ich hab mir für den Einstieg aus unserer Bücherei folgendes Buch besorgt:
2000. 64 S. m. zahlr. Farbabb. 26,5 cm
Augustus Verlag
Grundkurs Einband: Gebunden
Hardcover
Grundkurs
Best.-Nr. 7633431
ISBN-Nr. 3804305768
Preis: EUR 16,00
Dort ist erstmal die Technik an sich beschrieben, angefangen von der Ausstattung Material etc. über die ersten Bälle, bis dann hin zu aufwendigeren Werken wie z.B. Schuhen.
Die Beschreibungen sind ganz gut, aber ich hab dann den letztendlichen Einstieg über einen 2-Stunden-Sonntags-Nachmittagskurs bei einer Bekannten gemacht. Es ist ganz gut, wenn man das Auslegen, Brühen, Seifen, Schlagen einfach mal gesehen hat, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Tipp wäre hier z.B. mal ein Museumstag in einem Freilichtmuseum zu besuchen und sich dort mit einer Filzerin zu unterhalten und sich das anzuschauen.
Ansonsten eben - günstige Wolle zum rumprobieren besorgen. Am besten aber eine Sorte, die bekannt dafür ist, daß sie gut filzt. Ich arbeite z.B. gerne mit Gotlandwolle. Dann das Auslegen und filzen mal an einem 20×20cm-Quadrat ausprobieren. Bei den ersten Versuchen hat man noch massig Löcher, wenn man’s gegen’s Licht hält. Da hilft nur üben und rumprobieren :)
ich habe auf dieser komischen “Filz”-Ausstellung, die voriges Jahr durch die Lande zog, einen Film gesehen, in dem man einen alten ungarischen Hutmacher bei der Arbeit beobachten konnte. War ziemlich ausfuehrlich; einziges Manko war, dass die Kommentare ungarisch waren und der Film nicht untertitelt. Man hat aber ziemlich viel gesehen.
Der Mann hat, soweit ich das gesehen habe, ueberhaupt keine Gaze o. ae. benutzt.
Er hat das Vlies am Anfang vorsichtig angeklopft, dann gerieben (Das allererste Auslegen des Vlieses habe ich allerdings nicht gesehen, weiss nicht was er da zum Trennen benutzt hat). Zum staerker werdenden Walken hat er Rundhoelzer verschiedener Staerke benutzt.
Er hatte dafuer einen leicht abfallenden Arbeitstisch mit angebauter Wasserbuette/Kiste davor.
Also: Filzteil nassmachen, Holzrolle an einer Seite drauflegen, fest einrollen, so dass das Wasser rausgepresst wird, wieder nassmachen usw.
Durch die Konstruktion des Tisches lief das Wasser gleich wieder in die Buette, so dass nichts herumplemperte.
Er hat auch immer wieder die Stelle gewechselt, an der er angefangen hat zu rollen und nach ein paarmal Rollen den Hut anders zusammengelegt, damit das Innere nicht verfilzt(am Anfang oefter, spaeter seltener).
War eine der wenigen informativen Sachen auf dieser Ausstellung und der Grund, warum ich das Eintrittsgeld nicht als rausgeworfen betrachtet habe.
ich hab das Filzen in einem Sonntagsnachmittagskaffeekurs mit “Blusterfolie” (das Verpackungsmaterial, das man unter den Fingerspitzen “ploppen” lässt :) gelernt. Andere filzen mit Schilfmatten made by IKEA, wieder andere mit Gardinen.
Aber: Wie wurde DAMALS gefilzt, womit zusammengerollt und geschlagen? Wie machen’s eigentlich heutige Völker, wie z.B. die Mongolen, wenn sie keinen Zivilistationmüll verwenden?
@Thomas:
Es gibt sogenannten “Kreuzplezflor”, den man einfach passend zuschneidet, übereinanderlegt, wie dick man’s haben möchte, und filzt. Sehr bequem - aber teuer.
Besser ist Kardenband, z.B. Gotland. Das kann man sehr bequem zupfen und auslegen.
hat jemand Ahnung, was alles im 13. Jahrhundert aus Filz hergestellt wurde?? Nur Hüte oder auch Schuhe, Handschuhe etc???
Da die Feinheit des Filz stark dadurch beeinflußt wird, welches Material man zur Verfügung hat (Merinos gab´s nur in Spanien) Kennt jemand Belege, wie Filze im 13. Jhd. in Deutschland aussahen? Womit (Schafsrasse) sie hergestellt waren??
