So, nachdem, wir nun lang und breit über esoterische Kostümkunde etc. reüssiert haben: Was hilft DAS unserem Frager vom Anfang?
Vielleicht noch mal die ursprüngliche Frage zur Beantwortung: “Wie sah denn nun der Mühlenbauer im 13.Jh. aus?”
Ich bin gespannt auf die Antwort, denn mir ist bislang keine einizge Darstellung dazu vor 1550 bekannt…
Und wenn es keine verläßlichen Daten gibt - wie in so vielen berufsbezogenen Bekleidungsfragen - dann gebt doch wenigstens mal eine Hilfestellung zum typisch zu vermutenden Bekleidungsstil!
LG
Roman
PS: Zum Thema Verläßlichkeit der Nichtexistenz von Kleidung mal eine Anregung → Gibt es nur deshalb keine achtbeinigen grünen Elefanten, weil sie noch keiner gesehen hat, oder haben wir schon mal wirklich beweisen können, daß es sie nicht gibt? … ;-) Wie viele echte (!) Quellen gibt es über dieses Thema bezüglich des Frühmittelalters, und wieviele davon zeigen/beschreiben Handwerker?! Statistik zulässig?
Das soll jetzt keine philosophische Diskussion an dieser Stelle auslösen (gehört auch nicht hierher). Aber vielleicht gibt es auch nicht immer nur schwarz und weiß…und der eine oder andere denkt mal über “absolut wahre” Aussagen in Sachen Geschichte nach.
Also, wenn ich mir anschaue, wie sich handwerklich engagierte Leute kleiden - die keine so konkrete Ahnung von den Vorgaben zur Zeit haben, so kommen bestimmte Accessoires immer wieder vor. Dazu gehört insbesondere bei Bauhandwerkern ein Knieschutz und ein Scheuerschutz an den hochbelasteten Kleidungsteilen. Insofern dürfte auch ein Mühlenarzt sich eher zweckdienlich gekleidet haben. Ob sich aus dieser Zeit überhaupt größere und somit historische Bestände an Handwerkerkleidung erhalten haben, wage ich anzuzweifeln, noch dazu, bei einem so speziellen Handwerk ;-)
Wie gesagt, was genau man damals trug ist eigentlich reine Spekulation. Ich würde am ehesten mit Kleidung vergleichen, die dem Zweck entspricht, einfach herzustellen ist und auch lange Wanderungen übersteht. Reine Wolle als Arbeitskleidung ist unpraktisch, da man durch die elektrostatische Aufladung beim Arbeiten mit Holz zu viele Späne und Staub einfängt, die Kleidung also stark anschmutzt. Grobes Leinen allein ist für einen Mühlenarzt auch ungünstig, da es schnell durchscheuert und feucht/klamm wird.
Ergo wird es etwas dazwischen sein, wahrscheinlich mehrschichtig und mit Scheuerschutz.
Zumal, wenn wir vom Anfang des 13.Jh. reden, so ist der Mühlenarzt eh passe. Diese “Berufsgruppe” bildete sich erst später heraus. Die beim Mühlenbau nötige Handwerksarbeit haben Handwerker vor Ort geleistet, und das Wissen brachten Müller mit. Erst mit dem Aufkommen der technisch aufwendigen “Mühlenkünste” treffen wir erste Mühlenärzte - also Spezialhandwerker - in der Literatur an. Aber da reden wir über 1500+ …
äh, wir sprechen aber schon noch von Anfang 13. Jhd. oder?
Hemd, Hose und das auch noch Leder besetzt (also selbst wenn man mal unterstellt, dass Hose ja durchaus Beinlinge und Hemd ‘Cotte’ meinen kann)? Das klingt für mich ganz und gar nicht nach 13. Jahrhundert. Spätestens ab dem Bereich über verstärkte Gesäßbereiche.
Mühlenbauer oder Mühlenärzte sind meist besonders breit geschulte Schmiede, Wagenbauer oder Zimmermänner geworden. Die Berufsbekleidung dürfte “ganz normal” gewesen sein, also einfaches Hemd, Hose, Wams und eventuell noch ein Gürtel mit Tragriemen. Da Mühlenärzte oftmals Klettern und auch viel im Nassen arbeiten mußten, dürfte die Kleidung eher eng anliegend und mit Leder besetzt gewesen sein. Statt des Leders käme für Kniebereich und Gesäß auch gewachstes/geöltes Tuch, doppelt genäht in Frage.
