Dann muss ich mal gucken, ob ich das mit dem unsichtbaren Vernähen hinbekommen. Da ich die Jacke nämlich ungefüttert lassen will, würde ich die Nahtzugaben innen schon gerne irgendwie aus dem Weg schaffen, damit die nicht so abstehen.
Eine andere Möglichkeit, die ich jetzt noch gefunden habe, ist wohl, die Zugabe auf etwa zwei Millimeter zu kürzen und zusammenzunähen, so dass ein “Grat” entsteht. Na, muss ich mal gucken - Danke jedenfalls, ist mir eine große Hilfe.
Im Buch “Woven into the earth” von Else Ostergaard werden die Nähte der KLeidungsstücke aus Herjolfsnes in Grönland schön analysiert. Sie datieren in das 14. bis 15. Jh.
Soweit ich es beurteilen kann, wurden jene Nähte durch beidseitiges Umklappen der Nahtzugabe versäubert, an denen keine große Materialstärke erwünscht war, wie eben bei Beinlingen, oder bei den Herjolfsnes-Funden an den Schulternähten. Dort, wo die Kleider weit fallen, ist es nicht so wichtig, wie man versäubert, in Herjolfsnes wurden hier einfach beide Nahtzugaben auf eine Seite umgeklappt und mit einem von außen unsichtbaren Stich festgenäht, oder aber einfach unversäubert gelassen.
Ich glaube ich weiß welche Art der Versäuberung der Nahtzugabe du meinst kenne es aber so, dass du nicht durchstichst, sondern die Nahtzugabe quasi nur auf der Innenseite an ein, zwei Fäden des Stoffes annähst. Somit sieht man von außen nur die Hauptnaht wie von deinen Abbildungen her beschrieben.
Spätmittelalterliche Hosenfunde gibt es keine, aber Strümpfe und Beinlinge (Herjolfnes, London), und da wurde z.T. meines Wissens nach schlicht sogar teils mit Heftstich vernäht, und garnicht versäubert, i.d.R. dürfte es aber Rückstich sein. Versäubern würde ich so, dass man in der Wolle näht, d.h. nicht durchnäht, dann sieht man die Naht nicht von aussen, aber für viele Hosenstoffe braucht man garnicht versäubern.
Vielleicht eine etwas einfache Frage, aber eine, auf die ich keine Antwort finde.
Es geht darum, ob ich im Grunde genommen jede (nicht moderne) Naht für alles nehmen kann oder ob bestimmte Nähte bestimmten Bekleidungsstücken / Regionen vorbehalten waren.
im Speziellen meine ich eine Naht, bei der zuerst beide Stücke mit etwa 5mm Zugabe aneinandergenäht werden, die Zugaben umgelegt und ihrerseits am Stoff vernäht werden, so dass von außen drei parallele Linien mit jeweils ca. 3mm Abstand zu erkennen sind. Das wurde meines Wissens oft für Hosenbeine benutzt, die Frage ist jetzt, ob ich das auch guten Gewissens für eine Jacke benutzen kann?
Die Frage stellt sich insbesondere deshalb, weil auf allen Bildern, die mir so einfallen, immer nur eine gerade Naht zu erkennen ist.
Auch ganz allgemein ist das ein Thema, dass mich interessiert, da es in allen Anleitungen,etc… stets immer nur heißt: “zusammennähen”, ohne auf die Naht an sich einzugehen…