eigentlich hat Dir Volker schon die Antwort gegeben. Also in der Theorie gibt es einen Beleg für das Zitronenhuhn. Aber wir sind hier wieder im Bereich der Frage: Autenthisch, aber wann und wo?
Generell sollte man für mittelalterliche Küche nicht einfach nur die Quellenlage heranziehen, sonder auch immer regionale und saisonale Einflüsse beachten.
Es gibt auch Belege für Lebensmittelimporte aus den Mittelmeerländern nach Deutschland, aber dabei sollten wir immer Transportwege, Lagerfähigkeit und die daraus resultierenden Preise in Betracht ziehen.
Zusammenfassend, waren “exotische” Zutaten sehr teuer und dadurch nur in der gehobenen Küche möglich.
Gut, ich hab die Frage wahrscheinlich nicht detailliert genug gestellt. Ich wollte wirklich nur wissen, ob man Zitronen im 14. Jahrhundert schon kannte und wie gebräuchlich sie waren. Ich hab mich wahrscheinlich etwas missverständlich ausgedrückt.
Und nein, ich kenne keine Quelle für das Rezept, aber laut Volker scheint es eine zu geben. Das von Volker genannte Buch steht noch auf meiner zu kaufen Liste, aber ich kann mir leider nicht alle Bücher, die ich gerne hätte auf einmal kaufen… ;)
Und ja, ich denke dass man damals mehr danach gekocht hat, was die Speisekammer grad hergab als nach dem, was Rezepte vorschrieben. Rezepte verstehe ich heute noch als Leitfaden und koche auch im modernen Leben nicht 100% danach. Ich denke, die Menschen damals werden es nicht anders gemacht haben. Aber das ist *meine* persönliche Meinung und die muss niemand teilen.
Zitronenhuhn gab es im 14. Jh. Es hiess Limonia, vermutlich direkt abgeleitet von limuniyya. Nachzulesen im Liber de Coquina. Perry vermutet eine direkte Übernahme aus der arabischen Tradition, wo das Rezept allerdings mit Kalb oder Zicklein zubereitet wird.
Es findet sich nur leider in Sueditalien, hilft also wieder nur bedingt.
Huhn gab es, Zitronen gab es (das bleibt zu klären), also hätte es theoretisch auch Zitronenhuhn geben können… ob damals wirklich Huhn mit Zitrone gekocht wurde, bleibt weiterhin fraglich, war aber wohl auch nicht die Frage (falls ich das jetzt richtig verstanden habe).
Theoretisch hätte man damals so vieles machen/bauen/wissen können… Flugzeuge, Telefon, etc., die waren nur zu doof ;-)
ich vermute, es ging ihr lediglich um die Belegbarkeit der Zutaten, nicht des gesamten Rezeptes. ßka, ob damals ausschließlich nach Rezept gekocht wurde oder ob´s auch Freestyle-Essen gab aus dem, was gerade so verfügbar war in der Speisekammer ;-)
Zitat: “Nachtrag: Für Haushalte des sehr gehobenen bürgerlichen oder stadtadeligen Kreises in Frankreich liegen mir in der zweiten Hälfte des 14ten Belege für die Verwendung von Zitronen vor. Ich vermute(!), sie waren in vielen grossen Städten in MEur. zu bekommen.
Gruss, Jens”
Genau das wollt ich wissen… mir ging es nicht darum ob das Rezept “A” ist, weil das Rezept aus der Zeit stammt, sondern ob ich dieses Huhn zubereiten kann, ohne mich mit den Zutaten in die Nesseln zu setzen.
Nachtrag: Für Haushalte des sehr gehobenen bürgerlichen oder stadtadeligen Kreises in Frankreich liegen mir in der zweiten Hälfte des 14ten Belege für die Verwendung von Zitronen vor. Ich vermute(!), sie waren in vielen grossen Städten in MEur. zu bekommen.
Wenn du eine höhergestellte Person darstellst, gleube ich, dass du Zitronen durchaus verwenden kannst. Laut Karfunkel (Nr.71) brachten die Araber, als sie Spanien im 9. Jh. eroberten die ersten Bäume von Citrusfrüchten (genannt werden nur Pomeranzen, ich glaube aber, dass sie auch Zitronen mitgebracht haben) nach Europa. Weiters werden Zitronen AFAIK auch im Hortus deliciarum erwähnt. Zur Verbreitung in Europa kann ich dir leider auch nichts sagen.
Auf gar keiner Quelle. Jedenfalls auf keiner, die ich kenne.
Das Ganze ist eine Mischung aus einem Rezept eines Bekannten - der zwar auch aus der Szene ist, aber nach belegbarkeit hab ich nicht gefragt - und selbst zusammengeschustert.
Das einzige wirklich für mich bedenkliche an dem Huhn sind für mich die Zitronen und daher möcht ich gern wissen, wie verbreitet die im 14. Jahrhundert in Süddeutschland waren.
ich weiß, ich habe schon mal eine Madonnendarstellung gesehen, wo Maria auf einer Bank sitzt und zu ihren Füßen Erdbeeren in abgegrenzten Beeten wachsen. Ich weiß leider nicht mehr, von wem das Bild ist und wie es heißt, ich hab es leider noch nicht wiedergefunden. Vielleicht kennt ja jemand das Bild und weiß mehr bzw. kennt einen Link?
Ich habe das Bild mal mit anderen Bildern der imareal-Datenbank verglichen und nehme an, dass in dem unten geposteten Bild auch Erdbeeren angebaut werden.
Unter allen Erbeerbildern 11350-1500 ist noch eines dabei, dass Pflänzchen mit roten Früchten in einem abgezäunten Bereich zeigt - blöderweise ist die Deutung “Erdbeere” von den Auswertern selbst mit einem Fragezeichen versehen.
Alle anderen Erdbeeren zwischen 1350 und 1500 (soweit die von mir durchsuchte Spanne) wachsen im Grünen, vorzugsweise unter den Füßen von jungfräulichen Müttern und Co. ;)