Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Bronzeguss & Co. - Rechtsfragen und Probleme

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Eintrag #16 vom 01. Feb. 2002 18:18 UhrMarkus Winterstein Profil

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Hallo Leute,

nach laaanger Abwesenheit bin auch ich wieder 'mal hier spazieren gegangen. Wenn ich das so lese, sind ein paar interessante Anmerkungen dabei. Hier aber einmal etwas von einem Profi (ich war lange Zeit Chef in einem Kupferwalzwerk - nicht nur der Waffenschmied, als den man mich hier bislang kannte)

Der Bronzeguß hat sich abgesehen von den Formwerkstoffen (Stahl, Beton, Polymerbetone, etc.) und den Wärmequellen nur sehr wenig verändert - aber wie schon angemerkt: Der Teufel steckt im Detail!

Die meisten Hobby-Gießer machen schon den ersten Fehler beim Schmelzen: Anstatt die Speise in einem geschlossenen Tiegel aufzuschmelzen, oder diese doch wenigstens mit Schlackebildnern abzudecken, nutzen sie meist offenen Tiegel, wodurch ein gut' Teil der Arbeit durch Oxyde schon von anfang an zunichte gemacht wird. Meine Empfehlung: ein Passauer Tiegel im E-Ofen oder für Märkte im Holzkohlenbecken (gut abdecken und anblasen).

Der nächste Fehler der oft gemacht wird: Gleich mit Wachs anfangen und dann auch noch direkt gießen! Flache Sachen lassen sich gut im Herdgußverfahren erstellen. Man nehme einen feuchten (nicht zu nassen) Quarzsand mit ein bisschen Schamotte und drücke sein Modell (aus Holz, Kunststoff, Metall) ein und stampfe das ganze fest; danach vorsichtig das Modell herausnehmen. Anschließend wird mit Ruß und etwas Borax ausgestäubt und abgegossen - VORSICHT: durch den Wasseranteil unbedingt Vorkehrung gegen spritzendes Metall treffen!!!! Damit geht natürlich nur, was einseitig verwendet werden soll.

Räumliche Modelle kann man (bei größeren Sachen) erst in Holz machen, dann in Gips abformen. In die Gipsform füllt man dann das Wachsmodell, klebt anschließend ggf. weitere Eingüsse, Pfeifen und Steiger an und überzieht das dann mit einer Flußmittel-Schlichte (je nach Legierung). Man kann das Wachsmodell aber auch frei aufbauen - Formwachse sind gut, Paraffine tun's aber meiner Erfahrung nach auch. Natürlich braucht auch ein freies Modell einen Schlichteüberzug. Das Einformen ist hier etwas komplizierter: Zunächst wird das Modell in eine Schlickerlösung getaucht und getrocknet. Dann mit etwas weicherem, gemagerten Lehm hinterfüttert und schließlich in einem Sandkasten eingesetzt. Nach etwas Trocknungszeit wird dann der Formling ausgeschmolzen und nachgetrocknet. (Daher das Schwundmaß, das Hadu anbrachte: Form + Schmelze können schon 'mal an die 10% werden!)

Schließlich noch 'was zur Nachbearbeitung: Guß muß ja immer noch nachgearbeitet werden. Verfahren und Techniken sind heute nicht anders als vor 500 Jahren, wie Werkzeugspuren belegen. Man kann auch davon ausgehen, daß die Formen der Werkzeuge sich von heutigen nur sehr wenig unterscheiden (was alte Holzschnitte hinreichend belegen)- wenn man nicht gerade Kunststoffgriffe verwendet...

Natürlich war das jetzt noch lange kein vollständiger Abriß zum Thema "NE-Metallguß", denn wie schon angemerkt: An Bronze und - schlimmer noch Messing - ist schon so mancher Profi verzweifelt! Noch ein Tip für Anfänger: Silber ist in Bezug auf Gießen und Nachbearbeiten wesentlich einfacher und bei heutigen Silberpreisen unter dem Strich auch fast billiger!
Markus von Königsberg, Waffenschmied im Ruhestand

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Eintrag #15 vom 16. Jan. 2002 09:46 UhrArno Eckhardt Profil

nach oben / Zur ÜbersichtSchrumpfung

Hallo Bastian

Hadu hat schon recht.
Bei kleinen Gußteilen macht sich allerdings diese Schrumpfung nicht so stark bemerkbar (sie ergibt sich ja prozentual aus den Maßen des Modelles).

