Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Stricken im Mittelalter

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Eintrag #9 vom 25. Jan. 2000 08:50 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

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Moin, alle! War in Hamburg auf der Ausstellung “Goldgrund und Himmelslicht” in der dortigen Kunsthalle. Nettes Detail auf einer Altartafel aus dem 14. Jahrhundert: Maria strickt für ihr nackt in der Krippe liegendes Jesulein ein Kittelchen. Dargestellt ist Viernadel-Rundstricken am Halsausschnitt. Gruß Ivo

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Eintrag #8 vom 21. Jan. 2000 14:37 Uhr Andreas Sturm   Nachricht

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Korrektur: Der Kupferstich (Loschek 186) von Veit Stoß stellt keinen Mann, sondern eine Frau dar! Der Bildausschnitt im Loschek war zu klein, um das eindeutig zu bestimmen. Nachdem ich jetzt Nikolajs Buchtip in Händen halte, werde ich demnächst einen überarbeiteten Artikel zu dem Thema in die Bibliothek stellen. Andreas

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Eintrag #7 vom 10. Dez. 1999 09:17 Uhr Andreas Sturm   Nachricht

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Moin! Kreuzstich lass ich mal blank, dazu habe ich keine Informationen, ist mir allerdings auch noch nie im Zusammenhang mit Mittelalter begegnet. Was andere Sticktechniken angeht, findet man etwas in: Crowfoot, Elisabeth. Textiles and Clothing. London: HMSO, 1992. ISBN 0-11-290445-9. Einen schnellen ßberblick für die Zeit um 1100 bietet www.regia.org/embroid.htm Wer hat noch mehr? Ich wollte mich damit auch mal irgendwann auseinandersetzen. ;o) Andreas

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Eintrag #6 vom 10. Dez. 1999 08:40 Uhr Dara Siehoff   Nachricht

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Hallo! Hat jemand eine Ahnung, ab wann es den Kreuzstich gab? Oder was es sonst für Stickarten im 13. Jahrhundert , außer Filet und Nadelbindung.. Grüße…
Dara

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Eintrag #5 vom 07. Dez. 1999 08:20 Uhr Andreas Sturm   Nachricht

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Klingt interessant Nikolaj, muß ich mir nach den Feiertagen unbedingt mal ansehen! Der Ex-Textiltechniker in mir will keine Ruhe geben… ;o)

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Eintrag #4 vom 06. Dez. 1999 19:06 Uhr Nikolaj Thon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Nikolaj Thon eine Nachricht zu schreiben.

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Croeso! Ein Literaturhinweis sei noch gestattet: Irena Turnau, The Diffusion of Knittin in Medieval Europe, in: N.B. Harte / K.G. Ponting (Ed.), Cloth and Clothing in Medieval Europe - Essays in Memory of Professor E.M. Carus-Wilson (Reihe: Pasold Studies in Textile History 2), London 1983, 348-389. Dort werden u.a. Strümpfe, Schuhe, Kissen, liturgische Handschuhe bereits vor dem 13. Jahrhundert und eine bedeutende Zunahme des Strickens seit dieser Zeit belegt.
Beste Grüße Nikolaj (Arglwydd Rhisiart)

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Eintrag #3 vom 06. Dez. 1999 09:16 Uhr Andreas Sturm   Nachricht

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Hallo Silvia, das mit der Bibliothek ist keine schlechte Idee. Allerdings würde ich es begrüßen, wenn wir hier erstmal ein wenig abwarten, ob nicht jemand grobe Fehler entdeckt oder wichtige Ergänzungen beisteuern kann. ;o) Andreas

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Eintrag #2 vom 06. Dez. 1999 08:03 Uhr Silvia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Silvia eine Nachricht zu schreiben.

