Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Keramik: "Ton-Technisches"

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Eintrag #1 vom 12. Aug. 2004 12:27 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht z.B. Einfluß von Material und Brand auf die Farbe

Ich möchte diesen Thread starten, um ein paar Informationen zusammenzubringen, die vielleicht helfen können, vom “Töpfer meines Vertrauens” Keramik zu bekommen, die neben der richtigen Form endlich auch die richtige Farbe und die richtigen materialeigenschaften haben.
Einfluß auf die Farbe hat das Material und der Brand. Z.B. hat Keramik in diesem typischen Terrakotta-Ziegelrot einen hohen Eisenanteil (wie übrigens auch Ton, der im Stadtgebiet Göttingen in einer Baugrube gefunden wurde). Auch andere Bestandteile verändern die Farbe der Keramik, ich glaube, Mangan war eines davon, ich weiß aber nicht mehr, wie es sich auswirkt.
Der Brand hat auch Auswirkungen auf die Farbe. Mein Feldbrand-Krug wirkt durch die unterschiedlichen Temperaturen, die beim Brand auf ihn eingewirkt haben, fleckig, mit fast schwarzen anthrazit-grauen Stellen, und mit hellgrauen, fast weißen Stellen. Ich weiß aber nicht, was für Bestandteile der Ton enthielt, und welche Farbe der Krug angenommen hätte, wenn er im modernen Töpferofen gebrannt worden wäre.


Mein Problem ist, daß manche Informationen normalerweise nicht os aufbereitet sind, daß ich den Zusammenhang sehe:
- Kataloge bzw. Fundberichte mit Keramik bringen z.B. Schwarzweißfotos oder Strichzeichnungen, aus denen ich nicht die Farbe ersehen kann.
- Objektbeschreibungen verwenden Begriffe wie “rote Irdenware” oder “heller Scherben” - und ich weiß nicht, _wie_ rot oder _wie_ hell die Keramik nun ist, wenn ich es nicht sehen kann.
- Materialanalysen sind so schrecklich unanschaulich, daß ich mich noch nicht mal erinnern kann, ob ich schon welche gelesen habe oder nicht.
- Wenn es denn mal Farbbilder gibt (wie z.B. in der ansonsten seeehr empfehlenswerten Datenbank von www.rheinische-keramik.de), dann weiß ich nicht, wie ich diese Farben hinbekommen kann, weil Materialanalysen fehlen.


Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe ein paar Fragen.
- Welche Bestandteile des Tons beeinflussen seine Farbe, und in welche Richtung?
- Welche Bestandteile in welchem Mengenverhältnis sind z.B. nötig für dieses helle Beige der Pingsdorfer Keramik?
- Sind Feldbrand-Gefäße immer mehr oder weniger grau, oder würden sich bei stark eisenhaltigem Ton auch unterschiedlich dunkele Rotschattierungen ergeben?
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #2 vom 17. Aug. 2004 15:14 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Praxiserfahrung

Dank der Möglichkeit, in Torgelow einen reduzierenden Brand mitzuerleben, kann ich ein paar Fragen, die ich mir beim Eröffnen des Threads gestellt habe, schon selbst beantworten. Auch, wenn sich daraus nochmal wieder neue ergeben.
- Der in Torgelow verwendete Ton war anscheinend normal eisenhaltig, denn ich habe die Gefäße gesehen, die für den (leider mißlungenen) Grubenbrand gedacht waren. Die Töpferin hatte sie mit einem Schrühbrand vorbereitet, um das Risiko zu vermindern, daß sie bei einem Fehlschlag zerspringen, und sie waren ziegelrot (zu sehen auf www.brandenburg1260.de/torgelowlhso04.html ).
- Um einen reduzierenden Brand durchzuführen, mußte der Ofen irgendwann nach dem Anfeuern luftdicht verschlossen werden. Die Glut/das Feuer holt sich den zum Weiterbrennen nötigen Sauerstoff aus dem Eisenoxyd (chemisch gesprochen: das Eisenoxyd wird reduziert).
- Die fertigen Gefäße hatten verschiedenen Grauschattierungen. Besonders gelungen waren anscheinend die besonders dunklen Gefäße. Helle, fast weiße Flecken scheinen auf Stellen mit kleinen, immer noch im Ofen vorhandenen Stellen mit Luftzufuhr hinzudeuten. Bei genauem Hinsehen hatten viele Gefäße einen metallischen Glanz. Rottöne waren nirgendwo vertreten.