10 % sind aber in der Tat etwas hoch gegriffen.
Moderne Gießer rechnen (stark Werkstoffabhängig!) zwischen 1% und 5% SCHWUND gegenüber der endgültigen Gußform.

Wird im Wachsausschmelzverfahren gegossen, wird das Urmodell oft mehrfach abgeformt und abgegossen (erst in Silikon, dann in Wachs und erst dann in Metall).
Bei Bronzeguß entstehen so in etwa 5% Schrumpfung gegenüber dem Urmodell.

Die erwähnte Anschneidetechnik ("Mehr Material vergießen, als man braucht") dient in erster Linie zum Verhindern der Lunkerbildung (Hohlräume im Gußteil, die durch die Schrumpfung des Materials beim Abkühlen entstehen).

Die Verkleinerung des Gußobjektes durch Lunker ist aber ein grober Gußfehler, der mit der eigentlichen Materialschrumpfung nichts (bzw. nur indirekt) zu tun hat.

Mein Zahntechniker empfielt grundsätzlich mindestens die gleiche Menge Material in den Anguß zu packen, wie das Gußteil selbst benötigt.

Bei Großen Teilen ist das nicht immer möglich. Deswegen ist Gießen ja auch so knifflig.

Forschungen haben übrigens ergeben, daß das Bischen Druck, das der Materialspiegel im Anguß auf das Gußteil ausüben kann, in absolut keinem Verhältnis zu den gigantischen Kräften steht, die beim Abkühlen des Werkstückes wirken.
Es geht also vielmehr darum, es dem schrumpfenden Gußteil zu ermöglichen, flüssiges Material nachzuziehen. Und je mehr Material sich im Trichter befindet, desto länger bleibt dieses flüssig.

Zahntechniker platzieren deshalb beim Wachsausschmelzguß das eigentliche Modell an den Rand der Form, damit es schnell abkühlt. Der Trichter wird ins Zentrum der Form gesetzt, damit er möglichst lange flüssig bleibt...
Gruß, Arno der Traumschmied

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Eintrag #14 vom 15. Jan. 2002 13:33 UhrBastian Kreusing Email

nach oben / Zur ÜbersichtVerkleinerung der Form

Hi,

@ Hadu:

Sorry, wenn ich Dir widersprechen muß, aber der Guß ist NICHT immer kleiner als die Form.
Also, im Sandguß ist mir das noch nicht passiert, und bei verlorener Form hat man den Effekt meiner Meinung nach eh' nicht.
Vielleicht solltest Du das Metall auch nach dem Schmelzpunkt noch weiter erhitzen - dann fließt es besser, da es nicht so schnell erstarrt.
Wichtig ist auch, daß man mehr Material vergießt, als man für die Form braucht.
Der Überschuß drückt dann auf den Guß und verhindert so das schrumpfen.

Nur als Tip ;o))

Gruß
Bartolomeus

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Eintrag #13 vom 07. Jan. 2002 18:33 UhrArno Eckhardt Profil

nach oben / Zur ÜbersichtZuviel zugetraut?

Hallo nochmal

Nur die Ruhe...

Ich glaube nicht, das Du versuchst, zuviel selber zu machen. Im Gegenteil.
Der Grund nämlich, weshalb "moderne" Gießer sich nicht so ohne Weiteres an Arbeiten wie selbst legieren u.ä. wagen ist der, daß sie es schlicht sehr selten bis nie machen und es so auch kaum jemanden gibt, von dem man das lernen könnte...
Mit ein Bischen Probieren (wozu den Profis meist die Zeit fehlt) kann man oft mit einfachen Mitteln erstaunliches leisten!
(Eben ganz so, wie unsere Vorfahren).

Verbuche Deine Arbeit also ruhig unter dem Kapitel "Experimentelle Archäologie", schau Dir mal die Bücher in Ruhe an und dann kanns losgehen!