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Hey Andreas! Ich habe nichts besseres über Stricken, Naalbindung,…. gefunden. Ehr schlechteres. Mein Vorschlag: Würdest Du Diese Abhandlung der Bibliothek zur Verfügung stellen? Ich habe dort nichts ähnliches gefunden. Bzw. Gunter, wäre dieser Artikel nicht etwas für die Bibliothek??? Tschüs Aisling

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Eintrag #1 vom 04. Dez. 1999 10:20 Uhr Andreas Sturm   Nachricht

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Hallo! Man muß ja nicht immer Fragen als Ausgangspunkt in einem Diskussionsforum stellen. Ich habe mich in den letzten Tagen intensiv mit Stricken und seiner Bedeutung im Mittelalter befaßt und möchte das vorläufige Ergebnis hier zur Verfügung stellen (vorallem für die, die nicht den Threat “Johanna auf RTL” gelesen haben). Ich bin gespannt, wer noch weiteres zu dem Thema beitragen kann! _____________ Stricken ist eine schon sehr alte Technik zur Herstellung textiler Flächengebilde. Fundstücke belegen den Gebrauch bis 1900 v. Chr. Auch in der Antike waren Strickstoffe gebräuchlich, u. a. war ein Stricktrikot traditioneller Bestandteil der griechischen Theaterkostüme. Die flexible Strickware hielt Körperpolster am Platz. Es gibt auch Darstellungen von Hopliten mit regelmäßigen Zickzackmustern an Beinen und Armen, die man als Darstellung von Maschenware interpretieren könnte. Der römische “Soccus” hingegen ist kein Strickstrumpf, sondern ein pantoffelartiger Schlupfschuh, der zunächst die Fußbekleidung der antiken Komödienschaupieler war und von den Römern als Hausschuh, zunächst für Frauen, übernommen wurde. Der Soccus konnte teilweise aus Stoff, oder aber ganz aus Leder gefertigt sein (Kühnel 238, Loschek 418). Mit dem Niedergang der antiken Kulturen verlor auch das Stricken an Bedeutung in Europa, wurde wohl aber nie ganz vergessen. Es gibt auch Theorien, wonach das Stricken durch die in Spanien eindringenden Mauren wieder in ganz Europa verbreitet wurde. Im Hochmittelalter begegnet uns das Stricken vor allem in Italien wieder. 1254 wurde Papst Innozenz IV. mit gestrickten Handschuhen beigesetzt (Loschek 437 - 438). Gösta Ditmar-Trauth erwähnt auch ausdrücklich Funde von gestrickter Kleidung im deutschen Raum, die dem höfisch-adligen Bereich zuzuordnen sind. Er zählt das Stricken neben Sticken und Spinnen sogar zu den klassischen Tagwerken der Damen im Hochmittelalter (Ditmar-Trauth 154). Vereinzelt finden sich auch gestrickte “Strümpfe”, die aber genauso wie Beinlinge gefertigt sind, also flachgestrickt und dann rückwärtig zusammengenäht wurden. Um 1400 wird erstmals auf einem Gemälde von Meister Bertram (um 1340 - 1414/15) die Technik des Rundstrickens mit 4 Nadeln dargestellt (Kunsthalle Hamburg). Im 15. Jh. erscheinen gestrickte Baretts, Mützen und Handschuhe. Das Handstricken entwickelt sich zu einem anerkannten Handwerk, das auch von Männern ausgeübt wird. 1589 wird in England die erste Kulierwirkmaschine erfunden (und prompt aus Angst vor Arbeitsplatzverlust verboten). Im Unterschied zum Stricken werden beim Wirken alle Schlingen einer Reihe gleichzeitig gebildet (Eberle u.a. 74 - 79). Das entstehende Gewebe bleibt jedoch gleich. Angesichts der für eine solche Maschine notwendigen, komplizierten Feinmechanik, die höchste Anforderungen an die Schmiede der Zeit gestellt haben dürfte, ist dies ein phänomenaler Entwicklungsschritt und legt den Schluß nahe, dass Strickware durchaus als wichtig und nützlich erachtet wurde, aber wegen der langsamen Handarbeit bis zur Mechanisierung auf breiter Basis nicht mit Geweben und Vliesstoffen konkurrieren konnte. Die Nadelbindung/ Naalbinding gehört wie das Stricken zur Familie der Ein- oder Querfadenware. Beiden