Hui, das muß ja richtig sexy ausgesehen haben, da hatte die Kirche abaa sicher was gegen, lol Stoff war eben kostbar und daher wurde lieber mehr vernäht als großzügig geschnitten mit nur zwei Nähten rechts und links ;-)
Und noch ein´: Es taucht immer mal wieder der Spruch von “einem rocke von zwanzig(?) geren” auf. Hierbei handelt es sich nicht etwa um ein Gewand, dessen Schoß mit zwanzig Keilstücken erweitert wurde, sondern um Kleider, die nicht mittels Abnähern, sondern mittels Verbreitern und Verjüngen aus einzelnen Stoffstreifen zusammengestellt und so an die jeweilige Körperform angepaßt wurden. Der Torso wurde auf diese eng und Figurbetonend eingepackt, und der Schoßteil wurde durch zwischen diesen Streifen eingenähte Keilstücke erweitert. Dies konnte sowohl uni als auch vielfarbig geschehen. Habe gerade meine Bücher nicht parat, meine mich aber an ein erhaltenes Stück in Dänemark erinnern zu können, das auf diese Weise verfertigt worden war. Ein Schema findet sich meines Wissens in Xenia Krämers “Buch der Gewandung”- nicht die beste Referenz, aber wer es hat, kann nachschauen. Gruß Ivo
Hallo Martin, ich würde der Empfehlung von Thorsten folgen und das Gewand aus Streifen zusammensetzen. Sonst hast du unheimlich viel Verschnitt und die Nähte, mit denen die Streifen zusammengenäht sind, gehen ja auf, wenn du sie durchschneidest, um den gestückelten Stoff zuzuschneiden. Mach dir einen Tunikaschnitt aus Packpapier oder billigem Stoff, dann geht das Stückeln einfacher. Achte bitte auf den Fadenlauf, sonst kann es dir passieren, daß das schöne Gewand aus der Form gerät. Diagonal verarbeitet, ist fast jeder Stoff mehr oder weniger elastisch und hängt sich aus, d.h. er wird beim Tragen anfangs etwas länger. Es empfiehlt sich also, auch bei Schrägstreifen die Kettfäden senkrecht und die Schußfäden diagonal zu lassen. Braucht zwar Stoff, lohnt sich aber. Viel Spaß beim Nähen!
Moin Martin, da die verschiedenfarbigen Teile (vor allem auch stückweise!) zusammengenäht werden müssen, denke ich an einige Museumsstücke, die ich in Braunschweig gesehen habe. Es handelte sich da um gehobenere kirchliche Roben meist aus dem 15./16. Jhdt. Die einzelnen Teile wurden da nicht von hinten aneinandergenäht, wie man es ja heute hauptsächlich macht, damit man die Naht nicht sieht, sondern der eine Stoff wurde umgeschlagen und auf den anderen von oben mit kleinen schrägstehenden Stichen aufgenäht. Ich denke, daß diese Art durchs ganze MA möglicherweise auch bei mi-parti verwendet wurde. Historische Belege kann ich da aber leider nicht für bieten.
Moin Mrtin, da Du Dich ja eh´ im hohen bis frühen Spätmittelalter bewegst, würde ich eher die Streifen auf´s Gewand zuschneidern. Wenn Du einen Tunikaschnitt nimmst, arbeitest Du eh´ mit großen Stofflächen (nach der Rechtschreibreform: Stoffflächen - Uaaaaaah). Ich habe selber ´ne gestreifte Wolltunika auf diese Art und Weise genäht und es lief hervorragend - sind ja alles gerade Linien, die man nicht sieht. Also her mit der Nähmaschine!! Bis denn Thorsten
Ivain: danke für die Tips, ich habe zwar schon alles durchgeguckt, muß ich aber wohl übersehen haben. - hilft schon viel. aber bevor ich irgendwelchen Stoff mit irgendwelchem Urin tränke ;-) nehme ich vielleicht doch lieber “moderne” Färbemittel. (Sehe ich dam jemanden die Hände übern Kopf zusammenschlagen?) Thorsten:hm, so dachte ich mir das auch. Nur: nähe ich aus den Streifen erst ein großes Tuch zusammen und daraus schneide ich dann das Gewand, oder setzte ich die Streifen gleich zum Gewand zusammen? IMO ist erste Variante einfacher. Die Gewänder auf der Frauenlob-Miniatur sind doch schon sehr gestreift… (Mist, weiß nicht, welches Folio das ist, Tempora Nostzra ist gerade nicht online. Aber siehe auch Nr. 64, Her Otto vom Turne
Moin Martin, was die Farbzusammenstellung angeht, so vermute ich eher, daß verschiedenfarbige Stoffe zusammengenäht wurden, da es ja noch keinen so extensiven Stoffdruck gab - mit normalem Färben müßte das IMHO und nach Batikversuchen Anfang der 80er (jaaaa, ich war “alternativ”) nicht möglich sein. Wenn ich mich jedoch an die diversen Abbildungen speziell aus dem HMA-Bereich erinnere, waren die Unterteilungen derartig großflächig, daß Du nicht allzuviel schnipseln mußt (im Gegensatz zu jemandem von uns, der eine Cotehardie aus der Mitte des 14. Jhdt. nachbaut, die eng und diagonal gestreift ist - armes Schwein ;-). Ich selber habe schon einige Sachen in Mi-Parti-Techniken, sowie heraldische Kleidung angefertigt und hatte eigentlich keine Probleme (bis auf den größeren Nähaufwand natürlich). Bis dann Thorsten (der mal darüber reden mußte)
Hallo alle zusammen, ich habe überlegt, ob ich das hier lieber “auf den Markt trage” oder ob es schon mal Thread darüber gab… aber … Hat denn jemand eine Ahnung, wie die gestreiften MiParti Kleider hergestellt wurden, wie sie z.B. bei Mannesse, Frauenlob zu sehen sind. Ist der Stoff in Streifen gewebt, gefärbt oder zusammengenäht? Muss man bei letzterem den Fadenlauf beachten? Nachdem mir mein bisheriges Surkot nun nicht mehr gefällt (zu “ritterlich”) möchte ich ein mehr “spielmännisches” Kleid schneidern. Außerdem: wie färbt man “a” seine Stoffe? (grün, blau) pax et bonum