<br> Friedrich von Mannheym - der Sohn des Friedrich Vincetius - wuchs mit seynen beiden Brüdern und zwey Schwestern in der Zollburg Eichelsheym bey Mannenheym off dem Ryn auf. Die Burg stand fast am Wasser. Es war weniger eine Burg, vielmehr ein mächtiges steynernes Haus mit Wehrtürmen und Zinnen und noch ohne umgebende Burgmauer. Eines Tages war er zum Jüngling herangewachsen und sollte am Hofe Aufgaben übernehmen. Markgraf Hermann V. wollte Friedrich als Knappe in die Hände seynen Sohnes Hermann VI. geben, um aus Friedrich einen Ritter für das Heer Friedrich II., ein Enkel von Friedrich I. Barbarossas, zu machen, wie schon zuvor seyne Brüder in die Dienste des Kaisers treten durften.
<br> Aber Friedrichs Mutter verhinderte dies; er solle zuerst des Lesens, Schreibens und in der Mathematik kundig gemacht werden. So ward Friedrich mit 12 Jahren für vier Jahre in das elsässische Damenkloster Erstein gekommen, wo er auch die lateinische Sprache erlernte. Eine junge adlige Novizin - Mechthild - brachte ihm nicht nur die Wissen-schaften bey. Im Damenkloster hatte man Friedrich auch in den höfischen Umgangsformen unterwiesen. Zur höfischen Erziehung gehörte ferner auch die Unterweisung in der Musik. Oft war Friedrich bey der Jagd zugegen gewesen. Bei diesen “Ausflügen” begab es sich viele Male, daß Friedrich weiter nach Norden ausritt als es für die Jagd üblich war. Das hatte einen gewichtigen Grund: der Flecken Friedolfs-heym lag im Schatten eines Tales in der Ebene. Die Bauernschaft verstand sich auf die Hege und Pflege guter und kräftiger Rebsäfte, wovon Friedrich reichlich genoß. Einen noch viel größeren Genuß bereitete ihm die Tochter des dortigen Waldhüters, Sigrid von Friedolfsheym. Bei einem seiner Ausritte traf Friedrich dieses schöne blonde Mädchen in der nahe gelegenen Benediktiner-Abtei Limburg, als es dort die Kirche verlassen wollte. Sofort entbrannte in ihm tiefe Zuneigung. Während einer Unterhaltung mit ihr erfuhr er auch ihren Wohnort. In der Folgezeyt suchte Friedrich immer wieder die Kirche in Friedolfsheym auf, welche mit der Abtei Limburg verbunden war, um mit Sigrid ins Gespräch zu kommen, und auch sie suchte öfter als sonst die heimatliche Kirche auf, um auf ihn zu warten. Der häufige Gang zur Kirche brachte ihr das Lob der Eltern ein. Nachdem Friedrich und Sigrid sich einigermaßen gut kannten, verabredete er sich mit ihr zu Zeyten in den väterlichen Wäldern, um mit ihr zu plaudern und die Minne “zu studieren”. Das ging famos. Es waren schöne und glückliche Monate für die beiden. Einige Male trafen sie sich auch im Zisterzienserkloster Eußerthal, ganz in der Nähe des Trifels auf dem vor 57 Jahren Richard Löwenherz gefangen gehalten wurde. Für Sigrid war es nicht schwer das elterliche Haus für längere Zeyt zu verlassen - sie führte “Botengänge” für das heimatliche Kloster aus, in dem sie auch die Klosterschule besuchte. Das Zisterzienserkloster Eußerthal hatte eine kulinarische Eigenheyt: die Mönche hier verstanden sich in ganz besonderer Weise auf das Räuchern von Fischen mit erlesenen Kräutern, welche sie dann zum Verzehr mit Meerrettich, Wachholder und Beeren gereichten. - Im Eußerthal hat Friedrich mit der adligen Novizin Mechthild von Mettenheym einige Male diese besonderen Fische genießen dürfen. - Nach Erstein in südlicher Richtung und nach Friedolfsheym in nördlicher Richtung war es von hier aus ungefähr gleich weit. Traf sich Friedrich wieder einmal mit Sigrid in der Nähe des Klosters Eußerthal, nahm sie auf dem Rückweg immer Dinge des Klosters mit nach Friedolfsheym, die die dortigen Mönche brauchten: Urkunden, Briefe, Dornentinte, Pergamente oder auch nur Bücher zum kopieren. So fiel den Eltern diese heimlichen Treffen nicht auf. <br> Eines Tages, es war ein kalter Herbsttag und der Winter ließ nicht mehr lange auf sich warten, erreichte Friedrich im Kloster Erstein eine versiegelte Botschaft. Das Siegel des Briefes trug das Zeichen der Mönche aus der Benediktiner-Abtei Limburg. Offenbar war die Nachricht von einem der klösterlichen Scriptoren verfasst. Sigrid hatte dort einen Schreiber gefunden und bedauerte in dem Brief die lange Zeyt der Abwesenheyt Friedrichs - sie hatten sich mehrere Monate nicht sehen können - und offenbarte ihm darin ihre Mutterschaft, nachdem ihre Altvorderen für Sigrid einen Ehemann auserwählt hatten, welcher sogleich die Aufgaben des