Baumwolle Die Samenfasern des tropischen B.-Strauches sind schon lange vor unserer Zeitrechnung Grundlage für kostbare Gewebe: im babylonischen Reich heissen sie “Weisses Gold”. Zahlreiche mittelalterliche Bezeichnungen stammen aus der Antike, z. B. bombacium, gossypium, lana xylina, cotum. Seit dem 12. Jh. (Kreuzzüge) steigt der Import von roher und gesponnener B. rasch an. Die mittelalterlichen B.-Stoffe sind durchweg Mischgewebe, teils mit Seide oder Wolle, teils mit Leinen. Anno Domini: Verwendung findet die B. ab dem babylonischem Reich _____________ Quelle: Internet
Hallo, ein weiteres Baumwoll-Mischgewebe, das anfangs des 14. Jh Verbreitung fand, ist Tirtei - siehe dazu auch Thread 1134 (Textilbindungen um 1400). Ruth
Moin zsuammen, da ich mich im Umzug befinde, muß ich die folgenden Einträge ein wenig aus dem hohlen Bauch machen, da ich keinerlei Zugriffsmöglichkeiten auf meinen Heimatcomputer und meine Bücher habe. Die frühesten BW-Funde, die ich kenne, stammen nach Inga Hägg aus vereinzelten Gräbern in Birka in Schweden (afaik 9./10. Jhdt.), die wohl mit Fernhändlern in den hohen Norden geraten sind. In Mitteleuropa beginnt der Baumwollanbau Anfang des 13. Jhdts. in Spanien und Italien. Vorher wird es wohl vereinzelt Baumwolle gegeben haben, doch waren dieses Importe aus dem Orient. Ab dem 14. Jhdt. ist Barchent (BW-Leinen-Mischgewebe) allgemein verbreitet. Reine BW kenne ich aus dieser Zeit nicht, auch die webarten sind eher unklar. In Süddeutschland und Flandern entsteht eine große Barchentproduktion. In dieser Zeit entsteht auch der Begriff Aketon für wattierte Rüstungen und auch wattierte Kleidung (speziell im franösischen), der sich aus Al´qtun - arabisch für BW - herleitet. Einer der ersten, übriggebliebenen Gambesons ist der Pourpoint von Karl dem Kühnen vom Ende des 14. Jhdts., der auch eine Füllung aus BW hat. Barchent wurde spätestens im 15. Jhdt. zur preiswerten Alternative zu Leinenstoffen und muß wohl in großen Mengen eingesetzt worden sein. Ich bin daher nicht so 100%ig von der Notwendigkeit von Leinenzelten in dieser Zeit überzeugt … Der englische Begriff Fustian entspricht übrigens Barchent. Das in aller Kürze Thorsten
Hi Haddu. Dieser Baumwollimport der Johanniter ist in den Büchern einer Komturei nachgewiesen. Zeitraum spätes 13. bis frühes 14. Jhd. Die genaue Quelle hierzu hat Ronnie, der zur Zeit in Urlaub ist. Um sie aber ein wenig zu vervollständigen: Die Baumwolle wurde an Hospitäler hauptsächlich für Decken und gelegentlich für Armenkleidung geliefert. Für ´echte´ Kleidung war die Baumwolle zu minderwertig. Alles in allem ist Baumwolle im HMA und frühen SMA wohl nur in Randbereichen anzutreffen.