Viel Erfolg!
Gruß, Arno der Traumschmied

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Eintrag #12 vom 07. Jan. 2002 11:24 UhrMichael Effertz Profil

nach oben / Zur Übersichtalle achtung...

Hallo...

also so langsam wird mir vieles klar :-)

Ich glaube, da fehlt es bei mir noch an einigem, damit mal ne richtige Bronze entsteht. Werde mir wohl mal dieses "Anfängerbuch" zulegen und reinschaun... Vielleicht vesuche ich auch zuviel selber zu machen ;-)

Naja, ich denke, daß ich noch etwas probieren werde und mal sehn, obs irgendwann klappt.

Danke soweit für die hervoragenden Antworten, vielleicht gibt es ja noch mehr Leute, die daraus was gelernt haben.

Also Danke nochmal,

gehabt Euch denn wohl,

Micha

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Eintrag #11 vom 07. Jan. 2002 09:31 UhrRanes Haduwolff Profil

nach oben / Zur ÜbersichtGiessen...

Grüß Euch,


und vergesst nicht, daß die Güsse auf dem Weg vom Modell über die Form zum endgültigen Guss bis zu 10% kleiner werden.
Euer Haduwolff

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Eintrag #10 vom 07. Jan. 2002 08:59 UhrArno Eckhardt Profil

nach oben / Zur ÜbersichtWachsmodelle die Zweite

Hallo Micha

Tja, da hast Du weit verbreitete Probleme, die entstehen, wenn man als Unerfahrener mit "schlechtem" Material (Kerzenwachs) arbeitet.
Aus einigen Gesprächen weis ich, daß es Zahntechnikern und Goldschmieden eigentlich egal ist, was für ein Wachs vorliegt. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ein Zahntechniker mit hilfe einer brennenden Kerze, eises Kronkorkens als Unterlage und eines einzigen kleinen Spatels einen perfekten Backenzahn modelliert hat...
Aber wie gesagt:
Mit dem geeigneten Wachs macht man sich wirklich vieles leichter.

Deine Unregelmäßigkeiten und Kanten rühren in erster Linie von mangelnder Übung und schlechtem Material her.
Also:
Nicht verzweifeln und weiter üben. Es ist schließlich auch noch kein Meister vom Himmel gefallen!
Meist lässt man sich zum Erstellen der Modelle einfach zu wenig Zeit, weil es einem nach dem Gußversuch verlangt! Genaues Arbeiten an dieser Stelle erspart aber viele Mißerfolge.
Wie schon gesagt:
Ein Abguß ist SELTEN ;-) besser, als das Modell...

"Hinterschnitten" beschreibt ein Modell, welches sich aus einer starren, 2-Teiligen Form nicht entfernen ließe, ohne das die Form ganz oder teilweise zerstört werden müßte.

Spröde Bronze:

Gute Frage!

Hier kommt es auf die Feinheiten an!
Üblicherweise wird zum Guß eine Bronze mit 10 % Zinnanteil verwendet.
wer seine Bronze selbst legiert, tut erfahrungsgemäß sehr gut daran, die entsprechenden Materialmengen zuvor GENAU abzuwiegen. Winzige Abweichungen können zu einem vollkommen anderen Ergebnis führen, als eben dem erhofften.
Durch Zusatz von Elemenmten wie Blei und Zink kann man außerdem noch die Flußeigenschaften ein wenig steuern (mit VIEL Erfahrung)
Fast alle Gießer kaufen Ihre Gußlegierungen heute genau eingestellt und einsatzfertig im Materialhandel. Selbst zu legieren ist eine Wissenschaft für sich. Nur sehr Erfahrene Profis mit entsprechender Ausbildung wagen sich daran.

Es gibt Bronzen in einer ungeheuren Bandbreite, von weich und geschmeidig über hart bis hin zu federharten, die aber alle eigentlich nicht soooo spröde sind.
Wie gesagt:
Es kommt auf die Feinheiten an. Auch die Gußtemperatur spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Spröder Guß entsteht in erster Linie durch zu kühle Schmelze und unsachgemäßes "Anschneiden" (Platzierung der Angußkanäle und ggf. der "Steiger").

