Lampas soll wohl auch zwei/mehrere Schußfadensysteme haben im Gegensatz zu Samit, wo es zwar zwei Kettfadensysteme gibt, aber nur ein Schußfadensystem. Weiter kann ich Dir allerdings nicht helfen, da ich das genaue Funktionsprinzip leider nicht verstanden habe. Ich suche immer noch nach einer gut verständlichen Grafik, auf der man das erkennen kann.
Um diesen Thread mal wiederzubeleben und weil es hier ganz gut reinpasst - vielleicht weiß ja einer der fortgeschritteneren Textiltechniker hier eine Antwort…
Wie genau funktioniert eigentlich die Lampas-Bindung?
Ich habe jetzt schon verstanden, wie die Samit-Bindung im Prinzip funktioniert: zwei Kettfäden-Systeme (unsichtbare Hauptkette und sichtbare Bindekette, die zwischen “oben” und “unten” wechselt und in 2:1-Schussköper bindet), dazu zwei oder mehr verschiedene Schussfäden (mindestens einer für die Oberseite und einer für die Unterseite). Im Endeffekt ein komplett verbundenes doppelseitiges Gewebe, das dadurch Muster erhält, dass die verschiedenen Schussfäden zwischen Oberseite und Unterseite wechseln, und bei dem die Unterseite das genaue Negativ der Oberseite ist.
Das ist natürlich verallgemeinert… aber korrekt?
Die Lampasbindung ist dann wohl aus der Samitbindung entwickelt worden - aber wie zur Hölle ist jetzt ein Lampas genau definiert?
Ich habe mich schon dumm und dämlich gesucht, aber nirgendwo eine belastbare Definition von Lampas gefunden, d.h. was ihn jetzt genau ausmacht im Gegensatz zu Samit.
Es geht dabei nicht um meine Darstellung und auch nicht um einen konkreten Stand, ich wollte nur wissen, ob es Belege dafür gibt, das auch “Normalsterbliche” (in einzelfällen) Seide trugen oder ob diese wirklich nur der “high society” (sprich: Kaiser, hoher Adel und hoher Klerus) vorbehalten war.
Auch heute Schwankt das Einkommen, aber man kann z.b. trotzdem sagen, dass ein Ferrari nicht für normale Menschen leistbar ist. (Sorry für den schlechten Vergleich - musste gerade sein)
Mal ganz offen: “normaler Mittelstand” gibt es nicht, und der Begriff “Bürger” ist in “der Szene” inzwischen so strapaziert, dass, wäre er aus Gummi, er inzwischen fluppend gerissen wäre.
Das Einkommen eines in der Stadt lebenden Menschen war so dermaßen unterschiedlich, je nach Region/Stadt, Beruf, Stellung etc.- das kann man nicht über einen Kamm scheren. Es wird zwar gern “Mittelstand” bzw. “Mittelschicht” bemüht, nur: das hiess in einer Stadt wie London, Paris, Mailand was anderes als z.B. in Rothenburg ab der Tauber, seines Zeichens immerhin freie Reichsstadt in der zweiten Hälfte des 13ten, oder gar Nürnberg, dass im 14ten und 15ten prosperierte, im 13ten aber noch lange nicht die wirtschaftliche Bedeutung hatte.
Während in einigen Städten das Bürgerrecht verflixt teuer war,und viele durchaus nicht mittellose Handwerker dieses nicht hatten, waren in anderen Städten sehr viele Leute auch niedrigen Einkommens “Bürger”.
Und dann noch dazu die Schwammigkeit “gehoben bzw. normalen”.
Diese Frage ist also unmöglich allgemein zu beantworten.
Rein praktisch gesehen:
Mein Rat wäre, für die Darstellung die Lebensverhältnisse des jeweils dargestellten Berufes/Person/Stand entweder so genau wie möglich festzulegen und anhand lokaler Quellen zu eruieren. Wenn Du wiederrum vor Publikum primär den Erklärbär gibst, hast Du eh Wahlfreiheit, dann darfst Du nur eben nichts über diesen Zusammenhang sagen, was Du nicht wirklich konkret belegen kannst, und schlicht halt eine aufwändige Kleidung präsentieren.
Wie üblich mal wieder ne Sache der eigenen Hobbyausübung.
