Naja, das Ende des Frühmittelalters kann unterschiedlich festgelegt werden. Mich hätte es interessiert, ob jemand vielleicht mittelalterliche Sprangfunde kennt, aber scheinbar bleiben die wenigen unbestimmten Fitzelchen aus Birka und aus York bis ins Spätmittelalter hinein europaweit die einzigen Belege.
Hmm… meines Wissens zählt man das 10. Jhd. aber auch zum Frühmittelalter. ;-)
In Birka gibt es ebenfalls Reste von Textilien in Sprangtechnik. Leider sind diese aber so klein, das man nicht sagen kann, um was für ein Kleidungsstück es sich gehandelt haben könnte.
Quelle: Birka III. Die Textilfunde aus den Gräbern v. Agnes Geijer
Das steht aber auch in dem o.a. Wikipedia-Artikel. Dort wird auch noch der Fund einer Gamasche aus York erwähnt.
ich habe mich schlecht ausgedrückt, ich meinte Beispiele für Sprang im mittelalterlichen Europa, nicht römerzeitliche oder frühmittelalterliche. Für das 10. Jh. zum Beispiel sind mir keine bekannt, wenn es Belege gibt, würden mich diese aber sehr interessieren.
ich habe zu dem Düppeler Katalog nur diesen einen Hinweis beigetragen.
Ansonsten “darf” prinzipiell jeder so eine Sammlung von Literaturhinweisen anlegen.
Wenn Du jetzt selber sowas machen willst, verbietet es sich natürlich, den Düppeler Katalog einfach stumpf zu kopieren. Aber wenn Du von ihm ausgehend die Literaturverweise und Museumsstandorte selbst überprüfst, kannst Du damit selbst eine Übersicht zusammenstellen und diese durchaus dann auch ins Netz stellen.
Ich denke sogar, daß eine ganze Menge Leute sehr erfreut darüber wären, daß sich mal wieder jemand diese Arbeit macht und daß man den neuen Katalog dann auch mit weiteren Fundstücken und Informationen ergänzen kann. Also nur zu :-)
Dann bleibt wohl nicht wirklich viel an Belegen übrig, für nadelgebundene Fußmode im frühmittelalterlichen Norddeutschland :-/
Das mit dem neuen Katalog ist eine gute Idee, aber darf man den so einfach “kopieren”? Na ja, Du vielleicht schon, jedenfalls hast Du ja offensichtlich tatkräftig daran mitgearbeitet :-)
die Information im Düppeler Katalog über die Ralswieker Socke stammte von mir. Ich hatte diese Information aus de Museumsführer des Museumsdorfes Ukranenland in Torgelow. Dort war ein winzigkleines Bild (ca. daumennagelgroß) der Socke drin mit der Information, sie sei nadelgebunden. Ich habe damals dieser Information vertraut, da sie ja aus einem Museum “vor Ort” stammte. Vor einiger Zeit wollte ich mehr Informationen dazu haben und auch ein besseres Bild. Theo hat dann auf meine Bitte hin nach den Originaldokumentationen nachgefragt (siehe seine Postings weiter unten) und zu unser aller Leidwesen rausgefunden, daß die Socke tatsächlich NICHT nadelgebunden ist. Offenbar hat man da im Ukranenland nicht so genau hingeguckt :-(
Da der Düppeler Katalog schon länger offline und nur noch im Webarchiv zu sehen ist, kann dort auch nichts aktualisiert werden. Wahrscheinlich sollte man mal irgendwo nen neuen Katalog erstellen…
Die angeblichen Stricknadeln aus dem germanischen Thüringer Frauengrab sind übrigens eindeutig Quatsch. Die Nadeln laufen über die gesamte Länge spitz zu. Stricknadeln müßten über den Großteil ihrer Länge gleich dick sein. Über die gesamte Länge allmählich spitz zulaufende Nadeln sind wohl eher Haar- oder Kleidernadeln. Diese Annahme, daß das Stricknadeln seien, taucht übrigens nur auf der Website “DEutsches Strumpfmuseum” auf, die auch sonst viele sehr merkwürdige Dinge auf der Seite stehen haben (u.a. jede Menge völlig veraltete Kleidungsillustrationen aus dem 19. Jh.).
Nirgends sonst habe ich diese “Stricknadelinterpretation” gelesen.
“Das Fragment von Ralswiek ist möglicherweise gar keine Nadelbindung”
Oh, ach so? Im Verzeichnis zu Nadelbindefunden vom Museum Düppel tauchte es auf, aber da stand auch dabei, daß einige Funde nicht gesichert sind. Trifft wohl auf dieses dann zu.
“Bedenke bitte auch: Wenn Du auf einer Abbildung Socken oder Strümpfe zu erkennen meinst, heißt das noch nicht, dass sie nadelgebunden sein müssen. Sie könnten z. B. auch aus Stoff genäht sein, und es gibt sogar Strümpfe in Sprangtechnik. Also hilft uns der Heinrich leider auch nicht weiter :-(”
Auf ottonischen Abbildungen gibt es viele Strümpfe, bei denen Nähte angedeutet sind, die meines Wissens auch als genäht interpretiert worden sind.
Die bei Heinrich zu sehenden Socken würde ich (als Laie!) aber von der Textur her eher Strickwerk, Nadelgebundenem oder meinetwegen Sprang zuweisen. Stricken kam meines Wissens nach aber erst sehr viel später auf.
Ich versuche doch gar nicht, nadelbinden in jede Darstellung miteinzubeziehen, warum auch? Ich hatte nur gedacht, wenn es nadelgebundene Strümpfe gab, kann ich auch solche tragen. Sie wären auf jeden Fall wärmer als die genähten.
