Als nur-von-Hand-Näherin kann ich dir ebenfalls nur raten, ohne Maschine zu nähen. Die Handnaht ist haltbarer und einfach besser als die Maschinennaht. Sieht auch besser aus.
Medievaldesign ist m.M.n. auch nicht der Weisheit letzter Schluß. Omas handgewebtes Leinen gibt es z.B. auch bei Ebay, zeitweise :-)
geht es um Südwestfalen, heutiger Kreis Olpe. Amt Bilstein ist da ein Stichwort. Kreuzung Heidenstraße und Römerweg.
Wahrscheinlich eine blöde Frage, aber was meinst Du mit “Kirchenbildern”, Wilfried?
Ich habe mir nun einige Bilder der Manesse-Handschrift angesehen. Diese sind allerdings auch zu spät für “meine” Epoche, die Handschrift wurde ja um 1300 begonnen. Gibt es vielleicht eine andere Handschrift, die ich heranziehen könnte? Oder hat sich die “Mode” bei der einfachen Bevölkerung so stark verändert? Ich habe nur noch einen Faksimile-Druck der Schedel’schen Weltchronik von 1493, ist aber ja auch leider (wesentlich) später.
Und ich sehe ein, dass ich von Hand nähen muss, wenn es wirklich authentisch sein soll.
Amisia kannste brauchen, musste aber mit den örtlichen Kirchenbildern abgleichen, die gibts in Westfalen. Der Unterschied zwischen dem fränkischen Köln und dem sächsisch geprägten Westfalen ist allerdings ein teilweise gewaltiger.
Also goldene Regel bei der Recherche: -NUR- Origionalquellen taugen als Vorlage. So denn sie auf Webseiten und Büchern auftauchen, gut. Aber Webseiten nicht.
Also nicht irgendwelche Schnittmuster von Webseiten nehmen. Nicht drauf verlassen “sieht ja gut recherchiert aus”.
Man könnte z.B. schonmal die Frage stellen, warum denn Kappnaht für ein Kleid.
D.h. nimm am besten die Bezeichnung des Psalters, und zieh dir den mal komplett rein. Nimm die erwähnten Funde, und besorg dir wirklich dediziert die Fundbeschreibung.
Was nun das Nähen etc. angeht: wenn Du es historisch machen willst, wird es nicht anders möglich sein, aber davon abgesehen braucht man kein Talent fürs Nähen, nur Übung. Wer ne Nähmaschine bedienen kann, kann auch mit der Hand nähne.
Das hört sich doch recht gut recherchiert an, bin über das Bild darauf gestoßen, weil ich es in einem meiner Bücher fand und dort endlich mal nicht-adelige Frauen dargestellt fand. Da wären zum Beispiel auch Schnittmuster und ein Link auf eine Seite mit historischen Nähten.
Ich sehe ‘ne Menge Arbeit auf mich zukommen! *hilfe*
Habe ich mir doch fast schon gedacht, dass es so einfach nicht zu machen ist ;-) Dann werde ich in Cochem erstmal noch als Durchschnitts-Touri auftauchen.
Vielen Dank für die ausführliche Antwort, Jens! Da werde ich wohl um’s Selbermachen nicht drumherum kommen. Ich wusste, dass ich irgendwann die Nähmaschine beherrschen lernen muss. *augenroll* Dann werde ich mich mal auf Recherche begeben.
Die Zeit sollte schon so bleiben. In meinem Heimatort gibt es eine Burgruine, die in der genannten Zeit Sitz eines Edelherrengeschlechtes (Grafen von Gevore) war und diese möchte ich als historischen Hintergrund nutzen. Da das Ganze in die Stauferzeit fällt, dürften sich doch wohl durchaus Quellen finden lassen. Ich denke, die regionalen Unterschiede werden nicht allzu groß sein (also Köln etwa gleich wie Würzburg o.ä.). Da der Erzbischof von Köln damals der oberste Lehnsherr (abgesehen vom Kaiser) war, kann ich mich sicher an kölnischen Darstellungen orientieren. Die Zeit lässt sich auch bis 1220 erweitern. Aber später würde ich es nicht haben wollen. Mal sehen, was sich dazu finden lässt.
Bezüglich der Farben habe ich hier irgendwo auch schon gelesen, dass grün wohl eher ungeeignet ist, da dafür ein teurer Farbstoff vonnöten war. Dann wohl eher blau, das wurde sicher mit Färberwaid gefärbt? Ich mache mich da mal schlau.
