Habe ein Rostproblem, bei dem mir bislang noch niemand richtig helfen konnte. Und zwar habe ich, zugegeben beim Trödler und sehr günstig, eigentlich auch nur zu Dekorationszwecken ein Paar indischer Säbel erstanden, deren Klingen mit einem recht schönen, geätzten Muster verziert, aber auch sehr, sehr rostig sind. Von Flugrost kann hier nicht mehr die Rede sein. Nun möchte ich diese dicken Rostflecken gerne entfernen, ohne die Verzierung zu beschädigen. Hat da jemand einen guten Tipp, der vielleicht nicht gleich mit Schleifpapier und Stahlbürste zusammenhängt?
Ich hab ein vernietetes Kettenhemd günstig erstanden. Aber es war richtig übel angerostet(deshalb auch der geringe Preis). Nach anfänglichen Experimenten mit Rostumwandler aus dem Baumarkt (geht bei Flächen aber bei Kettengeflecht braucht man zuviel = teuer)und Cola (zu schwach) habe ich es mit Essig versucht. Nach dem “einweichen” noch abgebürstet und das Hemd war wunderbar blank auch an den Nieten. Allerdings konnte ich zusehen wie es wieder rostig wurde, trotz abspülen und trocknen mit einem Fön (war wohl doch noch Säure dran). Nun habe ich das Hemd nach einer erneuten Behandlung mit Essig direkt in 110°C heisses Altöl getaucht. Noch schnell den ßlüberschuss mit einem Leinen-tuch entfernt und siehe da es bleibt blank.
Ich habe meine Sachen immer mit dem gute alten “Elsterglanz” gereinigt, und anschließend mit normaler Handcreme eingecremt, das Schwert lag (wegen Unachtsamkeit) ein Wochenende im nassen Rasen, und es ist nicht gerostet!
bei Plattenteilen hat sich einreiben mit Melkfett sehr gut bewährt, es ist sehr billig und stinkt nicht so wie die Speckschwarte. Wer sein Schwert nach jedem Mal Gebrauch am (vom Kettenhemd öligen) Gambeson abwischt hat nie mehr Probleme mit Rost. Kettenhaube auf die Türmatte oder ein Stück alten Teppich legen und mit dem Fuß ribbeln löst den Rost. Danach mit einem fettigen (Melkfett) Lappen abgewischt und es bleibt geschützt. Kettenteile in einem Leinensack aufbewahren, nachdem man sie mit Melkfett eingerieben hat (nach einer Saison ist der Sack so fettig, daß man die Teile nicht mal mehr abreiben muß). Schwerter mit Melkfett und Zeitungspapier abreiben hilft auch.
Fazit: Melkfett rult! Es greift die Lederwicklungen und Riemen nicht an, imprägniert Nähte, stinkt nicht und legt einen Schutzfilm über Metallteile. Außerdem pflegt es die schwieligen Hände beim Putzen :-)
Für Aufbewahrung zuhause behandleich meine blech- und Flachstahlartikel mit Olivenöl von Aldi. Zum einen folge ich damit einem Tip von einem Altmeister der Waffenkunde, der schon um 1890 schrieb: Rost besser neutralisieren als abscheifen, weil durch Schleifen zuviel der Substanz verlorengehen kann. Olivenöl hat eine minimale Säure, die Flugrost recht gut anlöst. Einreiben, 24 Stunden stehenlassen, mit fusselfreiem Lappen abreiben. Es klappt. zumindest, wenn die Teile nicht total eingemockert sind.
Zum Zweiten taugt das Ganze auch zum Einmotten über den Winter- das ßl verharzt, und in verbindung mit eventuellem abgesetztem Staub ergibt sich ein feiner Schutzfilm, den ich im Frühjahr wiederum mit Olivenöl und feinster Stahlwolle aus dem Baumarkt runterpoliere.
Bei Blechteilen mit dem standard-tschechischen Drahtbürstenfinish hilft bei Regen nix außer Einreiben mit einer Speckschwarte- ist erprobt!
Da hilft eigentlich nur polieren oder bemalen.
Ballistol taugt dafür nix, denn so leicht, wie es in Poren und Kratzer des Metalls kriecht, ganausoschnell ist es wieder ausgewaschen, sobald der erste Regentropfen drauf fällt. Da es auch nicht verharzt, taugt es zum Einmotten nur bei komplettem Eintauchen.;o)
Ballistol heißt Waffenöl, weil es für die Schmierung der Feinmechanik bei Feuerwaffen entwickelt wurde und dafür Kriechfähigkeit und Verharzungsresistenz braucht- und nicht etwa, weil es ein Spezial-Schwertpflegeöl ist.
Reine Lederscheiden würde ich am ehesten aus sämisch gegerbtem Leder nähen, da in solchermaßen fettkonserviertem Material nicht die metallzersetzenden Gerbstoffe anfallen, die im Lohgerberleder sitzen.
Für Kettenzeug hilft nur dauernd ölen und dauernd reinigen.
Laut Akte Rep. Z.134 des Berliner Zeughauses wurden 1828 mehrere Gewehrläufe ein dreiviertel Jahr mit einem Konservierungsmittel eingestrichen und absichtlich unter ungünstigen Bedingungen gelagert. Es handelte sich um ein Eisenfirnis aus Bernstein, Gummi, Kopal, Kolophonium und Terpentinöl. Ergebnis: keine Roststellen, Firnis blieb hart und durchsichtig.
