Ohja, Tobi, das kenn ich, ich durfte auch schon auf Zinn im Essen rumkauen, das sich aus nem Kessel gelösst hatte ;)
Zum Thema Keramik und Kessel eine kleine Rechnung: ein großer Keramiktopf kostet vlt. 30€. Ein Bronzegrapen mit vlt. doppelt soviel Fassungsvermögen (wenn man Glück hat) 300€.
Also doppeltes Fassungsvermögen für zehnfachen Preis.
Eine Küche mit 5-6 Keramiktöpfen unterschiedlicher Größe ist flexibler und kann auch gut viele Leute versorgen. Und ist historisch.
Wir haben bei 1476 und bei der Company ebenfalls Großküchen. Dort werden keine Riesen-Kessel verwendet, sondern mehrere normale Töpfe für die verschiedenen Bestandteile der Gerichte.
So wurden schon 12 gängige Festmahle für über 20 Personen gebrutzelt.
Übrigens gab es leider immer wieder Probleme mit verzinnten Buntmetall-Töpfen.
Trotz besonderer Vorsicht (niemals leer kochen lassen, etc.) und verschiedenen Dienstleistern, löste sich die Verzinnung relativ schnell ab.
Weitere Infos dazu am Besten über Dietrich (bzw. seine Frau Helga) erfragen.
Kermiktöpfe will ich mir ohnehin auch noch besorgen, nur solange ich damit noch keine Erfahrungen hab, werde ich damit nur mal ein bisschen herum probieren und würde stattdessen Eisen/Metall/etc.- Kessel und Töpfe verwenden.
Außerdem sehe ich eine Problematik, wenn man für 20-30 Leute kocht…
Deswegen meine Frage, welches Material empfehlenswert ist, Zwecks Oxidation und Korrektheit.
Und eben wg. der Verzinnung.
@Jens
Ja klar tauschen wir uns aus :)
Aber in meiner Frage gings ürsprünglich ja auch nicht um Keramik ;)
Antje Kluge-Pinsker; Der befestigte Hof Goldstein bei Frankfurta.M.-Niederrad; Sonderdruck aus “Schriften des Frankfurter Museums für Vor- und Frühgeschichte IX (1986)”
Darin wird auch auf einen frankfurter Altstadtfund verweisen, vond em ledier bis heute nur der spätantike und frühmittelalteröiche Teil aufgearbeitet wurde.
Andrej, es wundert mich, daß die Glasur innen ist. Bei den frühen Glasuren kenne ich die vor allem außen - auch wenn uns das heute unlogisch erscheint.
Die Kochtöpfe waren aber auch im 15. Jh. noch in der Regel unglasiert. Glasuren kenne ich vor allem bei Schankgeschirr und dort auch vor allem außen (da auch gern fleckig und unregelmäßig, irgendwie “draufgeklatscht”).
Hast Du Funde zu Glasuren auf der Innenseite und womöglich noch speziell bei Kochgefäßen?
Auch noch ein anderer Hinweis zu Glasuren: Die Originalglasuren waren Bleiglasuren, was heute (aus gutem Grund) in Deutschland nicht mehr verwendet wird. Man müßte sich also eine ähnlich aussehende bleilose Glasurmasse suchen. Da kann man aber auch auf Vorlagen zurückgreifen, die “von Hause aus” ohne Glasur sind - jedenfalls bei Kochgefäßen, weil da die Vorlagen ohne Glasur Legion sind.
Vlt. solltet ihr innerhalb des Projektes mal Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen gründen- so als Anregung- und dabei auch eine zum Thema Keramik und (Koch-)geschirr.
Ansonsten kann ich mich generell nur dem Tenor insofern anschliessen, als dass ich zu keramischen Kochgeschirr raten täte, was erstens günstig, leicht zu beschaffen, von den Vorlagen her lokal replizierbar und in verschiedene Darstellungen passt.
Im späten Mittelalter gibt es eine reichhaltige Auswahl an Gefäßtypen in der Küche für unterschiedliche Zwecke und aus unterschiedlichen Materialien, einerseits Ton, Eisen, verschiedene Arten von Buntmetall wie Bronze und Kupfer- allerdings kommt es halt auch sehr auf den Geldbeutel an, damals wie heute.
