Hier den Text aus Gühne: die Freiberger Holzfunde, den Claudia schon vor längerer Zeit in einen Thread getippt hatte (deshalb hier nur die Kopie mit ihren Anmerkungen):
Der Löffel, wohl seinerzeit eines der wichtigsten Geräte zur Befriedigung leiblicher Bedürfnisse, präsentiert sich im Fundmaterial des Arbeitsgebietes in zwei Varianten: als langstielige Form, meist recht schlicht gestaltet, mit einfacher gerundeter, breit ausgearbeiteter teilweise dickwandiger Laffe […]. Zur Herstellung wurden unterschiedliche heimische Holzarten (Eiche, Ahorn, Wacholder) verwendet. Dieser Typ kommt wohl zu allen Zeiten seit dem 13. Jh. vor und findet seine Fortsetzung in unseren modernen Rührlöffeln (G. Benker 1979, S.13).Auch seine geografische Verbreitung als notwendige Zweckform kennt keine Grenzen […]. Eine zweite, weitaus häufiger gefundene Form sind kurzstielige Löffel hoher Qualität. Die Laffe ist sauber gearbeitet, dünnwandig und leicht oval. Der kurze kräftige Stiel weist runde bis mehreckige, häufig kräftig profilierte Querschnitte auf, seine Bearbeitung zeugt ebenfalls von solider Handwerksarbeit. Eine vielfach zu beobachtende Eigenart sind an der facettierten Stielunterseite eingeschnitzte Kerben unterschiedlicher Anordnung und Kombination [ …]. Damit waren sie neben der Verzierungsabsicht auch gut unterscheidbar, eine ßberlegung, die bedenkenswert scheint (E. Nickel 1980, S.31). Bei diesen, wohl von spezialisierten Hnadwerkern hergestellten Löffeln dominiert als Rohstoff Ahorn, daneben aber kommt häufig Buchsbaum vor, in einem Fall auch Eibe.“ Zwischenbemerkung: Auf keinen Fall Eibe nehmen, das Zeug ist in allen Teilen giftig! Ich fuerchte, auch dem damaligen Löffelbesitzer wird es wohl nicht gut bekommen sein… Weiter im Text: ”Die Löffel aus Buchsbaum stellen für unser Gebiet [Anmerkung: Sachsen] Import dar, vgl. dazu Abschnitt 4.4. Im Gegensatz zu anderen Fundorten, wo Löffel aus Buchsbaum bereits seit dem 13. Jh. auftreten (z.B. in den Niederlanden, vgl. J.M. Baart 1982, S.55), sind sie im Arbeitsgebiet seit dem 15. Jh. nachweisbar. Neben der Freiberger Datierung stehen für dieses Datum Beobachtungen in Dresden (H.W. Mechelk 1970, S.165), Magdeburg (E. Nickel 1980, S.31), Braunschweig (H. Rötting 1985, S.74), Lüneburg (F. Laux 1982, S. 92), Frankfurt (E.W. Huth 1975, S.63, hier auch wichtige historische Nachrichten zum Löffelschneidergewerbe), Pl-en […], Sindelfingen (B. Scholkmann 1978, S.107) Für eine Herstellung durch spezialisierte Handwerker sprechen neben der für sich bereits überzeugenden Qualität auch die einheitliche Bemaßung. So gibt es bei 16 Löffeln von Freiberg nur geringe Schwankungen hinsichtlich der Länge der Laffe (6,0 bis 7,0 cm), der Breite (5,0 - 6,5 cm) und der Tiefe (1,0 - 1,8 cm). Die Dresdener Stücke ordnen sich hier ein bis auf einen deutlich größeren Löffel […], der mit den eingebrannten Buchstaben TB versehen ist, sicher ein Besitzerkennzeichen."
Die Freiberger Löffel, aber auch die Löffel aus Freiburg die in das 13.Jahrhundert datieren werden immer als Rührlöffel in der Essenszubereitung angesprochen (Auskunft von Prof.U.Müller vor ca. 1 Woche zu den Freiburger Funden - Herstellung von Hostien o.ä.) oder aber bei der Essensverteilung (Darstellung der Hl.Elisabeth, Krankenpflege, Wochenbett). Meines Wissens (ich lass mich das gern eines Besseren überzeugen) ist es nicht eindeutig belegt, daß die langstieligen Löffel des 13.Jahrhunderts eindeutig zum eigenen Zusichnehmen der Nahrung dienten. Aus diesem Grund frage ich immer sehr speziell und etwas nervig genauer nach.
bei den Freiberger Funden waren rekonstruierbare Löffel dabei, die einwandfrei ins 13. Jh. datiert werden konnten? Muß ich gleich nochmal nachschauen, habe ich dann wohl übersehen…
Ansonsten gibt es recht zahlreiche Löffel aus dem 13. Jh. in der unten genannten, neuen Schleswigpublikation. Dann gibts noch ein Paar Löffel aus der Zeit hier:
Müller, Ulrich. Holzfunde aus Freiburg und Konstanz. Herstellung und Funktion einer Materialgruppe aus dem späten Mittelalter (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg ; 21). Stuttgart 1996
Desweiteren immer mal vereinzelt in diversen “Sammelgrabungsberichten”.