Also:

Einfach nur "Material in Tiegel Schmeißen und flüssig werden lassen" genügt nicht!

Noch ein paar Gründe , warum sich so wenige trauen, dieses Handwerk auf einer Veranstaltung zu zeigen...
Gruß, Arno der Traumschmied

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Eintrag #9 vom 07. Jan. 2002 00:18 UhrBastian Kreusing Email

nach oben / Zur ÜbersichtNachtrag: Goldschieden

Sorry - Fehler gemacht...

Verlorene Form ist selbstverständlich "A"....
Ich meinte den "Latex" - Guss....
Bartolomeus

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Eintrag #8 vom 07. Jan. 2002 00:16 UhrBastian Kreusing Email

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Hi,



Aaalso....



Es gibt, wie schon von meinem Vorredner gesagt, spezielle Modellier - Wachse, die mit "normalen" Werkzeugen bearbeitbar sind. Sprich, Feilen o.ä. setzen sich nicht (oder wenig) zu. Falls doch, gibt es Feilenkratzer.

Kerzenwachs halte ich für ungeeignet, da es zu weich ist, und z.B. beim Abdruck im Formsand nachgibt. Formwachs ist zwar nicht umsonst - lohnt sich aber...

Für die Beschaffung kann auch ich nur an einschlägige Goldschmiede Versender verweisen. Fischer ist da sicher ne gute Adresse (übrigens auch im Internet www.fischer-pforzheim.de


So, das wars vom mir



PAX
Bartolomeus

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Eintrag #7 vom 06. Jan. 2002 10:41 UhrTimm Esemann Profil

nach oben / Zur ÜbersichtVerständnisfrage

Moin,
Arno: könntest du bitte den Begriff "hinterschnittene Modelle" präzisieren?
Danke im Vorraus.
Pax, Timm

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Eintrag #6 vom 05. Jan. 2002 20:58 UhrMichael Effertz Profil

nach oben / Zur Übersicht"Kanten" bei meinen Modellen

Hallo Arno,

danke für Deinen Eintrag.

Ich wußte schon mal garnicht, daß es verschiedene Wachse für verschieden Formen gibt und daß man Wachs auch Feilen kann (ohne, daß sich die Feile zusetzt).
Bisher habe ich meine Versuche (Bügel von Gürtelschnallen) in Kerzenwachs ausgeführt. Dabei ergaben sich wie gesagt folgende Probleme:

1) Ich habe mit den Fingern eine Schnalle "modelliert". Das hatte zur Folge, daß sie recht ungleichmaßig war und der Wachs beim erhärten auch leicht brüchig wurde.

2) Ich habe mir eine Wachsplatte erstellt, etwas dicker, wie die letztliche Schnalle. Dann mit Zirkel eine gleichmäßige Form "aufgekratzt". Diese habe ich danach mit Messer, Nadeln, kleinen Spachteln ausgearbeitet. Da ich aber keine scharfen Kanten haben wollte, habe ich diese mit einem Messer abgeschabt. Nur sind diese Schabspuren noch sichtbar, das meinte ich mit Kanten.
Letztlich habe ich diese "Kanten" noch versucht abzuflämmen, soll heißen, ich bin mit ner FLamme kurz drübergegangen, allerdings hat das auch nicht den gewünschten Effekt gehabt...
Vielleicht liegt es auch nur an meinem Anspruch, ich weiß es nicht, aber ich finde meine Modelle noch nicht so gelungen...

Gruß, Micha

Achso: Hat vielleicht einer eine Ahnung, wie man bronze erzeugt, die nicht so spröde ist? Das war bei meinen bisherigen Versuchen nämlich auch der Fall...

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Eintrag #5 vom 05. Jan. 2002 19:11 UhrArno Eckhardt Profil

nach oben / Zur ÜbersichtWachsmodelle

Hallo Micha & Co

Hier ein paar Antworten auf Deine Fragen:

Welches Wachs sich am besten eignet, hängt stark davon ab, wie das fertige Stück aussehen soll:

Möchte man gerne stark "hinterschnittene" Modelle wie etwa kleine Plastiken o.ä. herstellen, werden meist weiche, modellier- und knetbare Wachse verwendet.

