste mir bekannte Quelle für diesen groben Typ ist, irgendwann in den 70ger oder 90gern des 13ten, meine ich, und ich glaube sogar England auf ner Grabplatte.
Wenn Du was Deutsches suchst, schau mal bei der Romfahrt Heinrichs VII. www.landeshauptarchiv.de/index.php?id=69 da gibt es einiges an Helmen, die in die Richtung des abgebildeten Helmes gehen. Ich würde bei dieser Bildquelle interpretieren, dass die frühe Beckenhaube mit angeknüpftem “Aventail” darunter getragen wurde - die Ritter Heinrichs werden einmal auf der Reise mit Beckenhaube und im Kampf mit Sugarloaf (zumindest teilweise mit aufschlächtigem Visier) dargestellt.
Das Bild, dass Du als letztes gepostet hast bitte nicht als Vorlage nehmen - hierbei handelt es sich um einen “Sporthelm” für die SCA, der zwar gut gebaut zu sein scheint, doch für eine Rekonstruktion einige Sachen enthält, die ich so nicht bauen würde (z.B. zu großer Sehschlitz, Übermaß an atemöffnungen etc.). Hier geht es mehr darum den “Look” des Helms zu treffen und innerhalb der Regularien des SCA-Kampfes zu bleiben.
Das er nicht in deutschland getragen wurde ist mir gänzlich neu. Ich meine sogar etwas gegenteiliges gelesen zu haben, nur weiß ich beim besten Willen mal wieder nicht mehr wo.
Was Ebay angeht darf ich dich beruhigen da kaufe ich ei Datenkabel aber bei aller Liebe nicht meine Aurüstung. die Kaufe ich beim Schmied meines Vertrauens.
2: Die Helmform eines Topf-oder Kübelhelmes mit spitzer, einteiliger Kalotte und teilweise vorhandenen Helmkreuz (nicht unbedingt aus Messing) findet sich in England und Frankreich von der zw. H. 13tes bis Mitte 14tes, guck einfach mal auf effigiesandbrasses.com dir ein paar Grabplatten des Zeitraumes an.
Diese Helmform ist hierzulande eher _nicht_ anzutreffen, und der Begriff ist auch modern und ungenau; daher kann man auch nicht beantworten, wie er getragen wurde. Aber irgendwann um 1300 hast Du halt zunehmend eine Hirnhaube unter dem großen, umschliessenden Helm, nebst Ringpanzerhaube (die teils integral am Hemd ist), und danach immer mehr Ringpanzergeflecht an dieser, wodurch die zur Beckenhaube mutiert.
Aber, um das auch mal gleich vorwegzunehmen, was man gemeinhin als “Sugarloaf” bei E-bay und bei einschlägigen Händlern im Internet und auf Märkten bekommt ist _kein_ historischer Helm, sondern bestenfalls grobe Anlehnung an solche.
1. Hat jmd. eine deutsche Übersetzung für den Suagloaf?
2. und noch viel wichtigere Frage ist ob der Sugarloaf wirklich nur als Überhelm über Becken- oder Hirnhaube getragen werden kann oder auch jemand im besten Falle belege für das Gegenteil hat