Hintergrund: Das Zeughaus war damals noch unbeheizt.
Vielleicht hat der ein oder andere 19. Jh. Reenactor ja mal Lust, das auszuprobieren.
Gruß
Joachim,
der sich wünscht, daß das Zeughaus nun langsam endlich mal wieder seine Pforten öffnen möge
die berühmte “Watte” heisst “NEVR DULL” (kein Schreibfehler) und ist im Autozubehörhandel zu kriegen…einfach fantastisch für alles Metallische! Es enthält ein leicht aggressives ßl, das auch nach der Behandlung eine schützende Schicht bildet.
Rost ist etwas wunderbares, denn Rost verdanke ich meine ursprüngliche Beschäftigung in meiner Fa. (448 überlagerte sehr wertvolle Bahngetriebe drohten zu verrosten). Deswegen habe ich mich mit dem Thema beschäftigt.
Man unterscheidet erst mal Flugrost, der noch keine Krater hinterlassen hat. Denn entfernst Du ohne Kratzer mit Polierwatte, die die Biker für ihre Chromteile benutzen. Die Watte ist mit irgendetwas benetzt, deswegen vorsicht: Oberflächenbeschichtungen können angegriffen werden. Rückstände nach Reinigung gut abwischen. Auch Balistol soll Rost etwas anlösen, bin selber davon aber nicht sehr überzeugt.
Hat der Rost schon Krater hinterlassen, raten unsere Zahnradexperten dazu, diesen von Hand (!) mit Schleifpapier vosichtig zu entfernen. Bei jedem Durchgang mit der Körnung immer feiner werden, dann sollte es hinterher wieder gut aussehen.
Sind die Krater zu tief (wie bei meinem Bodenfund-Säbel), muß man mit ihnen leben, denn vollständige Beseitigung würde die Substanz zu sehr angreifen bzw. nicht mehr viel übriglassen.
Der Hökerer in Bremen bietet einen Rostschutz an der auch in der Metallrestauration und Denkmalpflege angewendet wird. Nach seiner Aussage nehmen Metallteile die damit behandelt wurden sind kein Rost mehr an, auch wenn sie im Regen gelegen haben. Adresse müste im Karfunkel stehen.
Was bei rostigen Kettenhemden helfen soll: in einen Kissenbezug o.ä. stecken und in einer Waschmaschine trocken schleudern. Die Ringe scheuern dabei selbsttätig den Rost ab. Achtung: den Tip habe ich nur aus zweiter Hand und damit keine Ahnung ob der Rost weitgehend verschwindet, wie anschließend die Waschmaschinentrommel aussieht oder die in der Folge darin gewaschene Wäsche. Gruß
Hi, mal eine ganz andere Art sein Kettenhemd zu Entrosten: Falls ihr eine Firma in der nähe habt, die galvanisiert, könnt ihr dort mal Fragen, ob die Kette ins Säurebad darf (vorher aber vom gröbsten Rost mit der Drahtbürste enfernen), ist zwar hochmodern, hilft aber. In diese Sinne… Andrés
Patentrezept? Klar: ßl. Immer schön putzen, einölen und nicht im Dreck rumliegen lassen. Der Nachteil: Arbeit. Der Vorteil: kein Rost und man stinkt immer lecker nach ranzigem ßl. Toll, was? Gruß
Eine Möglichkeit waere, das Eisenzeug in Altoel zu kochen (kurz vor dessen Flammpunkt). Das Oel dringt dabei in Mikrorisse des Metalles und zwischen dessen Korngrenzen ein und setzt sich dort fest. Dann flammt ihr das Zeug ab und koennt es benutzen. Das Oel tritt noch monatelang ganz fein aus dem Blech aus und benetzt es mit einem duennen Film. Das reicht, um es anschliessend mit Papier immer wieder rostfrei zu reiben (ohne Abrieb!). Die durch das Abflammen entstehende dunkle Metallfarbe ist aehnlich einer Patina. Schleifen und polieren konnte sich frueher zeitlich kaum ein Ruestungstraeger leisten. Die haetten sich totgeschliffen und gleichzeitig ihre Ruestungen ruiniert, denn die werden dabei jedesmal duenner! Uebrigens, das bereits erwaehnte Trockenzeug nennt sich “Silika-Gel” und ist eine komplexe Salzverbindung mit stark hygroskopischen Eigenschaften. Es kann nach der Saettigung mit Wasser bei etwa 170°C im Backofen regeneriert werden und eignet sich dann wieder zum Trocknen. Ansonsten verliert das Zeug mit jedem Einsatz an Trocknungsvermoegen! Rostvorsorge kann man auch mit gewöhnlichem Hartwachs für Autos treiben. So geht´s: Schwert oder Ruestung nach Gebrauch abwischen, mit Wachs einreiben und lagern. Vor Gebrauch kurz abpolieren (mit weichem Wollappen oder Tissuepapier) und benutzen. Neben dem Schutzeffekt kann man so auch den Glanz des Metalles erhoehen.