Für "technische" Formen, wie eben besagte Schließen, eignen sich eher harte Wachse. diese können teilweise ganz ähnlich wie Holz oder Metall bearbeitet werden (Sägen, Bohren und sogar Feilen).
So lassen sich präzise Wachsmodelle eigentlich am einfachsten herstellen.
Die verschiedenen Wachse gibt´s bei der Karl Fischer GmbH in Pforzheim.
Eigentlich kann man aber auch gewöhnliches Kerzenwachs verwenden. Als weiche, knetbare Variante kommt Bienenwachs in Frage.

Reproduzierbarkeit von Wachsmodellen:

Das Wachsausschmelzverfahren mit seiner "verlorenen Form" ist, wie der Name schon andeutet, EIGENTLICH weder besonders wirtschaftlich, noch für große Serien geeignet.

Heute wird deshalb meist ein Abdruck aus Silikon vom ursprünglichen Wachsmodell gemacht, also eine eigene Form, mit der dann auch hinterschnittige Wachsmodelle dank der Dehnbarkeit des Silicons gegossen werden können.
So werden mit diesem Verfahren heute Serien von mehreren tausend Teilen, besonders im Schmuckgewerbe, hergestellt.

Richtig:

"Früher" gab es kein Silicon...
Deshalb wurden wenn möglich wenig hinterschnittige Formen (z.B. bei Bügelfibeln) gewählt, diese zunächst in Blei gegossen (oder gleich in Blei geschmiedet) und die eigentlichen Formen wurden zweiteilig mit Hilfe des Bleimodelles erstellt.
Eine solche Form, kann zwar auch nicht oft (meist nur einmal) verwendet werden, sie ist aber, dank des Bleimodelles, reproduzierbar.

Griffe von Bronzeschwertern wurden teilweise in den bekannten Sandsteinformen, teilweise aber sogar in Bronzeformen gegossen, die heutigen Industrieell gefertigten Stahlformen in nichts nachstehen.

Für hinterschnittene Formen bleibt natürlich nach wie vor nur die verlorene Form.

Was für "Kanten" bleiben denn bei Deinen Versuchen sichtbar, und in welchem Verfahren hast Du´s bisher probiert?

Vielleicht kann ich als Außenstehender (bin Schmied, kein Gießer) noch ein paar Tips geben.
Gruß, Arno der Traumschmied

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Eintrag #4 vom 05. Jan. 2002 12:46 UhrMichael Effertz Profil

nach oben / Zur ÜbersichtHerstellung von Wachsmodellen

Hallo,

vor dem Guß kommt das Modell, deswegen interessiert mich nun ersteinmal, wie man ein solches am besten herstellen kann.

Wenn man nicht gerade auf Massenproduktion aus ist, sondern auf Einzelstücke, ist die Methode der verlorenen Form (hieß doch so?) wohl die beste.
Jetzt Stellt sich mir jedoch die Frage, wie man ein Wachsmodel am besten modellieren kann, abgesehen vom künstlerischen Können, welches mit Sicherheit ja auch noch eine Rolle beim Ergebnis spielt.
Ich habe bereits mehrmals versucht, das Modell einer Gürtelschnalle herzustellen, jedoch bin ich mit den Ergebnissen nie richtig zufrieden gewesen. Zum einen bekomme ich keine Gleichmäßige Form hin und zum anderen ist die Form nicht sauber, soll heißen, es sind immer Kanten sichtbar.
Jetzt mag das wie geasagt auch an meinem künstllerischen Können liegen, aber wie bearbeitet man einen "Klumpen Wachs"? Mit Messer und Stechbeitel oder mit heißen Werkzeugen? Muß der Wachs noch warm, also verformbar, oder eher hart und spröde sein?

Wer damit Erfahrung hat, möge Sie der Gemeinschaft (und mir :-) doch bitte hier Kund tun.

Herzlichen Dank,

Micha

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Eintrag #3 vom 02. Jan. 2002 14:00 UhrBastian Kreusing Email

nach oben / Zur ÜbersichtDer Guss und das was folgt.

