Ulrich Müller, Möglichkeiten der Auswertung hölzerner Kleinfunde des späten Mittelalters in Zentraleuropa. In: Ingolf Ericsson/ Hans Losert (Hrsg.), Aspekte der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Festschrift für Walter Sage. Bamberger Schriften zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 1 (Bonn 2003) 333-340.
Hier auch kurz (!) zu Werkzeugen (natürlich mit entsprechenden Literaturhinweisen) und der Entwicklung der Drehbänke von der Schnurzugdrehbank des Frühmittelalters über die Wippdrehbank (sicher vor Mitte 13. Jh., wohl 11./12. Jh.) zur modernen Drehbank.
Für weitere Lithinweise siehe auch die anderen Arbeiten von Prof. Dr. Ulrich Müller, Kiel:
Georg Brütting, Rekonstruktion einer Drechselbank. In: Josef Kirmeier u.a. (Hrsg.), Kaiser Heinrich II. 1002 - 1024. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2002, Bamberg, 9. Juli bis 20. Oktober 2002 (Augsburg 2002) 122 f. Kat.-Nr. I 6.
72.rapidforum.com/topic=103681917091
Hier auch weitere Literatur.
Direkt darüber:
Michael Scheffold, Techniken und Werkzeuge der Holzbearbeitung. In: ebd. 122 Kat.-Nr. I 5.
Weitere Werkzeuge zur Holzbearbeitung, aber wenn ich mich richtig erinnere fast ausschließlich erst 18.-20. Jh.:
Wurster, Herbert W. / Richard Loibl, Ritterburg und Fürstenschloß. Begleitband zur Ausstellung von Stadt und Diözese Passau im Oberhausmuseum Passau 1998. Teil 1: Geschichte. Teil 2. Archäologische Funde (Regensburg 1998).
Ich würde gerne eine Essschale drechseln, habe aber leider nur eine moderne Drechselbank. Merkt man da am fertigen Werkstück einen Unterschied zur Wippdrechselbank? Ich würde es nämlich etwas übertrieben finden, wegen einer Schale extra eine Drechselbank zu bauen, dann kauf’ ich die Schale lieber…
Nach FF2002 kam hier die Frage auf, wer denn der Drechsler war. Nun, die Frage habe ich beantwortet, und viele Leute haben sich für Kurse interessiert. Ich habe jeden gebeten, sich direkt mit Johannes Ulrich Brenner in Verbindung zu setzen.
Ich habe ihn gestern in FF gefragt, ob das jemand getan hat.
ab Mai biete ich Kurse zum Arbeiten mit Ziehbank und Wippdrehbank an. Zur Zeit ist alles noch im Aufbau. Aber es wird. Das ganze soll ähnlich laufen wie bei den bodgern in England, nämlich mit Grünholz und in der Natur.
Weiter unten kam mal die Frage nach einer Wippdrechselbank auf! Auf dieser : www.alte-drechselkunst.de Seite könnt ihr sicherlich anregungen bekommen! Soweit ich weiß beantwortet der “Drechsler” auch gerne Fragen!
… zum Thema heißt “Das Handwerk in vor- und frühgeschichtlicher Zeit”, Vandenhoeck & Ruprecht, Teil II, 1986
Ich fasse Teile zum Thema Drehbänke aus dem Beitrag “Zur Produktion hölzerner Gefäße im vor- und frühgeschichtl. Mittel- und Nordeuropa” zusammen:
Es gibt zwei Antriebsarten:
die Fiedelbogendrehbank, bei der ein Gehilfe eine um das Werkstück oder die Achse geschlungene Schnur hin und herzieht;
die Wippdrehbank, bei der der zweite Mann durch den elastischen Arm als Gegenspieler zu einem Pedal ersetzt wird.
Die älteste Darstellung einer Fiedelbogendrehbank stammt aus einem ägyptischen Grab des dritten vorchristlichen Jahrhunderts. Sie hat sich bis in das europäische Mittelalter erhalten und wurde vereinzelt noch wesentlich später benutzt. (Die Abbildung eines neuzeitlichen Exemplars aus Island, die genauso im FMA hätte aussehen können, kann ich gerne scannen und zumailen.)
Die Wippdrehbank wird “bereits bei Theophilus für das hohe Mittelalter belegt. In spätmittelalterlichen Handschriften ist sie mehrfach abgebildet.”
Also für Spätantike und FMA die Fiedelbogen-Zweimann-Drehbank, fürs HMA dann beides, die Wippdrehbank macht das Rennen. Wenn es derselbe Theophilus ist: Zweite Hälfte 11.Jh.
@ Ulli: für’s shaving horse habe ich noch nichts gefunden *seufz*
Eine Werkbank zum Hobeln habe ich fürs 2./3. Jahrhundert auf einem gallo-römischen Grabrelief in Metz
entdeckt (Römer zw. Alpen und Nordmeer, S. 132) Aber das hilft mir mehr als Dir ;-) Sieht den Teilen, die wir gebaut haben, recht ähnlich, nur die Befestigung des Werkstücks ist nicht abgebildet.
