in Württemberg war im MA Wein das verbreitetste Getränk. Es wurden zeitweise so große Mengen angebaut, daß im 16. Jahrh. bei guter Ernte in Stuttgarter Wirtschaften für die kleinste verfügbare Münze so viel Wein zu bekommen war, wie ein gestandener Mann nicht auf einmal trinken konnte. Noch im 18. Jahrh. hat Herzog Karl Eugen das Mosten sogar verboten, um den Weinbau noch mehr zu fördern.
Dünnbier: In Schweden ist es so, das alles mit mehr als 3,5% Alkohol nur in Staatseigenen Alkoholläden verkauft werden darf (sogenannte Systembolagets). Daher wird im Supermarkt nur “Lättöl” - Leichtbier verkauft. Das gibt es mit 1.6, 2.8 und 3.5 Vol.-% und in vielen Sorten, die man durchaus trinken kann ohne ein Brechreiz zu verspüren. Vielleicht kommt man ja auch in Deutschland irgendwie an “ßbro” oder “Norlands Guld” oder man kennt jemanden, der regelmäßig nach Schweden fährt… :)
ich stimme Dir da völlig zu. Wenn Obstsaft unbehandelt ist, dann verdirbt bzw. gärt er sehr schnell. Ich habe bisher auch in keiner Quelle etwas über die Verwendung von Säften gelesen. Aus der Praxis heraus rate ich zu dünner Weinschorle oder auch Mostschorle. Interessant wäre auch mal Dünnbier, aber da habe ich leider noch keinen Lieferanten gefunden.
Im arabischen Raum gibt es übrigens Quellen für stark gesüßte Sirupe, die ebenfalls mit Essig oder Zitrone gesäuert wurden.
Gestern haben wir uns per Zuall mal Gedanken über Saft und andere Getränke gemacht. Heute ist ja Saftschorle ganz normal. Aber vor 20 Jahren hat das damit erst angefangen. Vor 30 Jahren noch wars unüblich. Ich habe in der Familie meines Mannes (Landwirte) herumgefragt, was da so früher getrunken wurde. Da hat man zur Feldarbeit Essigwasser getrunken und es gab halt “grünes Bier”, hier als Kofend erwähnt. Viele Bauern hatten ein Braurecht, was genossenschaftlich bei einer Dorfbrauerei bei uns im Nachbardorf (irgendwo in Franken) bezogen wurde. Diese Genossenschaft gab es noch vor 10 Jahren und wurde leider durch das EU Lebensmittelgesetz plattgemacht. So stand damals im Keller dieses Grüne Bier mit wenig Alkohol und wurde die ganze Woche über getrunken - auch von den Kindern - (noch in den 70ern). Es war üblich, das schon zum Frühstück zu tun (und es waren keine Alkoholiker - das machte man überall so) -Apfelsaft gab es nur ganz selten. Im Herbst kamen die Bauern zum Nachbargehöft zusammen und haben Most gepresst. Der süße frische Saft war bei den Kindern sehr beliebt und wurde an Ort und Stelle verzehrt (auch wenn es hinterher Bauchschmerzen und Durchfall gab - es war etwas besonderes). Der Saft wurde in große Fässer abgefüllt und in den Keller gestellt. Dann ist er dort vergoren und wurde immer sauerer (was den Kindern dann nicht mehr geschmeckt hat). Ansonsten kannte man eigentlich kaum Apfel- oder andere Obstsäfte. Das Obst wurde so eingelagert. Wenn also Apfelsaft vor 30 Jahren noch eher eine Ausnahme war - wie wird es dann wohl im MA gewesen sein? Wie hätte man abgekochten Most luftdicht lagern können? Tonflaschen? Die lassen zuviel Luft durch. ßl auf den Saft gegeben? Bei uns war auch vor 30 Jahren noch sehr unüblich, überhaupt ßl zu verwenden. Die Alten haben den Salat noch mit Schweineschmalz angemacht. Ich habe schon oft versucht, meinen Traubenmost, der jeden Herbst anfällt, ohne Abkochen haltbar zu machen. Er gärt schon nach ein paar Stunden. Was hat das uns zu sagen? Saft war was ganz besonderes und bestimmt hat man das nicht zu jeder Gelegenheit getrunken. Ich würde darauf jedenfalls auf einer VA verzichten. Als Alkoholfreies Getränk sehe ich eigentlich nur Wasser mit einem Schuß (Obst-)Essig oder blank als einzige Alternative. Oder sollten wir damit völlig daneben liegen? Ich fände es interessant, auch mal in anderen ländlichen Gegenden die alten Leute nach ihren Trinkgewohnheiten von früher zu fragen. Wer weiß darüber?
>Kann mir vielleicht jemand mit Quellen zur >Bierherstellung weiterhelfen.Zum Beispiel mit >Rezepten,Abbildungen von Braukesseln und andere für >die Bierherstellung genutzten werkzeugen.Zu guter >letzt suche ich auch Quellen in denen die >Brauverfahren beschrieben sind die die Mönche >verwendet haben.
