ich hab mich aufgrund einiger Topfhelmversuche auch eingehend mit deren Fütterung beschäftigt. Reste eines eingenieteten Innenfutters findet man noch in dem Topfhelm von Prankh in Wien (um 1350).
Mein Dargennachbau besitzt ein Leinenfutter mit Wollfüllung, das uber die seitlichen und hinteren Löcher an der Kalotte eingebunden wird.
Der 2. Helm, Typ Madeln (um 1300) besitzt an der Stirn, über den Sehschlitzten insges. 6 kleinen Nieten mit denen vermutl. ein Riemen oder Band eingenietet wurde, an dem das Futter oder zumindest ein Stirnpolster besestigt war. In Kombination mit einer Beckenhaube sitzt der nach Originalabrollungen hergestellte Helm wie angegossen.
Wieso peinlich? Ich habe schon schlimmeres gesehen und selber praktiziert. Viele arbeiten ja z.B. mit Schaumstoff und Klebeband. An meinem Trainingshelm ist z.B. ein Schnellspanngurt als Kinnriemen drin, was sehr praktisch und fest ist. Aber so langsam will ich halt doch davon weg und es beim neuen Helm gleich richtig machen. Also!
… ich wage es kaum zu sagen. Ich habe meinen alten Moppedhelm zerschnipselt, die Innenpolsterung zurechtgeschnitten und in den Topfhelm gesetzt. (Bevor Ihr deswegen auf mir herumprügelt, wartet bitte, bis ich das Ding anhabe … :-) )
Ich kann nur sagen: Wie aufzementiert!(nur wieder leichter zu entfernen :-) )
Allerdings denke ich trotzdem über eine wattierte Bundhabe mit dieser angenähten Wurst oben nach. Da würde mich auch mal die Erfahrung Anderer interessieren.
@ Joachim: Reiten würde ich lieber mit `nem Pferd (und das hat gewöhnlich ´ne Roßhaarpolsterung) … ;-))
Hallo Thorsten, mein allererster Topfhelm damals noch von der Drachenschmiede hatte so ein Lederkreuz eingearbeitet. Aber glücklich hat mich das Teil nie gemacht. Der Helm bewegte sich noch immer zu sehr. Ich ließ es schließlich weg und setzte stattdessen ein gepolstertes Kissen rein, was einigermaßen funktionierte. Aber dieser Helm ist bestimmt nicht das Maß aller Dinge. Was gibt es noch für Erfahrungsberichte, schließlich rennt doch jeder dritte mit nem Topfhelm auf der Rübe rum. Einige reiten sogar damit. Also!
nun ich habe mit meiner Frau Rücksprache gehalten und festgestellt, dass wir nicht mehr genau wissen, von welcher Quelle wir den Schnitt hatten. Und wenn ich mir unsere kleine Büchersammlung so durchschaue, muss ich Dir recht geben, dass es wohl nur zweiteilige Bundhauben gab. Nur eine Abblildung könnte (!) eine dreiteilige Haube darstellen. In Georges Deby “Die Ritter” ist auf S.28 ein Abbildung aus dem 13.Jh.(Decrets de Gratien) Da ist die Haube etwas unglücklich gezeichnet. Ob das nun aber eine Naht an der Schädelseite zeigt, ist mehr als fragwürdig. Komisch ist aber, dass ich schon mehrere Abbildungen mit solchen “verrutschten Nähten” gesehen hab.
Ansonsten muss sich da wohl einen Fehler in unseren Schnittmustern eingeschlichen haben :-((
Zu Thorsten:
Das mit dem Schallschutz kann ich nur bestätigen und unter diesen Gesichtspunkten eher ein Vorteil als ein Nachteil.
soweit ich weiß stammen die ersten ßberreste von Stoffpolstern dieser Art noch nicht mal aus dem SMA sondern aus der Renaissance (Zeughaus in Graz). Diese Teile sind aber schon ziemlich elaboriert gearbeitet und waren für die Armets von Kürassieren gedacht - und die haben recht wenig mit HMA-Helmen gemeinsam.
Sicher ist auf jeden Fall, daß ein Helm mit Stoffhaube einen festen, sicheren Sitz auf dem Kopf haben muß und sich nicht weiter bewegt (Wer im SCA-Kampf mal einen Lanzenstoß ins Gesicht oder einen Zweihänderhieb auf´s Haupt bekommen hat, weiß warum das so sein muß).