Nochmals Danke! Werde ggfs. über meine Fortschritte berichten.
Ich mach es kurz und schmerzvoll: der verlinkte Kram reicht von völlig unhistorisch zu so-dala, aber falsche Epoche.
Jetzt würd ich, wenn Du nur “Besucherin auf Märkten” sein willst, fast dazu neigen, zu sagen: für Märkte ist es völlig egal, was Du anziehst, da ist eh nix historisch.
Da Du aber erfrischenderweise schon eine Zeit angibst und klare Vorstellung offenbarst, wäre das ja ein Sakrileg.
Insofern hängt es nun davon ab, was Du bereit bist, zu tun. Im Grunde gibt es wenig bis fast keine Händler, die halbwegs vernünftige Klamotten anbieten, hierzulande kenne ich gankeine. “Die Gewandschneider von Avalon” gehören mit Sicherheit auch nicht dazu.
Allerdings- und das ist wichtig- ohne vorher wenigstens mal grob sich ein paar Bilder des entsprechenden Zeitrahmens angesehen zu haben, und vlt. das eine oder andere generell über die Mode gelesen zu haben, kann ich auch das nicht so empfehlen, sonst greifst Du auch da daneben.
Nun gibt es hier im Forum aber bereits zahlreiche Threads, wo man etwas darüber lesen kann.
Die andere und sichere Methode wäre eigentlich immer: genauer informieren, und selber machen. Kommt auch erheblich billiger.
Bei allem steht aber das vorherige Schlaumachen davor.
Grob vorwegnmehmen kann ich es aber denk ich schon, auch wenn die erwähnte Epoche nicht grad mein Fokus ist:
-Unterhemd/-Kleid aus naturfarbenen oder weiss gebleichtem Leinen, ca. knöchellang, langärmelig, zum Reinschlupfen
-Kittel/Kleid aus Wolle (kein Leinen, aber es gibt ja auch feine Wolle, wäre eh einer der primären Unterscheidungsmerkmale zu einfacheren Darstellungen), empfehlenswert wäre mindestens mal auf die Farbtäne zu achten, und mal sich gorb über die möglichen Farben und die Herstellungarten bzw. resultierenden Preisgrade der Färbungen zu informieren, ideal wären freilich Pflanzenfarben bzw. historische Färbemethoden
- Kopfbedeckung (wesentlich) aus Leinen, vermutlich weiss gebleicht, eher fein, Form musst Du halt recherchieren
- Gürtel aus Leder, mit, wenn’s denn besser sein soll, ner Messingschnalle nach nem zeitgenössischen Fund mit Messingschnallenblech und Endbeschlag, einfache wäre Eisen-D-Schnalle angenäht
- Strümpfe aus Wolle, Knielang, genäht, gilt das gleiche wie für das Kleid
- Kniebämder, ich tippe mal auf Leder mit Schnalle wie beim Gürtel, aber da müsstest Du für die Zeit genaueres erst eruieren
- wendegenähte (!!!!) Schuhe
Bildquellen für Mitte 12tes habe ich jetzt nicht so grad zur Hand, aber da findest Du hier was im Forum;
Sollte es nur rein für Märkte sein, wäre auch noch vlt. der Tipp, sich zu überlegen, ob es nicht eine andere insbesondere spätere Zeit sein darf, da sind sowohl Quellen, Bilder als auch Bezugsquellen teils einfacher.
Ich bräuchte Euren Rat bezüglich der Kleidung einer Frau aus Westfalen um 1140 - 1190. Ich möchte eine solche Frau gerne auf Mittelaltermärkten darstellen (als Besucherin). Sie soll nicht adelig sein, aber auch keine Bäuerin, vielleicht die Tochter eines Handwerkers.
Nun habe ich mich im Internet mal umgesehen und auch einige Texte bezüglich der Mode im Hochmittelalter gelesen und habe nun einige Ausstattungsteile gefunden. Würdet Ihr diese als passend für die genannte Darstellung ansehen?
Unterkleid und Oberkleid aus Leinen - Unterkleid würde ich wollweiß nehmen und Oberkleid evtl. grün oder braun. Natürlich beides aus Leinen, da ich eh nur im Sommer unterwegs sein werde.