Schwiegervaters als Waldhüter übernahm. <br> Für Friedrich war die Zeyt gekommen, das Kloster Erstein wieder zu verlassen. Nach diesen Jahren allerley Entdeckungen und etlichen Erfahrungen in einem Damenkloster kehrte Friedrich Anno Domini 1223 nach Mannenheym an den Hof zurück. Auch er führte wie seyn Vater fortan den Namen Eichelsheym. In der Zwischenzeyt hatten es seyne Brüder und die Zähringer Ritterschaft verstanden die staufischen und die welfischen Streyterreyen für sich zu nutzen und den Machtbereich im Südwesten auszudehnen. Herrschaftsaufbau war auch eine Frage des Organisationstalents. Die Zähringer besaßen es und sind dabei einen vielversprechenden Weg gegangen, haben Reichslehen, Kirchenlehen und Eigengut zu geschlossenen Machtkomplexen zusammengefaßt, haben diese systematisch mit Städten durchsetzt und mit einer schlagkräftigen Dienstmannschaft ihr Gebiet kontrolliert. Die süddeutschen Welfen machten es zu Barbarossas Zeyten nicht anders und der staufische Kaiser hatte Mühe, die Sonderinteressen der Fürsten denjenigen des Reiches unterzuordnen. Bey dieser Umverteylung der Machtpositionen im Oberryngebiet gingen die Zähringer als Gewinner hervor, während Hermanns Erben, die Markgrafen von Baden, die Grundlage für ihr künftiges Territorium legten. In badischen Landen sah man jetzt immer häufiger die neuen Farben: das Wappen mit dem Schräg-balken, Rot in Gold. <p>Friedrich von Mannheym trat Anno Domini 1223 als Knappe in die Dienste Hermann VI., der vom Vater - Hermann V. - den Besitz erbte und sich den Titel Markgraf von Verona beylegte. Seynen Namen und Titel vererbte dieser sogleich auf seyne Nachkommen [der sechs Generationen beibehalten werden sollte]. So erlernte Friedrich recht spät das Ritterhandwerk. Seyne Brüder waren bereits betuchte Ritter und Theyl des badischen Spitzenadels und sie teylten sich ein Territorium von Lorsch bis zur Linie Strasbourg / Weilheim und machten sich bereyt das Erbe des Vaters anzutreten, welcher erst kürzlich an verdorbenem Fleisch verstarb. Dem Erstgeborenen sollte das südliche Land zwischen Durlach und Baden zufallen - dem Zweitgeborenen der nördliche Theyl des Landes von Lorsch bis Durlach. Friedrich war die Zollburg Eichelheym und das Zisterzienserkloster Tennenbach bey Emmendingen, aus der Linie derer Grafen zu Hachberg, sowie 1000 Silbermark zugesprochen. Dabei hatte er dank der eigensinnigen Regentschaft seyner Verwandten noch recht viel abbekommen. Die Zuletztgeborenen gingen in der Regel leer aus. Fortan stand auch das Kloster unter seyner Vogtey. <br> Hermann VI. hatte Friedrich so gut es ging im Schwertkampf, der Reiterey und im Umgang mit Lanze und Streytaxt unterwiesen. Auch in der Führung von Dolch und Dussack. Er nahm ihn mit zu Wettkämpfen und auch wenn wichtige Staatsgeschäfte zu regeln waren. So lernte Friedrich schnell die Verbündeten Waffenbrüder kennen und auf welcher Seyte sie standen und wer verlässlich war oder wer doppeltes Spiel trieb. Hermann VI. übte mit Friedrich Schlachtaufstellungen und Schlachttaktiken ein und lehrte ihn auch Gerechtigkeyt und Recht durchzusetzen. Es kam der Tag der Schwertleite. In einer Zeremonie Anno Domini 1227 versetzte ihm ein Ritter, es war der alternde Graf Heinrich von Hachberg in Anwesenheyt des Markgrafen Hermann VI. und dessen Brüder, einen schweren Schlag. Dies war für Friedrich der letzte Schlag, den er ohne Verlust seyner Ehre hinnehmen durfte. <br> Bereyts Anno Domini 1228 hatte man sich in allen Landen für den V. Kreuzzug bereytgemacht, nachdem Friedrich II. den Waffengang ins gelobte Land sehr lange hinausgezögert hatte. Nach dem anfänglich guten Verhältnis zur Kurie kam es Anno Domini 1227 zwischen Papst Gregor IX. und Friedrich II. zum Konflikt, wobey dann Friedrich II. vom Papst Gregor IX. gebannt worden war. Hermann VI. stellte in Baden ein Heer von 400 Mann auf, das sich in Ratisbona (Regensburg) mit anderen Kreuzrittern vereinigen sollte. Als dritter Sohn kam Friedrich wieder einmal gut weg: er blieb im Lande und sollte in Speyer und Worms die Interessen Hermann VI. sichern, indem Friedrich ihn als geheimer Ratgeber in allen politischen Angelegenheyten ständig unterrichtete und für ihn seyne Interessen durchsetzte, solange dieser sich auf dem Kreuzzug befand. Für diese Zwecke erhielt Friedrich ein Siegel für dessen Einsatz Friedrich genaueste Anweisungen erhalten hatte.<br>