Und das LOL galt Deinem Kommentar zur FrühMi-Szene, über den ich herzlich lachen mußte.
sieht sich oft zum Verwechseln ähnlich. Und da die Technik des Nadelbindens selbst einigen Experten gar nicht bekannt ist (weshalb z.B. die nadelgebundenen koptischen Socken oft als “Gestrick” bezeichnet werden - so z.B. in dem oft zitierten “Mit Nadel und Faden”), würde ich derartige Einschätzungen mit großem Vorsicht behandeln. Das gilt insbesondere, wenn die Quelle ein Lexikon ist (egal, ob gedruckt oder im Netz), weil dort nicht nachvollziehbar ist, welchen Kenntnisstand der Bearbeiter mitbringt.
Ein wenig skurril finde ich die Aussagen zu den Stricknadeln. Mich würde interessieren, wie die identifiziert wurden. Als Stricknadel kann man schließlich beinahe jeden zugespitzten Stab verwenden; auf den Aran-Inseln wurde sogar mit Federkielen gestrickt (im 19. Jh). Da wüsste ich jetzt gerne, wie man sicher sein kann, dass es sich nicht um ein Paar Haarpfeile, Gewandnadeln oder meinetwegen Ess-Stäbchen handelt. Alles Verwendungen, die mir für ein Paar gleichförmige Stäbe ad hoc ebenfalls einfallen.
Wobei gerade bei H.d.Z. auch an seltenes gestricktes gedacht werden kann
Wikipediazitat
“Vermutlich ist die Wiege der Strickkunst in Vorderasien zu finden. Ausgrabungen von Strickarbeiten fanden sich im syrischen Gebiet des Euphrats und stammen aus dem 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert. Im ägyptischen Bahnasa stieß man auf Überreste verschiedener Strickarbeiten aus dem 4. bis 6. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um verschiedenartig gestreifte Strümpfe und Socken, bei denen zwischen der großen und der zweiten Zehe ein Zwischenraum freigelassen wurde, um die Sandalenriemen durchführen zu können.
In unserem Kulturkreis fand man in einem Frauengrab aus der Zeit um etwa um 300 n. Chr. in Thüringen zwei knöcherne Stricknadeln. Aus einem merowingerzeitlichen Grab um etwa 500 n. Chr. sind ebenfalls eiserne Stricknadeln bekannt.”
von “weit verbreitet” kann in der Tat leider keine Rede sein.
Das Fragment von Ralswiek ist möglicherweise gar keine Nadelbindung, aber da wissen andere hier mehr darüber :-)
Der einzige mir bekannte Sockenfund ist eben der von Coppergate, was nun nicht gerade ottonisches Gebiet ist. Die Mütze des hl. Simeon in Trier stammt zwar aus dem 10. Jh., ist aber möglicherweise aus Kleinasien.
Bedenke bitte auch: Wenn Du auf einer Abbildung Socken oder Strümpfe zu erkennen meinst, heißt das noch nicht, dass sie nadelgebunden sein müssen. Sie könnten z. B. auch aus Stoff genäht sein, und es gibt sogar Strümpfe in Sprangtechnik. Also hilft uns der Heinrich leider auch nicht weiter :-(
Warum zieht man eine Socke darüber wenn schon ein Fußteil daran sein soll? Ist es nicht eher denbar, dass der Fußteil die Socke ersetzen soll?
Im Übrigen gibt es so viele Nadelbindungssocken nicht und die Aussage die Technik sei im “Ottonischen (Nord)DEutschland weit verbreitet” bleibt noch einen Nachweis schuldig ;)
Ich denke die Aussage “"Nadelbindungssocken sind im Reenactment des Ottonischen (Nord)DEutschland weit verbreitet” trifft es eher.
Die Socken von Heinrich dem Zänker scheinen allerdings am Bein etwas höher zu gehen als die Coppergate Socke. Die Schuhe würde ich jetzt auch als schlitzförmig geöffnet interpretieren. Meines Wissens nach, wird der “blaue Streifen” in der Literatur als Socke bezeichnet und ich selber würde durch die Textur auch eine Socke bzw. etwas gestricktes oder nadelgebundenes daraus erkennen :-)
Hast du für die ottonischen Socken zufällig noch andere Quellen als diese eine? Gerade die von dir verlinkte Abbildung ist dermaßen stilisiert, da fände ich das gewagt, daraus Socken erkennen zu wollen. Da das allerdings nicht mein Zeitrahmen ist, kann ich nicht sagen, ob evtl. die im allgemeinen verwendete Schuhform darauf schließen läßt, dass das blaue im Bild definitiv Socken sind. Wenn man davon ausgeht, dass es sich um Schlupfschuhe ähnlich derer im SpäMi (mit den tiefen seitlichen Öffnungen) handelt, müßte das blaue darunter nicht zum Schuh gehören. Allerdings wäre dann ja die Hose in die Socke gestopft.
Ich bin im Internet über nadelgebundene Strümpfe, also keine Socken, sondern Kniestrümpfe, gestolpert und frage mich jetzt, ob es die evtl. schon zu “meiner” Zeit im 10. Jh gegeben hat.
Die Rekonstruktion habe ich bei der Gruppe “Diu Minnezît” entdeckt:
Die Technik des Nadelbindens war im ottonischen (Nord)deutschland weit verbreitet, deswegen habe ich mich gefragt, ob es dann nicht auch zu dieser Zeit nadelgebundene Strümpfe gegeben hat.