Ich hätte mal eine andere Frage zum Thema Seide: War Seidenstoff bzw. Seidengewand im HMA Luxus pur oder auch für den gehobenen bzw. normalen Mittelstand (städtisches Bürgertum) erschwinglich?
man müßte eventuell mal dort anfragen, ob es tatsächlich “echte Seide” (also Maulbeerspinner) ist. Für mein akuten Bedarf hab ich allerdings schon eine Quelle :0)
Habe gar nicht mehr mit einer Antwort gerechnet, danke.
probiers mal hiermit, ist zwar ein Anbieter für Seidenmalsachen, aber der hat auch Seide in verschiedensten Stärken in Leinwandbindung: www.creativ-discount.com und zwar Katalogübersicht>Textiles Gestalten>Seidenmalerei>Seide Meterware
Pongé ist die Bezeichnung für einen Stoff mit hoher Kettfaden- und geringer Schussfadendichte in Taftbindung - kann auch aus Chemiefaser sein - immer nett aufs Etikett gucken ;-)
Der Stoff ist leicht, durchsichtig und flatterig - hmm mir fällt ausser für ein modernes Halstuch auch nix dazu ein.
Chiffon ist auch sehr leicht und flatterig aber meist NOCH durchsichtiger - könnte aber als MA-Reizwäsche (Chemise) *ggg* durchgehen - ansonsten auch zu dünn.
Nachdem es hier doch schon einiges “Warenkundliches” gegeben hat, habe ich angefangen, über eine weitere moderne Seidenbezeichnung nachzugrübeln.
Also: Was ist Ponge-Seide? Oder Seidenchiffon? Ponge-Seide steht z.B. auf der Verpackung von Seidentüchern für Seidenmalerei; Chiffon habe ich bei einem diesem sehr ähnlichen Stoff mit dem Etikett “100% Seide” gesehen.
Sind das denn wenigstens Stoffe aus Maulbeerseide, ohne mitverarbeitete “Abfälle”, in Leinwandbindung? Oder lieg ich da wieder daneben?
Zustimmung in allen Punkten, wobei ich Dupionseiden-“knötchen” noch bei keiner zeitgenössischen Seiden-Textilie zwischen 12. und 15. Jhdt. in der Hand hatte.
Das mag auch daran liegen dass ich bis dato nur hochklerikale Textilien aus dem Salzburger Raum zur Untersuchung “befingern” durfte.
Für mich waren die überraschend gleichmässigen Qualitäten der gesichteten verwendeten Seidenstoffe eine Offenbarung…
AFAIK wurden die filzigen Anfangs - und Endstücke der Kokons zum Weben erst ab dem 18. Jhdt. eingesetzt.
Nicole - ich kenne Deine Ansprüche ;-)- bleib auf der sicheren Seite und verwende reine Seidentafte wie Andreas bereits geschrieben - die gibt es auch in sehr festen, dichten Qualitäten zu abenteuerlichen Preisen :-(
Dupion ist der französische Handelsbezeichnung für die sog. Shantung-Seide, eine Taftseide, die Anteile von nicht entbasteten Wildseiden-Fäden enthält, wodurch die Unregelmäßigkeiten im Schußfaden entstehen. Bis vor kurzem wurde diese Seide sogar noch in China auf Handwebstühlen hergestellt, inzwischen ist die Produktion wohl leider auf moderne Technologie umgestellt worden.
ßber die Eignung für-s Hobby kann man wegen dieser Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche geteilter Meinung sein. Zu stark genoppte Stoffe würde ich auf jeden Fall nicht verwenden, ihre Optik weicht doch sehr von dem mir bekannten Beispielen von mittelalterlichen Taftseiden ab.
Es gibt jedoch auch Dupion-Seiden, die nur relativ schwach genoppt sind. Die recht bekannte “IG Wolf” z.B. setzt für ihre Seidenkleider solche Dupion-Seiden ein.
ßbringens ist nach den von mir bisher gesichteten Literatur nicht Atlas die vorherrschende Bindung für einfarbige Seiden (die wiederum gegenüber den gemusterten Brokaten etc. weit überwiegen), sondern der Taft, also Seide in Leinwandbindung.
Ich frage mich schon seit einiger Zeit (und hoffe, dass diese Frage für diesen Rahmen nicht zu profan ist), welche Art “moderner” Seide man überhaupt für HMA-Kleidung verwenden könnte, wohlgemerkt spreche ich von einfarbiger, ungemusterter Seide.
Mein bisheriger Wissensstand ist, dass reine Maulbeerseide als Seidensatin in Atlasbindung wohl der damaligen Optik am nächsten kommen soll.
Hm, sehr häufig sieht man auf Veranstaltungen Kleidungsstücke aus Dupionseide, die sich ja zumindest rein optisch deutlich von Seidenatlas unterscheidet. Ist dieses Material denn ebenfalls empfehlenswert? Und, wenn ja: Besteht Dupionseide demnach ebenfalls aus 100 % Maulbeerseide?