Sollte es auf einen Bronzegrapen hinauslaufen- was übrigens mit etwas Übung kein Problem ist- dann wende dich am besten an Oliver Kubik (siehe Benutzerliste), der hat wohl grad welche da, für Keramik siehe PN.
schau mal nach wissenschaftlichen Ausarbeitungen zu den Mary-Rose Funden.
Der Untergang des englischen Kriegsschiffes im späten 15. Jh lässt sich sehr genau datieren.
Bei den sehr interessanten Funden befinden sich AFAIK auch Gusseisen-Grapen.
Es gibt wohl noch frühere Originale, diese sind aber zT schlecht datierbar.
Ansonsten war Gusseisen im 15. Jh noch high-tech und relativ wenig verbreitet.
Zum einen sind zum Eisenguss sehr hohe Temperaturen nötig, zum anderen war das mittelalterliche Handwerk sehr konservativ und Lageorientiert…. Die Grapengießer gossen nun mal seit Generationen Kupferlegierungen.
Bronzegrapen wurden übrigens bis weit ins 19 JH gegossen und verwendet (angeblich brennt zb Brei darin nicht so schnell an, usw…)
weiß jemand, wann in Mitteleuropa die ersten Kochtöpfe aus Gusseisen auftauchten? Informationen mit Quellenangabe wären besonders schön. Ich will übrigens nicht darin kochen, mich interessiert nur allgemein Aufkommen und Verbreitung von gusseisernen Töpfen.
Wobei grad für das angegebene Zeitfenster auch durchaus Glasuren zu finden waren. ich lasse mir z.B. grad nach einem Frankfurter Fund Tontöpfe fertigen die innen grünlich glasiert sind. Das muss man aber halt mit regionalen Funden abgleichen.
Bei Metalltöpfen wird es in der benannten Zeit entweder auf riesige Kessel oder Grapen hinauslaufen. Die hat man dann entweder aus Gelbguss, was unverzinnt wieder das Problem der Oxidation mit sich bringt oder aber Gußeisen, was in der korrekten Form aber nur sehr schwer zu bekommen sein wird.
In Sachen Oxidation von Speisen sind Tontöpfe die beste Lösung. Man muß die auch nicht unbedingt selber herstellen, sondern kann die Formen für die entsprechende Zeit recherchieren und dann das gewünschte Gefäß bei einem Töpfer in Auftrag geben.
Wenn es eine reduzierte Keramik sein soll, braucht man einen Töpfer, der reduzierend brennen kann (das ist manchmal ein bißchen schwierig), aber bei allem, was auch historisch oxidierend gebrannt war, ist es normalerweise nicht schwer, einen Töpfer zu finden, der das anfertigen kann.
Nur aufpassen, daß man sich
a) keine Glasur einreden läßt “weil das ja sonst unhygienisch ist” (ist Quatsch) und
b) die Keramik nicht dichtgesintert ist (also kein Steinzeug zum Kochen). Dichtgesinterte Keramik wie Steinzeug ist nicht zum Kochen geeignet, weil sie die Materialspannungen bei der im Feuer zwangsläufig ungleichmäßigen Erwärmung nicht aushält. Steinzeug war Schankgeschirr.
Bei der Entscheidung Metalltopf oder Tontopf sollte man sich auch davon leiten lassen, was in der entsprechenden historischen Epoche das verbreitetste Kochgeschirr war. Es schwirren in der Darstellerszene ohnehin viel mehr Metalltöpfe rum, als in den meisten dargestellten Zeiten verwendet wurden…
Ich hab mich jetzt ein wenig ins Kochen reingelesen und auch schon ein paar Sachen ausprobiert, jetzt brauch ich aber noch passende Kochutensilien fürs “überm Feuer kochen”.
Ich hätt gern einen Kessel, in dem ich auch saure Sachen, Essig, Wein, etc. reintun kann, ohne, dass ich gleich Bekanntschaft mit Grünspan oder ähnlichen Dingen mache.
Im “Lagerkochen”-Thread steht etwas über verzinnte Kessel- kann man in denen problemlos alle Sachen kochen?
Wäre ein geschmiedeter, innen verzinnter Kessel eigentlich authentisch?
Kenn mich mit Kesseln, Töpfen und solchen Sachen leider überhaupt nicht aus :/
Tonsachen wären natürlich auch ne Möglichkeit, allerdings trau ich mich mit meinem Geschick da nicht drüber ;)
Zum einordnen: Ich brauch die Sachen für die spätmittelalterliche Darstellung, zeitlich 1460-1470, genau 1462, Wien.