Ich kenne noch nicht mal einen Beleg für eine Schnitzbank für das SMA.
Ich vermute dass eine Schnitzbank als bäuerliches Werkzeug einfach zu banal war, als dass es Eingang in bildliche Darstellungen gefunden hätte…
Dass es sie gab, halte ich trotz fehlender Belege für sehr sicher, denn es ist ein so einfaches und wirkungsvolles Werkzeug das wenig Erfindungsreichtum zur Herstellung braucht und universell einsetzbar ist!
Falls doch jemand einen Bildbeleg für eine Schnitzbank in MA findet, so wäre auch ich daran interessiert ;O)
Meines Wissens nach war diese Art der Drechselbank bis ins 18.Jh die gängige Methode Holz zu drechseln.
Selbst die Korkenzieherartigen Säulen im Barock wurden auf solchen Teilen gefertigt.
Feldflaschen aus Holz mit beim Drechseln ausgesparten Füßchen und Ausguß, oder Kannen bei denen der Ausguß beim Drechseln stehen gelassen wurden sind _nur_ auf einer solchen Vorrichtung zu machen. Das Arbeiten mit einer solchen Drechselbank kann man nicht mit den Masstäben einer modernen kontinuierlich drehenden Maschine vergleichen; Drehzahlen sind relativ unwichtig bei dieser Art Drechseln, Anzahl der Umdrehungen pro Schnitt sind eher das Maß dabei, es ist nämlich möglich nur 3/4 Drehungen o.ä. zu machen, wodurch eben solche Objekte wie die erwähnten Feldflaschen oder Doppelköpfe überhaupt erst machbar sind. Auf der Runneburg (Thüringen) liegt eine Kanne die in dieser Technik erstellt ist, im Windsheimer Fundkomplex (um 1500) findet sich eine Holzfeldflasche, ebenso existiert eine Weitere die im Katalog der Speyerer Mittelalterausstellung zu finden ist.
Die W. wurde in England bis ins letzte Jh. von den sog. ‘Chairbodgern’ verwendet, da sie leicht selbst zu bauen ist wenig Kosten verursacht und ohne ‘Fremdenergie’ auskommt; also ohne Strom etc. , nur Muskelkraft….
Lit.:
Vergessene Künste, Bilder vom alten Handwerk; John Seymour; ISBN 3-332-00707-6; s. 33
Zum Thema Effektivität kann ich mich nur Dietrich und Uli anschließen: schau dir Kai mal in Aktion oder zumindest auf unserer HP an!
Zu orientalischen Vorlagen kann ich dir nichts sagen, weiß ich nix drüber, vermute aber die gleiche Sachlage wie in Europa…
Wenn ich mich nicht irre, habe ich die Drehbank, von der Dietrich spricht, in Quedlinburg “in action” gesehen. Es war beeindruckend. Es geht. Du solltest nur keinen Quader einspannen, sondern das Werkstück schon etwas vorbearbeiten. Und spiegelglatt wird es ohne Nachbearbeitung vielleicht auch nicht. Aber es wird rund. Und darauf kommt es an.
Ich “forsche” auch schon eine Weile nach Quellen für holzbearbeitendes Werkzeug. Aber für Drehbänke mit Schwungrad kenne ich keinen Beleg.
Ulli
der einen Beleg für eine Schnitzbank (shave horse) im 13. Jhd. sucht …
ich kann Dir leider gar nichts über den Orient und nicht viel mehr über Früh- und Hochmittelalter sagen; aber das mit der abgeblichen “Uneffektivität” weiß ich besser.
Einer von unseren Leuten hat sich anhand von Abbildungen, primär aus der Mendel´schen Zwölfbrüderstiftung, eine spätmittelalterliche Drehbank nachgebaut (www.raffel-web.de/anno1476/handwerk_frame.html). Auf dieser hat er schon Dutzende von Eßschüsseln und verschiedene andere Sachen gefertigt, und wer ihn mal dabei beobachtet hat, weiß, daß diese Art der Bank alles andere als uneffektiv ist.
ich suche Informationen über (FMA-HMA)mittelalterliche Drehbänke. Genauer gesagt: gab es zu obiger Zeit bereits Drehbänke mit einem Antrieb bestehend aus Pedal und Schwungscheibe?
Die bisher gefundenen Quellen beschreiben alle ein Drehbank mit einem an einem Galgen befestigten, elastischen Ast, der für den Rückschlag sorgte. Nach Beschreibungen aus dem Museumsdorf Düppel sind diese “Maschinen” aber leider sehr “uneffektiv”, da nur niedrige Drehzahlen des Werkstücks erreicht werden…