Hi zusammen!

Im Prinzip kann ich meinem Vorredner nur zustimmen; will aber noch etwas ergänzen.

Ich denke, das ein weiter Grund dafür ist, das auf Märkten nicht gegossen wird, daß kaum jemand nur "Gießen" wird.

Was bringt mir ein auf einer Veranstaltung erstellter Abguß von z.B. einem Gürtelbogen (sei es in Sand- oder Verlorene Form Guß), wenn ich den Rest nicht auch noch herstellen kann.
Das wäre zwar kein Muß - aber sinnvoll, wenn ich ein Handwerk darstellen will.
Und dann kommt nur der Goldschmied in Frage - von reinen "Gießern" habe ich nie gehört.

Wenn ich nun einen Goldschmied darstelle, dann habe ich folgende Probleme:

Alle Belege, die Ich über diesen Beruf kenne (und das sind erstaunlich gute) beschreiben den Beruf immer in Verbindung mit Werkzeugen, die größten Teils in eine feste Werkstatt integriert sind und daher nicht transportabel (ich sach nur "Ofen" ;o)).
Außerdem sind die Werkzeuge zahlreich und aufwendig in der Herstellung.
So ist es beim Schmied mit wenigen Hämmern, einem Amboß und einem Kohlefeuer provisorisch erstmals erledigt. Das reicht beim Goldschmied bei weitem nicht.

Außerdem sind die meisten Schmiedewerkzeuge heute noch den alten sehr ähnlich.
Goldschmiedewerkzeuge hingegen haben sich weiterentwickelt. Feilen, Punzen, Zangen, Öfen - all das sieht einfach heute nicht mehr so aus, wie vor 900 Jahren.

Langer Rede kurzer Sinn:

Ich glaube, daß der Hauptgrund für die mangelnde Darstellung von "Schmuckherstellern" auf Märkten darin liegt, das es einfach sehr aufwendig ist.
Auch ist eine solche Darstellung ansich kaum "A", da Goldschmiede kaum herumgereist sind - eben aus oben genannten Grund.

Das ist aber, wie gesagt, eine Vermutung! Ich habe keinen Beleg dafür, aber auch keinen dagegen. Wenn ich Blödsinn gesagt habe, berichtigt mich. Ansonsten kann mir gerne jeder ne Mail schreiben, der wissen will, woher ich meine Belege beziehe.

In diesem Sinne

PAX
Bartolomeus

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Eintrag #2 vom 21. Dez. 2001 14:30 UhrArno Eckhardt Profil

nach oben / Zur ÜbersichtMögliche Erklärungen

Hallo Thorsten

Tja, da gibt es mehrere mögliche Erklärungen.
Vor allem aber ist sauberer Bronzeguß eine sehr aufwendige und schwierige Angelegenheit...

Jeder kann sich auf den Markt stellen, ein Stück Eisen heiß machen und darauf rumklopfen...was für´s Auge ist das auf jeden Fall und die Qualität kann kaum jemand überprüfen.

Beim Gießen dagegen sieht auch der Laie sofort, ob´s jemand kann oder nicht.
Um auf einer Veranstaltung gute und historisch halbwegs korrekte Güsse zeigen zu können, bedarf es viel Efahrung und Vorbereitung! Die Modelle müssen erstellt oder organisiert werden (hier gibt´s durchaus auch rechtliche Probleme, die aber, solange keine Großserien produziert werden, im Hintergrund stehen).
Dann müssen Formen hergestellt werden, die einige Tage Zeit brauchen, um zu trocknen. Um Fertige Teile (Sprich: sauber nachgearbeitete und gebrauchsfähige Stücke) Auf dem Markt zeigen zu können, müßten diese ebenfalls vorbereitet werden, da sonst die Zeit, die zur Verfügung steht, nicht ausreichen würde.

Alles in allem eben ein riesen Aufwand.
Hinzu kommt noch, das ich zur zeit kaum jemanden kenne, der die ersten Versuche nicht recht bald aufgegeben hat. Nicht einmal moderne Gießereien sind zum größten Teil in der Lage, saubere Güsse zu liefern (mir völlig unverständlicher Weise).