Vielleicht kann mir jemand von Euch ja mit ein paar Tipps weiter helfen. Danke.
Ich ziehe den fertig gewalkten Hutrohling über meine Hutform und bügel (mit Druck) mit einem Dampfbügeleisen drüber. Der Filz passt sich so optimal der Hutform an, wird noch etwas dichter und die Oberfläche weniger “fusselig”.
die Feinheit des Filzes ist stark von der Wollart und ihrer Behandlung ab. Wenn ich feine Wolle, wie Merino verarbeite gehe ich folgendermaßen vor:
Zum Anfilzen der Wolle benutze ich eine alte Gardine oder Fastnachtstüll, den ich einfach über die trockenen Wolllagen ausbreite. Dann die Lauge drauf und los geht’s. Darauf achten die Gardine regelmäßig wieder abzuheben, damit sie nicht mit einfilzt. Auch beim Walken, solange dies noch in der Rolle geschieht, benutze ich sie als Zwischenlage. Hohlformen, wie z.B. Hüte drehe ich nach dem Aufschneiden und Form entnehmen zum Schutz auf links, bearbeite also die spätere Innenseite und schone somit die Struktur der Außenseite. Allerdings macht die Wollart viel aus, man macht halt aus einer Runkelrübe keine Ananas.
in letzter Zeit zieht eine Ausstellung zum Thema “Filzen” herum. Habe ich in Dresden gesehen, war wohl zuvor auch in Krefeld.
Gibt nicht viel her, netter Film dabei zum Thema “Hutmachen” (in Ungarisch? ohne Untertitel), sonst fast alles modernes Zeug, aber einen interesanten Hut (Replik) hatten sie.
Nennt sich “Filzhut von Bargerfehn”, liegt wohl im Textilmuseum Neumünster und wird auf spätes 13. bzw. 14 Jhd datiert.
Aussehen: Krempe umlaufend, vorne hochgebogen, hinten in den Nacken herabhängend. Interessant: die Kalotte über und über mit Wollfäden durchsetzt, dadurch “pelzartiges” Outfit.
wenn ich Euren Tips folge, habe ich danach ein flaches Filzstueck, das so gross ist, dass ich daraus einen Hut machen kann. Wie kriege ich nun aber die Kalotte ausgeformt?
Habt Ihr Euch dazu ein Modell gemacht und wenn ja, wie und woraus?
Dann noch was zur Vorbereitung: Wie bereitet Ihr die Wolle zum Filzen vor?
Bei meinen ersten Versuchen (ergab prima Schuheinlagen, aber fuer einen Hut waer’s mir nicht fein genug)habe ich die Wolle gezupft und moeglichst gleichmaessig dachziegelartig in mehreren Schichten ausgelegt. Duenne Stellen im Filz hatte ich nicht, aber die Oberflaeche wurde nicht so fein, wie man das von kaeuflichem Filz bzw. gar von Hueten kennt.
Kardiergeraet habe ich nicht und wuerde es mir anschaffen muessen.
Sehr interessant dieser Thread. Nachdem wir gerade auch in unserem Verein (mal wieder) über GAB-ES-DAS-SCHON gesprochen wurde, gebe ich die Frage an die Expertenrunde weiter.
Wofür wurde Filz verwendet?
Soweit ich in dem Thread gelesen habe wurde es für Hüte und für schützende Kleidung verwendet. Heißt dies, für sonstige Kleidungen tabu? War es ein eher einfacher oder ein teurer Werkstoff? Ganz doll würde mich die Verwendung im späten Mittelalter interessieren.
Materialien für Hüte im MA waren Hasenhaar (Biber), Seidenfasern, Schaf.
Quelle ist ein Buch, das ich nicht mehr habe über Filzerei (das hab ich mal als Handwerk gemacht), daher auch nur dies. In diesem Werk wurden die Hüte Philipps des Schönen erwähnt, und ein Fund aus einer Grabstelle des 12. Jhdt. in Byzanz.
Fasern wie Seide waren eingemischt in die Filzwolle.
Neulich in der Sendung “Die letzten ihres Standes” (übrigens sehr sehenswert) war ein Hutmacher, der neben Schafswolle für seine Filzhüte auch noch Hasenhaar verwendet.
Das geht also auch, jedoch fehlt mir dafür der Beleg fürs Mittelalter.