Falls es Dich noch interessiert, besorg Dir mal über Deine Bibliothek das Buch “Von der Mühle zur Fabrik” von Dr. Frieder Schmidt! Da ist dieser seltene Vogel im Berufsleben sehr gut beschrieben ;-)
MfG
Roman
PS: Mühlenbauer waren keiner speziellen Zunft zugeordnet. Sie waren einfach klassische Wanderarbeiter mit eigenem Werkzeug und viel Erfahrung.
Aus dem Frühmi sind mir, wie heißen sie gleich Schiffsmühlen, bekannt?
Na ja jedenfalls Wasser angetrieben, sind sie im Fluß verankert, auf zwei Schiffen / Flößen, welche miteinander verbunden sind und wo drauf sich die eigentliche Mühle befindet somit sind sie auch mobil.
Das Ganze setzt gewisse Kenntnisse vom Wasserbau voraus und meiner Meinung ein wenig mehr Spezialliesierung, als der einfache Zimmermann.
Ich bin neu hier, aber das Thema ist doch zu interessant.
Mühlen sind ja zusammengesetzte Objekte, das heisst es werden aus den unterschiedlichsten Bereichen Wissen vorausgesetzt. Es ändert sich der Werkstoff wie auch die Beanspruchungsarten an das Material.
Dynamik und Statik reichen sich die Hände, soll das Werk gelingen. Anfängliche Mühlen entstehen in Westeuropa eher im bewährten Kollektiv und nicht am Reissbrett. Er sich mit Mahlsteinen auskennt, hat noch nicht das Wissen für die Konstruktion der
Flügel und des Getriebes. Von der Konstruktion her dürften die Bockwindmühlen eher von Zimmerleuten und den Wagenbauern erstellt worden sein.
Die erste Bauhütte war die von Strassburg, waren dabei nur die Steinmetze oder auch die Zimmerleute
mit eingeschlossen?
Die Kleiderfrage könnte vielleicht auch ein Problem des Historismus sein, welcher sich das so schön ausdenkt. Für die Praxis sind duch verschiedene Orte zu bedenken. Erststen der Innenbereich und der Aussenbereich, sowie die verschiedenen Arbeitstechniken. An der Schmiede
sind andere Kleider von Nutzen als beim Steinschärfen.
Du wirst deshalb keinerlei Infos über den Mühlenbauer finden, weil diese Spezialisierung nicht gegeben ist.
Leute, die eine Mühle entwerfen UND bauen können, werden auch einen Kran, eine Belagerungsmaschine, einen Glockenstuhl usw. bauen können. Im Italienischen wurden solche Leute durchaus schon Ingenieri genannt…
Ich glaube, daß jeder bei einer Dombauhütte mitarbeitende ..na, nennen wir ihn mal “Techniker” als Zimmermann dieselben Werkzeuge genutzt hat.
zumindest zum Ansehen eines Mühlenbauers kann man was sagen….
Die Mühlenbauer waren quasi die “Maschinenbauingeneure” des Mittelalters und waren Spezialisten.
In vielen Landesteilen wurde der Beruf auch als Mühlarzt bezeichnet. Solche Spezialisten dürften also ein hohes Ansehen genossen haben.
Da eine reine Berufsbekleidung für das MA nicht bekannt ist, abgesehen von ein paar Accessoires wie z.B. Schmiedeschürzen , sollte die Bekleidung eines wohlhabenden Handwerkers wohl passend sein.
Was das Werkzeug angeht, kann ich nur spekulieren….evtl das Handwerkszeug ähnlich eines Zimmermannes…????
Typische Berufskleidung war im Mittelalter meines Wissens nach eher selten, ich würde erstmal nach regional und zeitlich passender einfacher Bekleidung (Cotta,Hemdelin, brouche, Beininge, Wendenahtschuhe, Gürtel, Bundhaube) suchen, dazu www.hochmittelalter.net
trotz Recherche im Internet und in der Bücherei habe ich leider keine Informationen über den Beruf des Mühlenbauers im Mittelalter gefunden.
Weiß jemand, wie seine Berufsbekleidung aussah (z.B. Anfang 13. Jh.) oder gab es überhaupt eine? Was war sein typisches Handwerkszeug, gab es eines, was er (fast) immer bei sich trug? Oder ein sonstiges besonderes Erkennungszeichen?
Weiß vielleicht auch jemand, wie sein Ruf damals war?