Als Anfänger blamiert man sich recht schnell, weil´s nicht klappen will. Man sollte eben vorher schonmal ein Buch drüber gelesen und auch mal mit jemandem gesprochen haben, der sich mit sowas auskennt. Schade, daß das beim Schmieden nicht genauso offensichtlich ist, bei manchen "Schmieden" kräuseln sich einem die Fußnägel...

Schön, das Du die Sache mit der Umwelt ansprichst:

Das ist zwar tatsächlich ein Problem, da schon allein die oft verwendete Steinkohle (Holzkohle aber auch) recht bedenkliche Rückstände hinterlassen kann, von den diversen Schwermetallen ganz zu schweigen. Ist aber in dem doch recht geringen Maße, wie wir es auf Märkten treiben können nich´ soooo grausig.
Da sollte man sich eher mit den Nachbarn und der Feuerwehr absprechen.

Noch ein paar Takte zur Rechtslage:

Einfach irgend ein vorhandenes, gekauftes Stück abzugießen, ist in den meisten Fällen schlicht nicht erlaubt. Meistens kostet eine entsprechende Erlaubnis Geld, oft aber auch nicht...Fragen sollte man aber auf jeden Fall, damit keine Mißverständnisse entstehen.
Das erstellen eigener Modelle, was sowiso schöner ist, ist allerdings sehr aufwendig und ein Guß ist nur selten besser, als das Modell...
Schöne Funde aus dem HMA gibt es nur wenige, und leider weigern sich die meisten Museen beharrlich, Stücke für Reproduktionen freizugeben.

Kommt Zeit, kommt Guß!
Es sind meines Wissens nach einige am "üben", die den Aufwand und die Fehlversuche nicht scheuen und sehr wahrscheinlich in ein paar Jahren auch auf Veranstaltungen das Handwerk des Bronzegießers sinnvoll und anschaulich zeigen können.
Einige sehr hoffnungsvolle Ansätze habe ich bereits gesehen.
Gruß, Arno der Traumschmied

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Eintrag #1 vom 19. Dez. 2001 01:16 UhrThorsten Koch Profil

nach oben / Zur ÜbersichtHandwerk, Probleme und Recht

Hallo, zusammen !

Die mangelnde Auswahl an Bronze-Gerät (Fibeln, Schnallen,...) gerade für das HMA wurde bereits mehrfach beklagt. Bronzeguß im Lager, und auch Glasperlen-Fertigung, habe ich aber erst ein einziges Mal gesehen. Schmiede gibt es dagegen viele.

Ausreichende Temperaturen können erzeugt werden. An Ausstattung braucht es nicht mehr als auch für eine brauchbare Schmiede. Daran kann es wohl nicht liegen.
Das Verfahren der Giesskunst ist sicher bekannt, eventuelle Diskussionen dazu bitte in passende Threads.
Replizierbare Funde etc. sind ausreichend vorhanden.

Woran liegt das also ? Welche Probleme gibt es möglicherweise noch ? Hat schon jemand konkret Bekanntschaft mit diesen Problemen gemacht ?
Gibt es Vorschriften (z.B. Immisionsschutzgesetz), die der Darstellung/Ausübung solcher Handwerke entgegenstehen oder besonders berücksichtigt werden müßten ?
Ausnahme-Regeln für "Darstellungen", analog "Sportwaffen-und Brauchtums-Paragraph" bei Schaukampf-Gerät ?

Dass man Buntmetall-Schlacke nicht in die Rosenbeete entsorgt und Nachbarn selten Holzkohlen-Rauch mögen, ist klar. Flüssiges Metall ist nicht ungefährlich.

Aber - sonst ?

Meine Frage gilt für alle "thermischen" und/oder "chemischen" Prozesse, also Gußverfahren (Bronze, Zinn), Glasperlen, Birkenpech-Herstellung usw., die ggfs. "umweltschädlich" sein könnten oder verwandte Probleme aufwerfen könnten.

Wünsche angenehmes und ergiebiges Diskutieren,
Thorsten Koch aka Enno op de Herrenhuis

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