Dick muß die Haube unter einem Topfhelm meiner Meinung nach nicht sein, wenn als Innenfutter ein Lederkreuz (ähnlich wie bei modernen Feuerwehr oder BW-Helmen) eingearbeitet ist. Auch die von verschiedenen Abb. bekannten Ringwülste um den oberen Teil des Kopfes dienen zu nichs anderem, als den Helm auf dem Kopf zu befestigen (es gibt z.B. auch die Theorie, daß manche Helme an diesen Hauben “angenestelt” wurden). Bei den dünneren, gefütterten Bundhauben (wie z.B. in der M-Bibel gezeigt) gehe ich davon aus, daß im Helm ein Innenfutter vorhanden ist - was auch auf einigen, späteren Abb. gut zu sehen ist. Die Bundhauben dienen dann als zusätzlicher Schutz für Hiebe von der Seite und - was meiner Meinung nicht zu vernachlässigen ist - als Schallschutz. Nach einigen schweren Hieben auf meine SCA-Beckenhaube weiß ich in der Zwischenzeit einen guten Schallschutz zu schätzen - “klingende” Helme sind in der SCA nicht besonders beliebt ;-)
Weiterhin kann natürlich auch die Kettenhaube (ob separat oder als Hauberge) an die Wattierung angenestelt werden, so daß auch sie nicht so leicht verrutscht.
Bis denn
Thorsten
(der gerade auch an einer Wattierung für seine Hirnhaube plant)
meine Frau und ich haben vor kurzem so eine Haube gebastelt. Die Haube ist bei uns aus drei Teilen, vorn und hinten etwas länger als eine normale Bundhaube. Wir haben die Nähte, wie Du beschreibst, abgesteppt. Der Rand wurde nochmal extra eingefasst (sozusagen versäubert). Wir haben uns für nur 4 Lagen Stoff entschieden. Das ist zwar lange nicht so dick wie ein Gambeson, aber das Ding soll ja auch noch unter die Kette und unter den Helm. Außen wurde dicker Leinenstoff verwendet und innen 2 Lagen von einem richtig dicken Wollstoff. Mit diesen 4 Lagen kommt die Bundhaube dann doch auf 5-10mm Dicke. Die einzelnen Lagen müssen von innen nach außen größer werden (logisch), und zwar um einiges. Jede Lage in etwa 5-10mm größer.
Ein Tipp, die Steppnähte vor dem Nähen anzeichnen. Natürlich haben wir die Haube von Hand genäht :-))
Tauglichkeit:
Ich hatte das Ding auch schon mehrmals zum fechten an. Und bin immer wieder von den Stoffrüstungen faziniert !(Wenn die Dinger nur nicht so dreckig werden würden). Trägt sich super und hat eine große “Rüstungseffizienz”, nur ein kleiner Nachteil hat die Haube. Man hört bald gar nichts mehr unter all dem Zeug.
Zur Quellenlage:
Uns ging es ähnlich wie Dir. Wir haben nichts besonderes an Quellen gefunden, und haben es dann, in den Grundzügen, nach dem Lehnart gefertig und Erfahrungen vom der Gambesonbastelei miteinfließen lassen. Ich weis, dass er nicht das Maß aller Dinge ist, ich wusste mir aber nicht weiter zu helfen.
Wenn Du willst, kann ich ein paar Bildchen machen und Dir zu kommen lassen.
was mir aufgefallen ist: in den zeitgenössichen ms (d.h. für mich um 1250 *gr*) erscheinen die sowieso eher selten abgebildeten gesteppten Hauben weit weniger “voluminös”, als dies in den meisten rüstungs-/bekleidungstechnischen Veröffentlichungen (Osprey-Bände etc.) als Rekonstruktion dargestellt wird. Kenne ich nur nicht die richtigen Originalabbildungen oder gibt es da tatsächlich eine Diskrepanz?
Man könnte in diesem thread ja mal über das Zeug reden, das man unter Helm und Kettenhaube trägt. Also z.B. Polsterungen, Kinnriemen usw. Auf den Abbildungen ist das ja meist nicht richtig zu erkennen. Und erhaltene Helmpolsterung usw. gibt es glaub ich wieder mal erst aus dem SMA. Also wird unterm Deckel gerne “gemogelt”.
Wir (eigentlich Ruth : -)) plagen uns z.B. gerade mit einer wattierten Haube rum, die unter meine neue Kettenhaube soll. Schaut man sich die Abbildungen um 1250 an, so ähneln diese Hauben den Bundhauben, also bestehend aus 2 Teilen, vielleicht etwas weiter heruntergezogen als die Bundhauben. Die Hauben scheinen dann längs abgesteppt zu sein mit einer 90° Kurve, also vom Gesicht zum Hals/Nacken verlaufend.
Gibt es schon irgendwelche Bastelerfahrungen von euch?