Als Vorlagen hatte ich Zeichnungen von Löffeln aus den Freiburger Holzfunden. Diverse Löffel die wohl aufs 13. datiert sind. Viel genauer kann ich Dirs nicht sagen. Mehr weiß ich selbst nicht. Mir wurden lediglich Scans gezeigt und ich hab improvisiert. ;-)
Hi Christian, auch wenns etwas nervt: welcher 13.Jhd.-Löffel hast Du als Vorbild genommen? Ich bin wirklich auf der Suche nach entsprechenden Funden bzw. bildlichen Darstellungen und würde mich über eine konkretere Antwort sehr sehr freuen. Es geht vor allem auch um eine Eindatierung “meiner” Löffel, die nachwievor nur sehr grob ins 16.Jahrhundert erfolgt. Sollte ich sie also formal und materiell von früheren Funden deutlich abgrenzen können, wäre ich schon ein deutliches Stück weitergekommen. Es geht mir definitiv nicht um eine Diskussion der Authentizität Deiner Ausrüstung. Du kannst mich daher gern auch bilaterial unter meiner email erreichen.
Nein, der Löffel ist nicht nach einem Fund gemacht, sondern eher eine Mischung aus Stilelementen verschiedener Löffel. Dennoch soll es eher ein Mitte13. Jahrhundert-Löffel sein, denn ein SpäMi Essgerät.
Trotz schleifen mit modernem Schleifpapier sieht man immer noch Spuren des Schnitzens. Dass diese auch auf Fundgut zu sehen sind, schließt für mich als dennoch nicht aus, dass die Dinger nach dem schnitzen noch etwas geglättet wurden.
Hi Claudia, im wesentlichen nichts anderes, als ich damals im Forum geschrieben habe. Im Moment bin ich mit den SpäMi Löffeln befaßt und ich denke, daß ich zumindest hier alle veröffentlichten Funde als Vergleich gefunden habe. Vorher sieht es nachwievor mau mit Funden, erst recht mit Veröffentlichungen aus, wenn man von den römischen/provinzialrömischen Löffeln etc. absieht. Ich bin also noch am Suchen. Das würde dann auch in den kulturwissenschaftlichen Teil gehören, nach dem Diplom - Träum ;)
Auch wenn die Antwort vielleicht blöd klingt;;))):
Bei der Vielzahl der Löffel sind einige dabei, bei welchen deutlich Spuren des Schnitzmessers vor allem auf der Rückseite der Laffe zu erkennen sind. Einige Griffe sind gleichfalls kaum abgenutzt und zeigen auch deutliche Spuren des Schnitzmessers. Im Hinblick auf die Gesamtmenge würde ich von ca. 5% ausgehen. Alle Löffel sind in unterschiedlichem Maße individuell abgenutzt. Bei den mittel bis stark abgenutzten Löffeln sind natürlich keine Spuren der Herstellung mehr vorhanden.
Herstellungs- und Gebrauchsspuren konnte ich bislang an den Hornlöffeln nicht feststellen, was im fragilen Erhaltungszustand vor allem der Laffen bedingt ist. Für die GRiffe fehlen mir gleichfalls noch eindeutige Spuren, ein VErfahren wie unter www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/526 beschrieben, ist bislang nicht nachweisbar.
Da es jedoch wie diese Diskussion zeigt, durchaus interessant sein kann, auch die Herstellungsspuren zu erfassen, werde ich dies bei der Katalogerstellung nachholen. Dann erst kann ich speziellere Aussagen über die obigen hinaus treffen.
Auc h auf die Gefahr hin, daß die Frage blöde klingt…
Man erkennt an Löffelfunden noch die Art der Oberflächenbearbeitung ?
Nach der Benutzung und dem Verbleib im Fundgut für mehrere hundert Jahre ?
Hätte ich nicht gedacht, mein Löffel hat sämtliche Spuren dieser Art in seiner Dienstzeit verloren, und das, ohne nennenswert lange irgendwo vergraben zu sein.
Im MOment bin ich noch mit der Inventarisierung der Objekte aus organischen Materialien beschäftigt. Am Ende soll ein Katalog sowie die Konzeption eines Schaudepots in der St.Corona Kirche stehen. ßber den kulturwissenschaftlichen Teil mal eine Diss zu schreiben, wäre ein TRaum….
Hi Christian, hast du deinen schönen Löffel nach einem Beleg (Fund, Foto, Bild o.ä,) geschnitzt?
Da ich gerade eine Arbeit über SpäMi Löffel schreibe kann ich soviel beitragen, daß diese (“meine”) Löffel nur geschnitzt und nicht zusätzlich geschliffen wurden. Vor allem auf der Rückseite aber auch am Griff sind deutliche SChnitzspuren vorhanden. Die Laffe war vermutlich schon relativ frühzeitig durch die Benutzung abgegriffen.
mit Schachtelhalm schleifen geht ganz gut. Gut in kühler Luft trocknen.
Belege CGM 821 München, Liber Illumistratum, wurde verwendet um Grundierung von Tafelbildern zu schleifen. Für Metalle und andere harte Sache wurde ein Gemisch mit dem Namen Schmirgel verwendet.