Sorry, Hadu, aber das mit den Baumwollimport durch die Johanniter kommt nicht von mir. Ich weiß auch nichts darüber, zumal die Johanniter im eigentlichen Sinne keine Händler waren. Ihr Erwerb begründete sich mehr auf dem Grundbesitz. Nach meinem Wissen tauchen hier aber tatsächlich seit dem 13. Jh. vereinzelt Baumwollimporte von da unten auf. Wir verzichten in unserer Gruppe aber dennoch darauf, da die Verwendung von Baumwolle für unsere Kleidung eine sehr große Ausnahme darstellen würde. Nicht umsonst wechselt sogar eine mir nicht ganz unbekannte SMA Gruppe gerade ihre Baumwollzelte gegen Leinen aus… Grüße Joachim
Moin, Moin… ich denke, es bestannt in der Verarbeitung dennoch ein großer Unterschied zwischen dem damaligen BW-Tuch und den heutige Bettlaken, oder??? Stichwort: Bettlakenritter *g*
Hallo Ihr! Harry Kühnel hat eigentlich einen ziemlich guten Ruf als Historiker. Sein Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem SMA, was ihn aber nicht daran hindert, das “Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung” herauszugeben. Reicht von der Antike bis in die Renaissance. Dort ist angegeben, daß Baumwolle im MA niemals rein verwendet wurde, sondern immer ein Mischgewebe war. ßbliche Beimischungen waren Seide, Leinen und Wolle. Grußvoll, Matthias Topasius
Hallo. Die erste Baumwolle erreichte Europa wahrscheinlich auf dem Rücken eines Händlers, welcher aus den östlichen römischen Provinzen kam. Die Griechen und Römer kannten Baumwollen als einen Ertrag, der aus dem Nildelta oder Indien stammte. Der Zuwachs an Interesse für Baumwolle stieg mit der westwärts Beweung der Araber im 7. Jahrhundert an. Fustian (kenne leider die deutsche ßbersetzung nicht), ein Stoff, der bei Harduwollf als Barchent bezeichnet wird, führte den Markt im Frühmittelalter an. Als erstes in maurischen Spanien und später in Italien. In England sind aber die ersten großen Baumwollweberein erst im 16. Jahrhundert in erscheinung getreten. Wie es auf mittel- bzw. nördl. Europa aussah kann ich nicht beurteilen. gruß ingo vgl. Textiles in Archaeology by John Peter Wild.
Moin! Aus einem Beitrag über Schuhe aus “Harry kühnel (Hrsg) Alltag im Mittelalter, Edition Kasleidoskop”:Infolge ihrer mitunter fantastischen länge … müssen die die Schnäbel mit Baumwolle … ausgestopft werden. andere Indizien sind in Frankfurt, Ulm … seit der 2ten Hälfte des 14Jh. festzustellen: rückgängige Marktanteile der anspruchsvolleren Wollweberei oder des höherwertigen Leinens bei gleichzeitiger Zunahme billiger Baumwollstoffe, mittelrheinischer Tuche oder des für den Massenbedarf der ärmeren Schichten produzierten Barchents (U.Dirlmeier). Selbes Buch. Sorry, keine Primärquelle, weiß auch nicht wie der Künel wissenschaftlich annerkannt ist. Scheint als würde Baumwolle als reiner Gebrauchsstoff verwendet worden sein. Gruss, Uli
Grüß Euch, das Thema ist brisant, weil sich hier schnell gewisse Leute ihre miese Ausrüstung als Nachgewiesen zurechtlügen könnten. Fakt ist aber, daß es doch Baumwolle gegeben hat. Ich denke nur an den Barchent, ein Stoff, der Baumwollschuß auf Leinenkette ist, oder an die Erwähnung von Baumwolle im Parzival, wo Zelt und Kleidung als eines Ritters unwürdig aus Baumwolle (Pukramun)genannt wird. Auch ist Baumwolltuch im heiligen Land und im Staufisch/normannischen Italien nichts besonderes, teils als Anbau, teils als Billigimport. Und es wurde schon (ich glaube vom Joachim) erwähnt, daß die Johanniter Baumwollstoffe reichlich nach Deutschland importierten. Ebenso ist Baumwolltuch als Tischwäsche erwähnt (Damaszener Tuch). Also, betrachtet diesen Thread nicht als Ausrede, sondern als Herausforderung. Her mit den Quellen! (…und keine A-Diskussion vorher)