Kann mir vielleicht jemand mit Quellen zur Bierherstellung weiterhelfen.Zum Beispiel mit Rezepten,Abbildungen von Braukesseln und andere für die Bierherstellung genutzten werkzeugen.Zu guter letzt suche ich auch Quellen in denen die Brauverfahren beschrieben sind die die Mönche verwendet haben.
die meisten Bierkeller wurden noch im Mittelalter angelegt, allerdings fast immer erst im späten Mittelalter und an der Wende zur frühen Neuzeit (14.-16. Jh.). Ausserdem wurden die Keller auch später immer wieder umgebaut und erweitert.
In vielen Gebieten Mitteleuropas findest Du solche Keller, so z.B. im westsächsisch-thüringischen Raum. Suche z.B. im Netz mal nach “Höhler” in Gera www.gera-hoehler.de
Oder schau mal in Franken bzw. in Bier-Franken, z.B. in Bamberg oder Forchheim. In Bamberg geht man noch heute “auf´n Keller” und dahin z.B. durch die Eisgrube.
Googel Dich einfach mal bisschen durch die Gegend, da findest Du noch viel mehr zu Bier und Bierkellern im Mittelalter.
Freunde von uns wohnen schon lange in der Oberpfalz in einem Haus, welches im Mittelalter als Wirtshaus (“Brauhaus”) gebaut wurde. Zu der in Sichtweite auf dem nächsten Berg gelegenen Burg (soweit ich mich erinnere aus dem 13. Jh.)soll auch im Berg zum alten Brauhaus hin ein alter Versorgungsstollen führen (der Eingang ist in der heute als Garage genutzten Vorratskammer/Scheune noch sichtbar - der Gang ist aber leider verschüttet). Gegenüber dem ehemaligen Brauhaus sprudelt noch immer die damals genutzte Quelle und einen Steinwurf entfernt ist auch der damals schon genutzte Bierkeller (mit Eisluke für das Kühlmaterial). Der wurde m.E. auch noch bis in die erste Hälfte des 20. Jh. zu diesem Zwecke genutzt - heute leider auch nicht mehr.
also zum Thema Apfelessig o.ä. mit Wasser muss ich sagen dass das zwar fies klingt und evtl. gewöhnungsbedürftig ist aber gar nicht mal schlecht schmeckt… gerade im Sommer… (richtige Mischung vorausgesetzt)
Dann nochmal Thema Bier.
Ich habe weiter oben gelesen dass Bier im “kühlen Keller” gelagert wurde, und auch der Einwand dass wohl nicht jeder auf dem Lande einen eigenen Keller hatte.
Ich weiss nicht wann aber es gab (und gibt sie ja teilweise noch) die “Bierkeller”, also quasi Höhlen in Stein oder schattigen Hängen wo das Bier kühl gelagert werden konnte. War das evtl im MA schön üblich?
Ich weiss nur dass bei uns im Ort (wo ich als Kind gelebt habe) bzw. etwas außerhalb ein Ort ist der sich immer noch Bierkeller nennt, jedoch schon sehr lange nicht mehr genutzt wird.
Allerdings war “unser” Bierkeller nur ein Zwischenlager, wo mittlerweile nicht mehr ganz so kaltes Bier abgeladen und neues kühles Bier aufgeladen wurde um mit dem Pferdewagen weitertransportiert zu werden. Soweit ich weiss gibt/gab es bei diesen Bierkellern aber auch häufig einen Ausschank.
Ist das eine neuere Methode oder ist dies eine Art “Keller” wie es weiter oben evtl. schon gemeint war?
Ich stimme Claudia da zu, Essig ist nicht gleich Essig.
Bei Apfelessig zum Beispiel kann der Schuß relativ großzügig bemessen sein, ab einer gewissen Menge förderts dann aber massivst die Verdauung ⇒ Wird beim Flüssigfasten auch als Starthilfe um den Magen-Darm Trakt empfohlen.
Weinessig wiederrum ist ja mehr oder weniger nur saurer Wein, also schon was anderes als Branntweinessig.
Aber auch hier macht die Dosierung das “Gift”.
Ich würde einen Liter Wasser löffelweise mit Wein oder Apfelessig anreichern und sehen, wanns paßt.
Na ja, Verduennen und Verduennen ist ein Unterschied. Bei Essigwasser darf man wirklich nur einen kleinen Schuss reinmachen. Und keinen Branntweinessig oder gar Essigessenz nehmen! Die gabs eh im MA noch nicht und die sind auch viel zu konzentriert und schmecken nach nichts ausser Saeure. Auch keine Mischungen von Wein- und Branntweinessig nehmen.
Apfelessig oder ein Weiss- oder Rotweinessig sollte ok sein.