Und jetzt habe ich wieder Fragen. (Hobby-)Chemiker vor!
- Sind die beim reduzierenden Brand entstehenden Farben dunkelgrau und weiß (und/oder grau-metallisch glänzend) verschiedene Reduktionsstufen (unterschiedliche Anzahl von aus dem Eisenoxyd-Molekül entfernten Sauerstoff-Atomen?
- Geht das mit dem reduzierenden Brand erst mit der “grauen Ware” los? Sind die beigen Pingsdorfer Gefäße also oxydierend gebrannt? Oder gibt es da auch Anzeichen für eine, wenn vielleicht auch unvollständige, Reduktion?
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #3 vom 17. Aug. 2004 20:56 Uhr   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Sägemehl

Ich hab in Torgelow das Einrichten des Grubenbrandes miterleben dürfen. Was sich mir nicht wirklich erschloss war dabei die Verwendung von Sägemehl. Wirkt dsa in dieser Menge nicht erstickend statt brandfördernd? Oder ist das gewollt?
Was ist zum Sägemehl von heute das historische Pendant? Oder wären Hobelspäne die bessere Alternative?
Beate (Irka)

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Eintrag #4 vom 19. Aug. 2004 12:51 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Stimmt

Ja, genau das dürfte ein Grund sein, warum der Grubenbrand nicht funktioniert hat. Der Schiffsbauer hatte leider keine Hobelspäne, deshalb haben wir Sägespäne genommen, in der Hoffnung, daß die, weil sie so klein sind, auch schneller in Brand geraten als die großen Scheite. Beim Ausgraben haben wir bemerkt, daß aber wirklich nur die oberste Schicht Holz abgebrannt ist, die Gefäße waren zum größten Teil noch nicht einmal angesengt, die Sägespäne in den Gefäßen noch weiß und unverbrannt.
Soweit ich weiß, ist geplant, beim nächsten Versuch sowohl neben den eigentlichen Meiler zwei Schächte zu graben, als auch die Sägespäne durch Hobelspäne zu ersetzen, bei denen neben der leichten Entzündbarkeit auch noch die bessere Durchlüftung dazu kommt.
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #5 vom 19. Aug. 2004 22:53 Uhr David Seidlitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um David Seidlitz eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
Sägemehl brennt nicht wirklich gut :o). Soll es auch nicht, bspw. beim Räuchern. Ausser es wird fein zerstäubt, was beim Grubenbrand in Torgelow ja nicht der Fall war. Hobelspäne brennen dagegen sehr gut, vielleicht hätte es damit geklappt.
Gruß,
David
fm

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Eintrag #6 vom 29. Dez. 2004 19:29 Uhr Jerome (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jerome eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
ich kann vielleicht ein paar angaben zur brennfarbe machen:
-Eisen sorgt bei geringen Konzentrationen für rote, bei höheren für braune Farbe.(oxidierender Brand)
In Verbindung mit Titan entsteht unter ganz bestimmten Voraussetzungen eine gelbe Brennfarbe.
Unter reduzierender Atmosphäre (entweder durch die Gasführung, oder durch im heißen Zustand in Sägespäne legen) erhält man Grau bis Schwarztöne.
-Einen hellen Scherben erhält man aus einenm hellen Ton in verbindung mit möglichst reduzierender Atmosphäre, da schon geringe Mengen Eisen färbend wirken (sonst etwas rosa).
-Mangan sorgt für Grau- und Schwarztöne, vor allem in Verbindung mit Eisen.
Das Farbspiel im Feldbrand rührt von örtlich unterschiedlichen Brennatmosphären im Brenngut. an Berührungspunkten vermutlich etwas dunkler als an stellen, an denen die Flamme entlangschlägt. Natürlich kann ein wenig manipulieren. Ich würde mal Versuchen Rost zu zerstoßen (Mörser) und mit Wasser angerührt aufzutragen, oder ein Gefäß mit Schmalz/Kohlestaubgemisch zu verzieren. An diesen Stellen sollte bei geringer Brennzeit und nicht zu hohen Temperaturen gezielt Verfärbungen auftauchen.
Tipp1: Buchenholz erzeugt hohe Temperaturen und brennt lange, damit wurde im Westerwald lange Keramik gebrannt.
Tipp2: Zun Dichtmachen (Temp. i.d.R nicht ausreichend), Gefäße mit Milch auffüllen und sauer werden lassen. Ausleeren, trocknen lassen, fertig. ob das “A” ist kann ich nicht sagen, aber vorstellen.
Eine Glasureffekt kann durch Zugabe von Kochsalz (NaCl) unter hohen Temperaturen entstehen.
für mehr infos Mail schicken
Euer Keramikstudent

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