Es gibt noch ein weiteres Ufo unter den halbkreisförmigen Gürteltaschen: Angeblich komplett zugeschnitten unter Lederresten im Keller des Tübinger Kornhauses entdeckt. Laut Ausgrabungen in Baden-Württemberg aus dem 13ten, der Deckel hat eine schöne Lederprägung mit einem Baum flankiert von links und rechts einem Hirschen. Aber außer einem Foto (kleiner als 1,5 cm, schwarz-weiß) und einer Strichzeichnung (kleiner 2 cm) des Deckels finde ich nichts weiteres mehr über den Fund an Veröffentlichungen.
Also zunächst einmal sehe ich bei den verlinkten Bildern aus der -französischen- Kreuzfahrerbibel keine Gürteltaschen. Das könnten genausgut - dafür halte ich es zumal im Kontext eher- Botensiegel sein.
Dann: Almosenbeutel lassen sich über einen breiteren Zeitrahmen nachweisen- siehe die Masse an erhaltenen Originalen- allerdings wiederrum im 13ten nicht so sehr in D. (nicht so seehr heisst nicht garnicht), zumal es sich nicht um Alltagsbeutel handelt, sondern um- wie der Name schon sagt- Almosenbeutel, die jenseits des christlichen Kontextes sehr höfische Attribute hatten, und aufwändig gestaltet waren (siehe ebenfalls erhaltene Originale wie Textquellen). Äquivalent eben wieder “Pilgertaschen”- solche sind es, keine Alltagsbeutel.
Dafür finden sich im Fundgut und in Textquellen durchaus einfache Beutel, die man halt nur oft nicht offen trug, aus Angst vor “Beutelschneiderei” sprich Diebstahl (trifft übrigens mit fortschreitender Zeit auch auf den Almosenbeutel zu, der im 15ten schliesslich garnimmer offen getragen wird, wenn denn). Auch in den Schleswiger Funden hats einfache runde und eckige Beutel. Wie auch in verschiedenen anderen Fundkomplexen wie York usw.
Die reine Betrachtung von Bildquellen kann da imho arg irreführen. Recht unwidersprochen sehe ich nur, dass die Gürteltasche eher im 14ten Teil der “Mode” wurde, und auch im 15ten wieder im Gebrauch zurückgeht, wo man sie oft nur bei Fuhrknechten oder in reicher Verzierung findet.
Meine rein persönliche Empfehlung wäre jenseits des Inhalts in jedem Fall im 13ten in D. eher keine D-Förmige Gürteltasche, jedenfalls nicht gen Mitte oder erste Hälfte, und als Ersatz einfache Beutelformen, primär, aber nicht nur, nicht offen am Gürtel getragen.
Dominant schein im 13. Jhdt in der Tat die Almosenbeutel und Pilgertaschen zu sein, wobei im Codex Manesse, der allerdings im ersten drittel des 14 Jhdts. zu verorten ist, mehrere Gürteltaschen in D-Form zu finden sind.
Wobei zu erwähnen ist, daß die Runneburgtasche die einzige ihrer Art vor 1300 ist, und es auch mit Bildern da sehr dünn wird. Mir sind keine deutschen Bilder vor 1300 bekannt, die eine solche Gürteltasche darstellen.
In der Kreuzfahrerbibel gibt es glaube ich zwei Personen, wo man es vermuten könnte.
Die Frage wäre nun eher, soll es explizit um Aufbewahrung/Transport von Feuerstein und Zunder, oder eher um eine Gürteltasche für diverse Kleinteile gehen?
Für ersteres wurde ja genug gesagt, für letzteres wäre zu der Zeit eine einfache D-Form (Siehe Runneburgtasche z.B. hier www.historiavivens1300.at/realien/tasche.htm ) die einzig mir bekannte Form einer Gürteltasche.
Daneben gibt es noch verschiedene Beutelformen, denke aber nicht, daß die hier gefragt sind.
Nehmen wir mal an, dass man unterwegs Feuerstein und Stahl braucht, was auf vielen Reisewegen an sich überflüssig war. Warum dann am Gürtel? So etwas würde ich eher im Reisegepäck haben. Da solche Sachen nicht abgebildet wurden, dürfte es unmöglich sein, dazu Quellen zu finden. Ich persöbnlich habe einen kleinen Leinenbeutel mit dem Feuerzeug, den ich in meiner Lade aufbewahre.
Für die seltenen Fälle, wo im Mittelalter jemand alleine reiste, ohne Tross, ohne Reisewagen, ohne eine Herberge oder einen Gastgeber anzusteuern, gab es extra Taschen, um Feuerstein und Eisen am Gürtel zu tragen???