ßhm … stimmt. Verdünnter Wein ist im Mittelmeerraum (und nicht nur dort) ja auch heute noch normal … und schmeckt manchmal grausam :) Was ich aber bisher immer dachte ist, daß es sich bei “diesem” Essig um Apfelessig handelt. Ich hab’s zwar nicht selbst als Quelle gelesen, aber die Vertreiber von dem Zeuch (man muss sich wirklich erst dran gewöhnen) behaupten häufiger mal, daß verdünnter Apfelessig schon bei Hildegard von Bingen erwähnt wird. Damit würde die Zeit ja wohl passen …
per zufall habe ich in einer bibel bei der worterklärung gelesen, dass der erwähnte essig (mit wasser verdünnt als erfrischungsgetränk unter anderem bei röm. soldaten beliebt) nicht unserem essig entspricht, sondern ein wenigprozentiger, etwas saurer wein war. unserer essig mit wasser verdünnt ist mir nach einem selbstversuch nicht so gut beckommen.
weiss jemand ob sog. saurer most getrunken wurde? bei uns in der region ist das in der heissen jahreszeit ein sehr beliebtes getränk.
Sybille Schröder, Höfisches Leben und Alltag am Landgrafenhof von Thüringen zur Zeit der heiligen Elisabeth. Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 57, 2003, 9-42, hier 21:
“Nach Auskunft der Isentrud hat Elisabeth vermutlich den Wein als rechtmäßig angesehen, der von den Weinbergen ihres Gatten stammte. Fraglich ist, ob auch anderer Wein, der aus Frankreich stammte und möglicherweise eine höhere Qualität aufwies, konsumiert wurde.
Vielfach belegt ist auch, daß das in der Regel noch nicht durch Hopfen konservierbare Bier (cervisia) am Hofe getrunken und vermutlich direkt dort gebraut wurde. Das erfahren wir, weil Elisabeth nach dem Zeugnis der Isentrud Reste von cervisia an Arme verteilt habe, wobei sich der Krug nicht geleert habe - der seltene Fall, daß in christlichen Wundern das Bier und nicht Wein oder Wasser eine Rolle spielen [Anm. 46]. Die Vita Ludowici vermeldet hingegen, Ludwig hätte sein Lebtag keine cervisia getrunken und keine Heringe bzw. gesalzenen Fisch gegessen [Anm. 47]. Dieser Verzicht auf sehr weit verbreitete Nahrungsmittel kann als Verweis auf eine verfeinerte Kultur der Ernährung bei Hofe verstanden werden. Die Vermutung, daß eine asketische Haltung betont werden soll, scheint eher unwahrscheinlich.
45 Siehe Libellus, S. 20, Z. 532-535: ”Quandoque tantum potum licitum, forte de vineis mariti sui, dixit: -Modo tantum bibetis’.-
46 Siehe ebd., S. 29f., Z. 834-843: “Quibus cum quadam die post elemosinam distributam in quodam vase reliquias potus cervisie modice quantitatis distribueret omnibusque dedisset, fere nichil in cantaro diminutum videbatur, sed tantum remansisse, quantum prius fuerat.”
47 Siehe Leben des Heiligen Ludwig (wie Anm. 9), I.4, S. 9, Z. 2-5: “Eine seltsame wise her an om hatte von jogent biz in sinen tot, daz her birs unde heringe noch ni enpeiz, alse spricht der dir iz wole weiz.”; vgl. Cronica Reinhardsbrunnensis (wie Anm. 9), S. 563, Z. 27 f.: “Ipse ab infancia nec allecia comedit nec cervisiam bibit usque ad diem mortis sue.” "
Ich hatte mal ein Seminar zur bäuerlichen Hauswirtschaft in der frühen Neuzeit zu machen. Da ging es speziell u. A. um ein albertinisches Gut Mitte des 16. Jahhunderts (also nicht wirklich MA). Dabei habe ich auch die Wirtschaftsbücher bezüglich des Nahrungsmittelverbrauches ausgewertet. Ein paar Details sind mir noch in Erinnerung, nämlich, daß bei etwa 30 Menschen in einem Jahr neben einem halben Schwein, einem Huhn und einigen tausend Heringen auch etwa 20 Liter Bier und knapp 20.000 Liter Kofend (!) verbraucht wurden. Das ist etwa eineinhalb Liter pro Kopf und Tag für jeden vom Säugling bis zum Greis.
Wenn ich mal gut nachgrabe finde ich vielleicht sogar noch die Quelle, ist aber eben schon ein Jährchen her …
Das Kofend dürfte dem im bayrischen dem Schöps entsprechen,
einem Nährbier mit nur 0,5% Alkohol.
das mit den paar Wochen Lagerfähigkeit kann ich da auch bestätigen, was auch der Grund dafür ist dass es nicht meht kommerziell gebraut wird.
Ausser in einer Braugaststätte in München - dem Weissbräu im Tal.
Dem dortigen Braumeister zufolge ist dieses Bier bis in den Anfang des 19. noch tatsächlich als Wasser“ersatz” bei Bauern, Tagelöhner - nunja der schwer arbeitenden Bevölkerung benutzt - und - wegen dem Kaloriengehalt - auch Säuglingen verabreicht worden.
Weiterer Hintergrund tatsächlich auch die mehr als schlechte Qualität der Brunnenwässer.
Inwieweit diese Brautradition ins MA übertragbar ist entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.