gemeinsam ist, dass aus einem Einfadensystem durch Maschenbildung die sog. Maschenware hergestellt wird (DIN 62050, Adebar-Dörel, Völker130). Die Art der Maschenbildung unterscheidet sich jedoch vom gewöhnlichen Stricken sehr stark und ist zeitraubender. Während beim Stricken/ Wirken eine Masche jeweils nur mit der darunter und darüber liegenden zu einem Maschenstäbchen verbunden ist, ist eine einzelne Naalbinding-Masche jeweils mindestens mit 4 weiteren Maschen verbunden (ähnlich dem “4 in 1”-Muster eines Kettengeflechts). Die Nadelbindung war im alten ßgypten bekannt. Im europäischen Mittelalter war sie vor allem im skandinavischen und slawisch/ baltischen Raum verbreitet. In Zentral- und Westeuropa finden sich nur wenige Beispiele für diese Bindungsart; meist aus dem hochadligen oder klerikalen Umfeld [7]. Hauptsächlich wurde die Nadelbindung zur Herstellung von Fäustlingen angewandt. Im englischen York wurde bei Ausgrabungen auch eine mit dieser Technik hergestellte Socke aus dem 10 Jh. n. Chr. entdeckt, die wohl bis zum Fußknöchel reichte. Das Museumsdorf Düppel hat in jüngster Zeit Versuche angestellt, mittels Nadelbindung Gugeln für den bäuerlichen Gebrauch herzustellen [8]. Da durch die Eigenart der Maschenbildung eine Mechanisierung des Arbeitsvorganges unmöglich ist, hat diese Maschenware nach Einführung der Kulierwirkmaschine ihre Bedeutung für die Textilproduktion in Europa verloren und findet sich heute hauptsächlich noch in Zentralasien. Eine weitere Technik, die der Nadelbindung ähnelt und im europäischen Mittelalter auch in unserem Raum gebräuchlich war, ist das “Filet”. Eigentlich wird das Filet unter den “gestickten Spitzen” eingeordnet (Loschek 422), bei der die textile Fläche mittels Verknoten eines endlichen Fadens hergestellt wird. Dabei muß der Fadenanfang versteift sein, also z. B. in eine Nadel eingefädelt sein, da die gesamte Fadenlänge durch die Maschen gezogen werden muß. Damit man nicht dauernd einen neuen Faden anknoten muß, kann man den Faden um eine längliche Spule wickeln. Es entsteht ein netzartiger Grund, in den man dann Muster einarbeiten kann. Nach Loschek (437) stellt Filet wahrscheinlich eine Vorform des gewöhnlichen Handstrickens dar. Ein Kupferstich (Loschek 186) von Veit Stoß stellt um 1480 einen Mann (also vielleicht einen Handwerker?!) dar, der mit einer solchen Spule am Saum eines Hemdes arbeitet. Die Art der Darstellung (viele, sich im rechten Winkel kreuzende Linien, was die netzartige Struktur des Filet andeuten könnte) legt nahe, dass das gesamte Hemd in dieser Technik hergestellt wurde. Es scheint fast so, als ob das Bild von den Leinen- und Seidenunterhemden, das sich in vielen Köpfen festgesetzt hat, etwas revidiert, bzw. erweitert werden müßte… ;o) Noch etwas zur Begrifflichkeit: Das Wort “Spitze” findet sich zwar bereits im Althochdeutschen (spizza, spizzi, mhd. Spitze), bedeutet dort aber noch Garngeflecht oder gezackte Borde. Erst im 17. Jh. nimmt es die heutige Bedeutung an, davor waren “Zinnichen” und Zinnigen“ gebräuchlich. Andreas Sturm ___ Adebar-Dörel, Lisa und Ursula Völker, Von der Faser zum Stoff: Textile Werkstoff- und Warenkunde, 31., überarb. Auflage (Hamburg: Handwerk und Technik GmbH - Dr. Felix Büchner, 1994), ISBN 3-582-05112-9 Ditmar-Trauth, Gösta. Rüstung, Gewandung, Sachkultur des deutschen Hochmittelalters. Wald-Michelbach: Karfunkel-Verlag, 1999. ISBN 3-9805642-3-1. Eberle, Hannelore [u. a.]. Fachwissen Bekleidung. 4., überarb. Auflage. Haan-Gruiten: Europa Lehrmittel, 1995). ISBN 3-8085-6204-8. Hutchinson, Elaine. ”Nalebinding". Anglo-Saxon and Viking Crafts. Website. Regia Anglorum Publications. 1999. www.regia.org/naalbind.htm

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