Eintrag #9 vom 20. Okt. 2003 17:55 Uhr
Robin (Werner) Guha Thakurta (Schelm von Bergen) Bitte einloggen, um Robin (Werner) Guha Thakurta (Schelm von Bergen) eine Nachricht zu schreiben.
…kann ich für den deutschen- und mitteleuropäischen Raum ausführen, dass es so gut wie zu keiner Zeit und Ortschaft Gesichtsmasken für den Henker gegeben hat.
Es soll sie sehr vereinzelt und nur im begrenzten räumlichen, als auch zeitlichen Rahmen gegeben haben.
Eine typische und verbreitete Henkersgewandung war eine graue Jacke mit grauer Hose in Kobination mit roten Schuhen und einem roten spitzen Hut mit Krempe.
Nun aber die Frage: Wer von den Touris oder auch gewandeten würden sojemanden als Henker erkennen ?
Des Weiteren war der Henker ja im Berufsstand des “unehrlichen” - wenn unter diesen auch der höchste - und musste von den “ehrlichen” zweifelsohne erkannt werden.
Wer einen Henker berührte oder sogar umgang mit ihm trieb wurde selber “unehrlich” und konnte seinem Beruf / Broterwerb nicht mehr nachgehen, da er von der Gesellschaft verstoßen wurde. Selber Henker werden war meistens nicht drin, da dieser Berufsstand sehr harten Familienklügel betrieb (o.k. nicht am Anfang - später jedoch essentiel). Blieben dem Unglücklichen nur noch Wasenmeisterei (“Goldgräber”), Abdeckerei oder betteln übrig.
Fazit: Der Henker war in seiner Umgebung bekannt und wurde also auch erkannt. Eine Maske ist dadurch hinfällig. Auch wenn es sie vereinzelt eine kurze Zeit gegeben hat, so ist sie doch eher eine Hollywood-Erfindung.
Jedoch wenn man den Touris was bieten will (ohne LH), dann kommt man kaum drumherum - zumindest nicht, ohne alles erst lange erklären zu müssen.
Für die Interessierten: ein sehr gutes Buch hat Herr Tankred R. Koch geschrieben “Henkerschicksale aus 8 Jahrhunderten” - Heidelberger “…” - Verlag
Ich hab in Rohtenburg einnen Henkersmantelgesehen, der mit Lederbändern bestückt war.Der war so rot braun und auch als alltagsbegleidung des Henkers gedacht.
Doch, genau darum geht es ja, mir ist keine Beleg für eine das Gesicht bedeckende Kopfbedeckung bei Henkern bekannt, auch nicht bei Kaputzen (eigentlich garnicht für Kaputzen), schongarnicht aus Leder.
Das einzige was ich kenne ist die Gugel, die halt ins Gesicht gezogen werden konnte, das Gesicht verdeckt sie aber nicht.
Hmmm mir fällt da gerade auf, dass ich da vielleicht etwas mißverstanden habe. Mit “Masken” habe ich an Kappuzenähnliche Hauben gedacht. Vielleicht meint Ihr aber mit Masken etwas von Kappuzen sehr verschiedenes?
Die Informationen dazu habe ich aus dem Internet. Klar, jetzt stellt sich die Frage, ob diejenigen, die so was ins Netz stellen alles gewissenhaft belegen können. Weiß ich nicht. Aber zu finden zum Beispiel unter www.unmoralische.de/henker.htm
Während Hinrichtungen trugen Henker manchmal schon Masken, nicht aber im sonstigen “Alltag”.
Das hat aber nichts mit verstecken zu tun, Henker waren bekannt wie ein bunter Hund, sondern vielmehr mit Aberglaube:
Im Moment des Sterbens sollte die Seele des gerichteten nicht vor Zorn auf den Henker springen und diesen verfluchen können, sondern ins Jenseits entschwinden. Darum, zum Schutz, trug der Henker manchmal eine Maske, aber die war nicht unbedingt aus Leder. Stoff tats bestimmt auch.
Aus dem selben Grund gab man den Verurteilten auch eine Henkersmahlzeit:
Nicht aus gefälligkeit, sondern um die Seele gütig zu stimmen, auf dass sie nicht auf Erden verweile.
Diese Hollwoodfantasie wird wahrscheinlich aus Pestzeiten stammen, sowie aus den Stadtverordnungen des ausgehenden 13ten,und im Verlaufe des 14ten und 15ten Jahrhunderts. Dort waren Henker sehr schlecht gestellt, und mussten sich oftmals wie andere Randgruppen auch, entsprechend kennzeichnen. (→ Buchtipp: Stadtluft Hirsebrei und Bettelmönch. Die Stadt um 1300.)
Die Kennzeichnungen waren von Stadt zu Stadt unterschiedlich, aber es gab wohl eine mit einer dunklen Gugel.
Zudem hatte der Henker teilweise eher unangenehme (wenn auch durchaus lukrative) Aufgaben in manchen Städten: Kerrichtbeseitigung, Ehgräben zu leeren, Tote wegzuschaffen. Während den Pestzeiten mags da Masken gegebene haben, die er bei Abtransport gegen den Gestank getragen hat (siehe Pestärzte, die Schnabelmasken). Ich habe dafür auch schonmal eine Abbildung gesehen, weiss aber nicht wie die datiert war. Sie sah wohlgemerkt _nicht_ aus, wie eien Kaputze mit Augenschlitzen.
Ist eine Erfindung von Hollywood … wenn Du alte Abb. von Scharfrichtern (hinrichtung Störtebekers (Abb. 15. Jhdt.), eine Abb., die ich aus dem 14. habe oder Charles V. fallen mir ad hoc ein) siehst Du die Henker immer ohne Maske.
Wenn Du aber gerne eine Ledermaske haben willst, so wird Dich sicher der entsprechende Fetischbedarf damit ausrüsten ;-)
man sieht in diversen filmen oft scharfrichter mit den verschiedensten ledermasken. gibt es irgendwo eine quelle für schnittmuster authentischer henkersmasken, oder ist das ganze sowieso nur eine erfindung der filmindustrie?